Erstellt am 29. Mai 2015, 06:40

von Bernhard Fenz

Die Marke von 2003 kann fallen. Mattersburg will gegen Liefering den Titel fixieren – mit einem Sieg wäre die erste Aufstiegssaison getoppt.

Steirer gebogen. Mit dem 2:0-Heimerfolg gegen Kapfenberg ist alles bereit für die Mattersburger Meisterparty am Freitag.  |  NOEN, Bernhard Fenz
Ein Duell 2003 vs. 2015, geht das überhaupt? Jein. Wer den ersten Bundesliga-Aufstieg der Mattersburger Vereinsgeschichte im Jahr 2003 mit dem aktuellen Wiederaufstieg vergleichen will, stößt an Grenzen.

Der erstmalige Aufstieg im Jahr 2003 war und bleibt einfach etwas ganz Besonderes, weil die Burgenländer eben erstmals in das Fußball-Oberhaus aufstiegen, ein ganzes Land sportlich ausgehungert war und die riesige Begeisterung im Umfeld österreichweit für Aufsehen sorgte.

2015 spielt sich in der Außenwirkung vieles vergleichsweise unspektakulär ab, der kollektive Hype von damals rund um den SVM ist Geschichte. Ein Generationenwechsel hat im Lauf der letzten beiden Jahre nach dem Abstieg im Jahr 2013 nun aber eine neue, hungrige Mannschaft entwickeln lassen, die nach der sportlichen Talfahrt drauf und dran ist, eine beeindruckende Saison am Freitag mit dem Titel abzuschließen.

Bei einem Sieg um ein Punkt mehr als damals

Spätestens hier ist ein Vergleich zu damals sehr wohl legitim. Da schloss die Meistermannschaft aus der Saison 2002/2003 die Erste Liga mit 70 Punkten ab. Gewinnen die Burgenländer am Freitag in Grödig gegen – den nicht aufstiegsberechtigten – Red-Bull-Verein FC Liefering, hätten die Grün-Weißen mehrere Fliegen mit einer Klatsche geschlagen.

  1. Dann wäre der Meistertitel fix – was übrigens auch bei einem Unentschieden oder einer Niederlage mit bis zu vier Toren Differenz der Fall wäre.

  2. Dann könnten die Burgenländer die grottenschlechte Saisonbilanz gegen Liefering (3:6, 1:3, 0:2 in den bisherigen Duellen) endlich aufpäppeln und sich mit einem vollen Erfolg revanchieren.

  3. Dann hätte der SVM 71 Punkte am finalen Konto – und somit um einen Zähler mehr als die Meistermannschaft 2003. Wenn das kein prestigeträchtiger Anreiz ist…?

Als Volksschüler im Stadion, jetzt Goalie

Markus Kuster, seines Zeichens Mattersburgs Einsertormann, könnte damit jedenfalls gut leben, er sagt dazu: „Wir wollen grundsätzlich so viele Punkte wie möglich holen. Wenn es dann auch noch mehr als 2003 sind, ist das ein schöner Aspekt.“

Bezug zur damaligen Meistertruppe und zum Aufstieg des SV Mattersburg hat der aus Pama stammende Schlussmann trotzdem nur bedingt. Wen wundert das auch? Kuster war gerade einmal neun Jahre jung, als Didi Kühbauer und Co. die Sektkorken im Frühjahr 2003 knallen ließen. Mit dabei im Stadion war der heute 21-Jährige damals trotzdem schon, etwa im Zuge der bekannten Volksschulaktion.

Jetzt kann er als unbestrittene Nummer eins (zuletzt wurde der U21-Teamkeeper auch von der Bundesliga als bester Goalie der Ersten Liga ausgezeichnet – Karim Onisiwo übrigens als bester Spieler) seinen Teil aktiv dazu beitragen, dass Grün-Weiß einen optimalen Saisonschluss hat.

Keeper Kuster will endlich „die Null“

Denn die Profis des SVM wollen am Freitag beim direkten Duell gegen Liefering in Grödig alles klarmachen und sich den Meisterteller holen. Schiefgehen könnte nur mehr etwas, wenn die Burgenländer mit fünf Toren Differenz verlieren.

Daran denkt die Nummer eins aber gar nicht erst: „Ich gehe davon aus, dass Liefering noch einmal alles probieren wird, um den Titel zu holen. Auf uns wartet eine interessante Herausforderung. Schön wäre, wenn wir gewinnen könnten und die Saison mit drei Punkten abschließen.“

Detail am Rande, das für Kuster auch einen weiteren Anreiz bietet: „Liefering ist die einzige Mannschaft, gegen die wir noch nicht zu Null gespielt haben – auch das wäre eine schöne Sache.“

Personell ist der SVM soweit komplett. Sven Sprangler hat seine Gelbsperre abgesessen und steht wieder im Kader.

„Wir müssen jetzt noch etwas leisten“

Für Trainer Ivica Vastic ist auch dieser Umstand ein feiner – eben dass fast alle Akteure fit sind und der SV Mattersburg so beim Finale gegen Liefering dementsprechend auftreten kann. Nun gilt es, die Saison positiv abzuschließen: „Wir wollen auf jeden Fall Meister werden, haben aus den letzten Spielen einen sehr guten Lauf mitgenommen und wollen außerdem mit den Lieferingern noch eine offene Rechnung begleichen.“

Heißt, dass nach drei Niederlagen nun auch endlich gepunktet werden soll. Bevor also der Titel gefeiert wird, gibt Vastic beim Aufsteiger noch eine logische letzte Devise aus: „Wir müssen jetzt noch etwas leisten, dann können wir jubeln.“ Es ist somit angerichtet. Die Meisterfeier in der Fremde kann kommen.

So viele Punkte holten die Meister der Ersten Liga

2013/2014: Altach 73 Pkt
2012/2013: Grödig 75 Pkt
2011/2012: WAC 68 Pkt
2010/2011: Admira 75 Pkt
2009/2010: Innsbruck 69 Pkt
2008/2009: Wr. Neustadt 69 Pkt
2007/2008: Kapfenberg 66 Pkt
2006/2007: LASK  76 Pkt
2005/2006: Altach 68 Pkt
2004/2005: Ried 77 Pkt
2003/2004: Wacker Tirol 72 Pkt
2002/2003: Mattersburg 70 Pkt
2001/2002: Pasching 72 Pkt
2000/2001: FC Kärnten 70 Pkt
1999/2000: Admira 77 Pkt
1998/1999: SW Bregenz 69 Pkt

Davor wurden andere Meisterschafts-Modi als die Zehnerliga mit 36 Runden gespielt, etwa eine 16er-Liga mit 30 Runden oder Meisterschaften, die dann in Play-offs aufgeteilt wurden. Zudem wurde erst ab 96/97 mit der Drei-Punkte-Regel gespielt.