Erstellt am 29. Dezember 2013, 17:44

Diethart wird Dritter in Oberstdorf. Simon Ammann hat am Sonntag das Auftakt-Springen der 62. Vierschanzen-Tournee in Oberstdorf gewonnen. Sensations-Dritter: der Niederösterreicher Thomas Diethart!

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Simon Ammann kürte sich am Sonntag in Oberstdorf nach einer dramatischen Entscheidung zum Auftakt-Sieger der 62. Vierschanzen-Tournee. Es war erst der dritte Tagessieg bei der Traditionsveranstaltung für den Schweizer, der die Tournee bisher noch nie gewonnen hat. Ausgezeichnet schlug sich die neue österreichische Skisprunghoffnung Thomas Diethart, der nur 4,6 Zähler dahinter Dritter wurde.

"Es ist unglaublich!"

Vor 25.500 Zuschauern behielt der 21-jährige Niederösterreicher, der nach dem ersten Durchgang auf Rang zwei gelegen war, die Nerven und teilte sich den ersten Podestrang seiner Karriere mit dem Slowenen Peter Prevc. Dazwischen schob sich der Norweger Anders Bardal als Zweiter. "Es ist unglaublich. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll", freute sich ein sprachloser Diethart, der erst in Engelberg vor zwei Wochen ins fixe ÖSV-Team gestoßen war, nach seinem erst fünften Weltcupspringen.

"Ich habe alles versucht, um locker zu bleiben - und es hat funktioniert. Ich hätte mir nie vorgestellt, dass es im Weltcup so gut funktioniert", jubelte Diethart, und auch der nach seinem schlimmen Sturz stark zurückgekehrte Thomas Morgenstern war sehr zufrieden. Und das, obwohl er den Podestplatz nur um knapp 30 Zentimeter oder 0,5 Punkte verpasst hatte. "Es war schon ein brutal schöner Tag heute. Der zweite Durchgang ist für mich extrem hoch einzustufen. Es war ein geiles Gefühl. So in die Tournee zu starten, da habe ich eine gute Ausgangsposition." Die Schiene am Handgelenk behindere ihn nicht so schlimm.

Ammann "sehr fokussiert"

Im Reigen der lachenden Gesichter ganz oben stand natürlich Ammann. Der 32-jährige, vierfache Olympiasieger kommt wenige Wochen vor den Olympischen Spielen in Sotschi in Hochform. "Es war sehr emotional den ganzen Tag schon. Nach der Enttäuschung in Engelberg war es sehr wichtig. In den extremen Momenten war ich sehr fokussiert", sagte der Schweizer, der seinen ersten Tourneesieg jagt. "Ich bin nicht der, der über zehn Tage wahnsinnig gut regeneriert. Das weiß ich, aber ich hab nicht zu viel zu verlieren."

Während Michael Hayböck mit seinem siebenten Rang seine klare Aufwärtstendenz vom Kontinentalcup ("Es zeigt, dass die Vorbereitung über den Kontinentalcup nicht schaden kann") sehr zufrieden war, war Gregor Schlierenzauer als Neunter alles andere als happy. "Die Sprünge waren gar nicht so schlecht, speziell der zweite nicht. Was mich ziemlich ankotzt, ist diese permanente Lukenschieberei", echauffierte sich der zweifache Tournee-Sieger über die Anlaufverkürzungen, die ihm wohl eine bessere Platzierung gekostet haben.

Frust bei Schlierenzauer

Er selbst war noch von Luke 18 in den zweiten Durchgang gegangen, der unmittelbar nach Schlierenzauers 137-m-Satz antretende Marinus Kraus (GER) mit zwei Luken weniger Anlauf. "Wenn man zwei Luken weiter runterfährt, bekommt man sieben Punkte mehr. Das macht sehr viel aus. Ich möchte keine Ausreden suchen, aber wo sich das Skispringen hinentwickelt, ist nicht sehr förderlich", erklärte ein frustrierter Schlierenzauer. "Die Bonuspunkte holt man selten im Flug auf. So ist derzeit das Skispringen. Wenn man die Ergebnisliste ansieht, sieht man genau, wo die Luken geschoben worden sind. So schlecht, wie es jetzt dasteht mit dem neunten Platz, war es nicht."

Schlierenzauer fehlen auf Tournee-Leader Ammann immerhin schon 20,3 Punkte. In der Weltcup-Gesamtwertung fiel der 23-jährige Tiroler hinter Bardal auf den dritten Rang zurück. Auf Leader Kamil Stoch, der am Sonntag auch "nur" 13. wurde, hat Schlierenzauer 49, auf Bardal 10 Zähler Rückstand.

Die Tournee wird schon in zwei Tagen mit der Qualifikation für das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen fortgesetzt. Mannschaftlich gesehen schlug sich das ÖSV-Team mit vier Springern in den Top Ten aber hervorragend. Andreas Kofler (18.) und Wolfgang Loitzl (22.) kamen ebenfalls noch in die Punkteränge, während Stefan Kraft schon im K.o.-Durchgang als Letzter ausgeschieden ist.