Erstellt am 03. April 2013, 00:00

„Die Zeiten ändern sich“. Ungewisse Zukunft / Auf das Kegeln im Burgenland kommen harte Zeiten zu. Trotz neuem Modus und mehr ausgebildeten Trainern fehlt es im Traditionssport einfach an jungen Keglern.

BSK-Präsident Stefan Trenovatz (l.) und sein Vize Walter Zimmerhackl beschäftigen sich intensiv mit dem Nachwuchsproblem im Kegelsport.  |  NOEN
Von Martin Ivansich

KEGELSPORT / Die Bezeichnung „Wirtshaussport“ hat sich das heutige Kegeln nicht mehr verdient. Dabei soll dieser Ausdruck gar nicht abwertend gemeint sein. „Denn immerhin stand früher das gesellige Beisammensein und die Kameradschaft im Vordergrund“, so Stefan Trenovatz, der Präsident des burgenländischen Kegelverbands. Der ehemalige Bürgermeister der mittelburgenländischen Gemeinde Mannersdorf denkt mit Wehmut an die 90er Jahre zurück: „Wo nicht selten 70 Zuseher oder sogar mehr bei einem Spiel waren. Heute ist es vielleicht eine Handvoll. Meistens sind bei einem Spiel nur die Kegler selbst dabei.“ Aber: „Man wollte das Sportliche in den Vordergrund bringen“, meint Trenovatz. Was eigentlich ganz gut gelungen ist. Der neue Modus (120 Wurf) hat die Spiele selbst spannender gemacht.

Sportlich gesehen ist es  attraktiver geworden

„Der Sport selbst ist sicher interessanter geworden. Es gibt auch mehr ausgebildete Übungsleiter, Instruktoren und Trainer. Die Ausbildungsqualität an sich hat sich enorm verbessert. Daneben gibt es auch das Bundeskegelzentrum in Ritzing, wo Top-Bedingungen vorherrschen“, freut sich Kegel-Vizepräsident Walter Zimmerhackl über gelungene neue Strukturen innerhalb des burgenländischen Kegelsports.

Dennoch, die Probleme des Kegelns liegen woanders. Kaum ein Verein hat mehr als ein oder zwei Nachwuchsspieler in seinen Reihen. Die Gründe dafür sind vielfältig. „Zum einen ist es sicher das Zeitalter der Elektonik. Das Freizeitangebot für Jugendliche wird immer vielfältiger. Kurzfristig, als das Bundeskegelzentrum in Ritzing seine Pforten öffnete, schöpfte man Hoffnung. Trenovatz: „Da waren auf einmal knapp 20 Nachwuchsspieler da. Übrig geblieben ist aber kaum einer. In ganz Österreich zerbricht man sich den Kopf, wie man dem Keglerschwund entgegen steuern kann.“ In sechs Bundesländern versucht man, bereits den Kegelsport für die Jugend mittels Schlusmeisterschaft schmackhaft zu machen.

Trenovatz und Zimmerhackl haben bereits bewiesen, dass es im Burgenland durchaus möglich ist, den Kegelsport zu beleben. Als die Weltmeisterschaft 2010 nach Ritzing vergeben wurde, organisierte der Präsident mit seinem Team diesen Event: „Wir waren an allen Tagen ausverkauft, die Stimmung war sensationell und viele Starter aus dem Ausland haben uns zu dieser mehr als gelungenen Veranstaltung gratuliert.“

Leistungszentrum als  großer Pluspunkt

„Dazu muss man auch sagen, dass wir ohne das Leistungszentrum in Ritzing mit Sicherheit niemals den Zuschlag für die WM und später auch für das Welt-Tour-Finale 2012 bekommen hätten. Daher muss man meinem Vorgänger und jetzigem Welt- und ÖSKB-Präsidenten Ludwig Kocsis (aus Lackenbach) dankbar sei, dass es ihm durch seinen Einsatz und Weitblick gelungen ist, alle davon zu überzeugen, dieses Zentrum in Ritzing zu errichten. Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Leistungszentrum sehr zufrieden.“ Vizepräsident Walter Zimmerhackl bringt es aber auf den Punkt: „Mit dem Leistungszentrum sind die Probleme mit dem Nachwuchs nicht gelöst. Es ist leider so, dass die Kegler und Keglerinnen immer älter werden und es an kegelbegeisterten Jugendlichen fehlt.“

Dort sollen nun die Hebel angesetzt werden. Der BSKV wird diesbezüglich am 12. April eine Landesvorstandssitzung abhalten. Der Schwerpunkt dieser Sitzung liegt eben in der Problematik Jugend und Kegelsport. „Fest steht jedenfalls, dass der BSKV auf seine Mitgliedsvereine angewiesen ist. Sollten diese nicht mitziehen, sind alle Konzepte zum Scheitern verurteilt.“ Schafft man es diesbezüglich eine geeignete Lösung zu finden, dann könnte der Kegelsport wiederbelebt werden. Die Voraussetzungen sind jedenfalls vorhanden.