Erstellt am 25. Mai 2011, 00:00

Ein dauerhaftes Begleitservice. FUSSBALL / Christian Fuchs hat sich international durchgesetzt. Auf der Karriereleiter war und ist – wie er betont – Mentor Heinz Griesmayer stets eine wichtige Konstante.

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VON BERNHARD FENZ

Der eine ist Profi in Mainz, der andere ist Co-Trainer in Mattersburg. Der eine ist 25 Jahre alt, der andere 54. Und doch verbindet Christian Fuchs und Heinz Griesmayer eine Menge: Fußball ist die Brücke, über die sich im Lauf der Jahre eine intensive Freundschaft entwickelt hat.

Nach wie vor holt sich der Deutschland-Profi Rat bei seinem Ex-Coach, und beide trainieren noch immer im privaten Rahmen – wenn der Linksfuß im Land ist. 2003 bis 2008 war er das laufend: In seiner Zeit als Mattersburg-Profi intensivierte sich die bestehende Vertrauensbasis auch nachhaltig. Griesmayer: „Wir haben viel nebenbei getan, du kannst individuell einiges herausholen und das Leistungspotenzial steigern.“ An zahlreichen Orten wurde koordinativ geübt und speziell trainiert, wie sich der Professor am BG Zehnergasse in Wiener Neustadt erinnert: „Wir haben in der Schule gearbeitet, im Vorraum, in der Turnhalle. Einmal war ich sogar bei ihm im Teamhotel in Wien, da haben wir Kräftigungsübungen im Hotelzimmer abgespult.“

Und wenn der Rat lautet,  zwei Bier zu trinken …

 

Hinzu kommt die moralische Unterstützer-Rolle, die Fuchs so schätzt: „Es hat bereits in Mattersburg Phasen gegeben, wo ich teilweise einen Leistungsdruck gespürt habe. Und in Deutschland ist es mir – etwa im Bochumer Abstiegsjahr – nicht immer nur gut gegangen. Der Heinz hat da aber stets geholfen und mir den Rücken gestärkt. Ich habe mir Rat geholt und mich bei ihm quasi ausgeweint.“

Quasi. Heinz Griesmayer erinnert sich etwa mit einem Lächeln am Gesicht an einen Anruf vor dem ersten Spiel mit Mainz: „Er hat gesagt, dass er sich müde fühlt. Da habe ich ihm geraten: Hau dich 40 Minuten auf den Ergometer mit wenig Widerstand, dann trink zwei Bier und geh schlafen – am nächsten Tag bist du fit.“ Fuchs‘ schmunzelnder Rückpass: „Ich hab das dann eh nicht gemacht…“ Die Leistung hat ohnehin gepasst. Aber wer kann nicht ein Lied davon singen? Zuhören, Mut zusprechen, das hilft unter Freunden oft.

„Das Verhältnis geht weit über das Sportliche hinaus. Durch die lange Zusammenarbeit weiß ich schon ganz genau, wann der Christian Kritik braucht und wann er gepusht werden muss.“

Auch wenn das oft nur über das Telefon erfolgt. Vor Ort war Griesmayer in Mainz noch gar nicht. „Das ist sich bislang nicht ausgegangen. Ich bin schließlich Angestellter des SV Mattersburg, darauf liegt mein Hauptaugenmerk. Um den Christian kümmere ich mich in der Freizeit.“ Zu wichtig war der Kampf um den Bundesliga-Klassenerhalt. Also nahm der Pädagoge im April Abstand von einer Hospitationsmöglichkeit in Mainz – auch wenn ihn die Persönlichkeit Thomas Tuchel und der Umgang des Trainers mit der Mannschaft „schon ziemlich interessiert hätte“. Fuchs: „Aber das läuft ja nicht davon.“

„Gegen Deutschland  habe ich Bauchweh“

Vielleicht schon. Dann, wenn das Angebot eines Interessenten sowohl Mainz als auch Fuchs überzeugen sollte. Er schloss bei seinen ehrgeizigen Plänen einen Wechsel ebenso wenig aus wie (s)eine Zukunft in der Karnevalsstadt. „Mein Ziel ist die Champions League. Fest steht aber auch, dass ich erst 25 Jahre alt bin. Wenn es mit einem Transfer klappt, ist es schön. Wenn nicht, dann ist es auch schön.“

Weniger schön war die bisherige EM-Qualifikation mit dem A-Team. Ein Reizthema. „Es geht mir schon extrem auf die Nerven, dass es immer heißt, wir brauchen Zeit. Stattdessen sollte einmal alles danach ausgerichtet und dem Ziel untergeordnet werden, dass wir uns tatsächlich für ein Großereignis qualifizieren. Ich möchte etwas erreichen und bin hier nicht der Einzige.“ Fuchs und seine Teamkollegen treffen, bevor er sich für zehn Tage Urlaub nach New York verabschiedet, am 3. Juni in Wien auf Deutschland und am 7. Juni auswärts auf Lettland. „Gegen Deutschland habe ich Bauchweh, weil ich weiß und miterlebe, wie die spielen. Wir werden es auf jeden Fall sehr schwer haben.“

Christian Fuchs (l.) mit Mentor Heinz Griesmayer – die Vertrauensbasis ist greifbar.