Erstellt am 25. Januar 2012, 00:00

Ein Beispiel macht Schule. TIPP3 BUNDESLIGA / Philipp Steiner ist als künftiger Lehrer kein Einzelfall mehr. Eine Ausbildung neben dem Fußballjob liegt bei einigen Mattersburg-Profis längst im Trend.

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VON BERNHARD FENZ AUS PORTIMAO

Der Weg zum Profi kann zäh sein. Spätestens wenn der Job als Berufskicker nicht automatisch absehbar ist, wäre neben der Kickerei ein Plan B dienlich. Auch wenn es dann ohnehin anders kommt: Fünf Spieler des SV Mattersburg starteten nach ihrem Schulabschluss neben dem Fußball eine Ausbildung, schafften letztlich sogar (wieder) den Sprung in den Profikader und beweisen so auf mehreren Ebenen Kampfgeist.

Alois Höller (22) etwa entschied sich vor seinem Aufstieg zu den Profis dazu, an der PH (Pädagogische Hochschule) in Baden die Ausbildung zum Lehrer anzutreten. Wenn der Lichtenegger mit seiner unbekümmert geradlinigen Spielweise nicht mehr die rechte Furche auf den Bundesliga-Schauplätzen unsicher macht, wird er früher oder später Mathematik sowie Bewegung und Sport unterrichten.

Auch Dreiergoalie Markus Böcskör (29) wird wie Höller einmal an einer Neuen Mittelschule tätig sein – in Deutsch, Religion sowie Bewegung und Sport. Ein fast schon naheliegendes Fach ist dem Burgenland-Kroaten aus Schachendorf auch noch ein Anliegen: „Längerfristig soll dann noch Kroatisch dazukommen“.

Nedeljko Malic (23) wiederum hat sich für die Fachhochschule in Pinkafeld entschieden, wo er nach dem Abschluss des Bachelor-Lehrgangs aktuell den Master-Studiengang „Nachhaltige Energiesysteme“ absolviert.

Derzeit schreibt der Verteidiger an seiner Diplomarbeit – wenn alles gut geht, ist er im Sommer Diplomingenieur für technisch wissenschaftliche Berufe. Malic musste zu Beginn seiner Mattersburg-Zeit im Jahr 2005 einen Kreuzbandriss hinnehmen. Danach kämpfte er sich in den Profikader, maturierte und begann 2007 das Studium im Südburgenland.

„Eine gute Abwechslung 

Angesprochen auf seine Entscheidung, kommt der Bosnier ins Schwärmen: „Ich empfehle jedem eine Ausbildung. Einerseits hilft es enorm weiter, wenn man neben dem Fußball auch ein anderes Betätigungsfeld hat und sich geistig weiterbildet. Das ist nicht nur einen gute Abwechslung, sondern bringt zusätzlich ein zweites Standbein.“

Auch Neo-Profi Peter Hawlik (20) strebt langfristig ein solches Standbein an. Sein Weg führt ihn neben der Trainingsarbeit in Mattersburg an die Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien, wo er Umwelt- und Bioressourcenmanagement erlernt.

Bevor allerdings zu viel Studienromantik aufkommt: Ein Leichtes ist es nicht immer, die Termine zu koordinieren und die Einheiten an den Trainingsplan anzupassen. Schlagwörter wie Zeitmanagement und effektives Arbeiten verstehen sich von selbst, wer sich wirklich trotz Profistatus weiterentwickeln will.

Denn dass der Fußballjob für die Beteiligten (noch) an erster Stelle steht, ist logisch. Das sieht auch Philipp Steiner (25) so. Der Podersdorfer schnupperte bereits im Zuge des Trainingslagers 2006 bei den Profis mit, letztlich setzte er sich aber nicht durch und musste bei den Amateuren eine neue Orientierung finden – keine leichte Zeit für den sensiblen Defensivmann, aber eine sehr lehrreiche. Das Ergebnis: Seit geraumer Zeit stellt er sich einem Lehramtsstudium für höher bildende Schulen an der Hauptuni Wien (Geschichte) sowie an der Schmelz (Bewegung und Sport) und steht ganz nebenbei wieder offiziell im Kader der Profis. Steiner spricht gelassen, wirkt ausgeglichen und entspannt. „Es tut extrem gut, dass ich mit dem Kopf auch woanders bin. Ich verdanke das vielen Gesprächen mit der Familie, Freunden, Verwandten und Bekannten. Es war ein längerer Prozess, dass ich jetzt so bin wie ich bin.“

Unterm Strich geht das  Profitum freilich vor

Wie er den neuerlichen sportlichen Ruf von „oben“ bewertet? „Ich habe immer daran geglaubt, dass ich es kann. Im Herbst ist es gut gelaufen, das freut mich. Alles hat eine Eigendynamik angenommen. Jetzt hoffe ich, dass es ähnlich weitergeht.“

Klar ist aber, dass im zeitlichen Zweikampf Profifußballer vs. Student im Falle des Falles Letzterer kürzertreten muss. Steiner: „Natürlich verzögert sich nun mein Studium. Aber das eilt nicht – meine Priorität war und ist das Profitum.“

Übrigens: Es gibt auch einen SVM-Profi, der bereits eine abgeschlossene Ausbildung in der Tasche hat. Legionär Ivan Parlov studierte in Kroatien Sport, ist in Besitz der Trainerlizenz und kann in seiner Heimat als Professor an höher bildenden Schulen oder Hauptschulen tätig sein – mit solchen Zukunfts-Aussichten kickt es sich dann schon leichter.

Philipp Steiner vor der Hauptuni in Wien. Der Podersdorfer hat das Comeback bei den Profis geschafft, ganz nebenbei arbeitet er im Zuge eines Lehramtsstudiums auch bereits an seinem zweiten Standbein.BERNHARD FENZ