Erstellt am 06. Juli 2012, 10:31

Doping-Urteile gegen ÖSV-Mitglieder in Italien. In Susa nahe Turin hat am Freitag die letzte Gerichtsverhandlung in dem seit September 2009 laufenden Doping-Prozess gegen aktuelle und frühere Angehörige des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV) begonnen.

 Zur Urteilsverkündung reiste Markus Gandler, damaliger und auch jetziger ÖSV-Sportdirektor für Langlauf und Biathlon, nach Susa. Gandler, der bisher an fast allen Gerichtsverhandlungen teilgenommen hatte, gab zum Prozessauftakt eine spontane Erklärung ab. Darin beteuerte er vor Richterin Alessandra Danieli sein volles Vertrauen in die italienische Justiz. Er klagte jedoch, dass unabhängig vom Urteil sein Ruf durch den Prozess geschädigt worden sei.

Nach Gandlers Erklärung zog sich die Richterin zurück. Mit der Urteilsverkündung ist in den nächsten Stunden zu rechnen. Den Angeklagten, darunter ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, Ex-ÖSV-Trainer Walter Mayer und mehrere Langläufer und Biathleten, drohen Haftstrafen bis zu drei Jahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Dopingpraktiken beziehungsweise die Begünstigung derselben vor. Alle Angeklagten bekennen sich nicht schuldig.

Mit dem Urteil geht ein Verfahren zu Ende, das mit der bei den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin angeordneten Durchsuchung der Privatquartiere der ÖSV-Langläufer und -Biathleten begonnen hatte. Die von der Turiner Staatsanwaltschaft beauftragten Carabinieri stellten damals Blutdoping-Utensilien sicher. Mehrere der nun angeklagten Sportler und Funktionäre wurden deshalb später gesperrt oder von künftigen Olympischen Spielen ausgeschlossen. Die lebenslange Olympia-Verbannung einiger Betreuer wurden mittlerweile wieder rückgängig gemacht.