Erstellt am 30. Januar 2013, 12:46

„Ein Geschenk Gottes“. Tipp3 Bundesliga | SVM-Profi Nedeljko Malic (24) spricht über seine Verletzung, über verrückte Aktionen, über sein Studium, über seine Schwächen und über sein Dasein als Fußballprofi.

Trainingsalltag: Derzeit arbeitet Nedeljko Malic - wie auch hier in der Kraftkammer des Resorts Cascade in Lagos - gemeinsam mit SVM-Physiotherapeut Ernst Moser an seinem Comeback. Foto: Fenz  |  NOEN
BVZ: Am 26. November wurden Sie operiert. Wie geht es Ihnen?
Malic: Mittlerweile schon besser. Ich hatte einen Knorpelschaden, der behoben wurde, der Meniskus war gerissen und das Kreuzband war sowieso weg. Aber jetzt bin ich gut im Plan.

BVZ: Verletzt haben Sie sich am 11. August in Innsbruck. Trotzdem haben Sie es noch weiterprobiert.
Malic: Das Knie war stabil, daher war erst der Gedanke da, nicht zu operieren. Dann ist es aber nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Jede Einheit war schmerzhaft, spätestens nach dem WAC-Spiel (Anm.: 3. November) war das Gefühl trotz starker Schmerzmittel schlimm. Da konnte ich nicht mehr abschalten – später haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen.

BVZ: Wäre Ihre Karriere ohne die Operation in Gefahr gewesen?
Malic: Das wäre schon in diese Richtung gegangen, vor allem aufgrund des Knorpelschadens, der dann dazugekommen ist.

BVZ: Warum haben Sie weitergespielt?
Malic: Ich wollte ein Zeichen für die Mannschaft und für den Verein setzen. Der SVM hat mir so viel gegeben, ich möchte mich daher auch bei allen Verantwortlichen bedanken.

BVZ: Nüchtern betrachtet wirkt das trotzdem verrückt.
Malic: Stimmt. Aber es war im Sinne des Vereins. Wie verrückt klingt das, was Obmann Martin Pucher am Anfang meiner SVM-Zeit für mich gemacht hat?

BVZ: Als Sie mit 17 auf Probe waren und sich bei einem Testspiel das Kreuzband gerissen haben?
Malic: Ja. Es ist nicht selbstverständlich, dass dann der Obmann kommt und sagt: Junge, du hast dich in diesem Verein verletzt, und hier wirst du wieder gesund. So was kann man nicht vergessen, sonst wäre man charakter- und respektlos.

BVZ: Danach haben Sie parallel auf der FH Pinkafeld zu studieren begonnen. Mittlerweile haben Sie den Masterlehrgang „Nachhaltige Energiesysteme“ abgeschlossen.
Malic: Das war Schicksal. Ich habe gemerkt, dass alles schnell vorbei sein kann. Und ich wollte schon immer ein technisches Studium absolvieren. Fußballer zu sein ist ein Geschenk Gottes. Man kann das eine Zeitlang ausüben, aber dann brauchst du etwas für deine Zukunft.

BVZ: Reicht Profi sein denn nicht?
Malic: Ich will mich geistig weiterentwickeln und nicht die Zeit mit „facebook“ vergeuden. Das tut mir nicht gut. Ich finde es wichtig, dass man im Kopf sehr stabil ist – für mich war das eine Win-Win-Situation.

BVZ: Ist Lernen und Trainieren tatsächlich der Schlüssel für eine komplettere Entwicklungsschiene?
Malic: Mit dieser Philosophie, die in der Akademie gelebt wird, habe ich mich sehr verbunden gefühlt. Trotzdem kann man nicht alle über einen Kamm scheren und sagen, dass jeder ohne fertige Ausbildung nicht intelligent oder nicht clever ist. Dem einen tut es gut, dem anderen nicht.

BVZ: Letztlich zählt nur die Leistung.
Malic: Es ist nicht einfach. Der Beruf des Profifußballers wird sehr unterschätzt. Noch immer ist es die allgemeine Meinung, dass Menschen, die nicht besonders intelligent sind, viel Geld mit wenig Arbeit verdienen. Das ist aber nicht die Wahrheit.

BVZ: Was ist die Wahrheit?
Malic: Die Wahrheit ist, dass es ein physisch und psychisch aufwändiger Job ist, dessen Zukunft nicht sicher ist und der mit viel Druck verbunden ist.

BVZ: Sie sind erst 24, haben dem SV Mattersburg aber viel zu verdanken: Ist es da überhaupt denkbar, als aktiver Spieler den Verein zu wechseln?
Malic: In Österreich kann ich mir das nicht vorstellen. Für mich zählen die Menschlichkeit und der Charakter – und ich versuche immer den Menschen, die mir geholfen haben, das mehrfach zurückgeben. Das ist meine Lebenseinstellung.

BVZ: Also wäre es für Sie denkbar, hier einmal Ihre Karriere zu beenden?
Malic: Wenn alles so bleibt, kann ich mir das gut vorstellen. Ich fühle mich hier wohl, meiner Familie gefällt es sehr gut, das ist wie eine zweite Heimat.

BVZ: Sportlich werden Sie ab Sommer wieder gewohnt kompromisslos und konsequent auftreten. Eine Schwäche wird die fehlende Schnelligkeit bleiben.
Malic: Das ist kein Geheimnis. Man hat es, oder man hat es nicht. Ich habe versucht, an der Lauftechnik zu arbeiten – und mit dem Stellungsspiel kann ich das auch „verstecken“. Ich will mich aber auch beim offensiven Kopfballspiel verbessern. Bei Standards habe ich zu wenig daraus gemacht, die Tore fehlen. Darauf bin ich nicht stolz.

Interview: Bernhard Fenz/Lagos

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Nedeljko Malic:
Geboren: 15. Mai 1988 in Bosnien (Banja Luka).
Mit 17 war Malic auf Probe beim SVM und riss sich dabei das Kreuzband. Er konnte sich in Mattersburg auskurieren und kam bislang auf 129 Bundesliga-Einsätze.
Im Herbst 2012 riss er sich erneut das Kreuzband.
Neben dem Fußball besuchte Malic die FH in Pinkafeld, wo er den Master-Lehrgang „Nachhaltige Energiesysteme“ als Diplom-Ingenieur abschloss.