Erstellt am 06. August 2013, 13:24

Ein ungewöhnliches Brüderpaar. Der doppelte Siebenhandl: Udo und Jörg sind Goalies mit zahlreichen Parallelen.

 |  NOEN, Fenz
Von Bernhard Fenz

„Sind Sie der Fußballer?“ fragt die freundliche ältere Dame Jörg Siebenhandl am Golfplatz in Brunn/Gebirge. Sein Bruder Udo steht direkt neben ihm. Auch er ist Fußballer. Aber das mit den Siebenhandls ist für Außenstehende nicht so einfach. Zwei Brüder, 26 (Udo) und 23 (Jörg) Jahre alt, beide Tormänner, da ist nicht nur die Verwechslungsgefahr groß. „Es gibt Leute, die nicht wissen, dass wir zwei Unterschiedliche sind. Die haben anscheinend gedacht, dass einer von uns zwei in beiden Mannschaften spielt. Das habe ich schon auf manchen Seiten im Internet gelesen, wo das diskutiert worden ist.“ Fußball-Kenner wissen freilich, dass Jörg Goalie in Wiener Neustadt und Udo Tormann in Parndorf ist. Auch die Tatsache, dass Jörg grundsätzlich mit dem linken und Udo mit dem rechten Fuß den Ball tritt, unterscheidet die beiden.

Beide absolvierten Stronach-Akademie in Hollabrunn

Die Gemeinsamkeiten sind aber definitiv größer, nicht nur auf dem Platz. Beide haben die damalige Stronach-Akademie in Hollabrunn absolviert, beide haben die Schulausbildung extern abgeschlossen, beide haben sich nach der Matura für einen Bildungsweg neben dem Fußball entschieden. Udo ist Mittelschullehrer (Bewegung und Sport sowie Mathematik) und startet ab September – das Halbprofitum in Parndorf macht es möglich – parallel zu seiner Tätigkeit in der Ersten Liga als Klassenvorstand in der Europa Sport Mittelschule Mödling. Jörg studiert an der WU.

Und beide betreiben mit Golf ein gemeinsames Hobby. Was zu Großvaters Zeiten begonnen hat, setzt sich in der Familie nun weiter fort. Mutter Claudia Siebenhandl ist zudem Managerin im Golfclub Brunn.

Wenn es die Zeit erlaubt, steht natürlich auch immer wieder mal eine entspannte gemeinsame Runde am Programm. Dort hat übrigens Udo klar die Nase vorne: „Es hat sich entwickelt, dass ich da etwas mehr Gefühl habe, als der Bälle-Zerdrescher.“

Udo Siebenhandl: „Bei uns gibt es kein Konkurrenzdenken, sonst hätte ich vor zwei Jahren schon von der Brücke springen müssen.“ 

Der schelmische Grinser seines gegenübersitzenden jüngeren Bruders verrät einiges. Es geht um den Spaß.
Ernst wird es nur beim Fußball. Und da pflegen die Siebenhandls keinerlei Konkurrenzdenken. „Das gibt es nicht, sonst hätte ich vor zwei Jahren schon von der Brücke springen müssen“, spielt Udo auf Jörgs plötzlichen Aufstieg 2011 vom dritten Tormann in Wiener Neustadt zum Bundesliga-Einsergoalie an, als er zum Auftakt in Mattersburg, bedingt durch eine Sperre und eine Verletzung seiner Tormann-Kollegen, plötzlich in der Startformation stand. Beim 2:1-Sieg gelang ihm das legendäre Abschlag-Tor zum 1:0, als er SVM-Keeper Thomas Borenitsch per Aufsitzer überhob. Er nutzte jedenfalls seine Chance.

Der ältere Bruder war von 2008 bis 2009 Dreier-Tormann in Neustadts Erste-Liga-Kader. Udo Siebenhandl blieb diese Gelegenheit verwehrt. Trotzdem verspürt er keinen Neid, im Gegenteil: „Ich habe mich für ihn gefreut und war froh, dass es ein Siebenhandl geschafft hat.“Mittlerweile haben es beide Siebenhandls in die Bundesligen geschafft. Udo gelang mit Parndorf der Aufstieg in die Erste Liga, Jörg ist nach wie vor mit Wiener Neustadt in der Tipp3 Bundesliga tätig.

Ob sich bei Udo noch mehr ergibt („Natürlich wäre irgendwann einmal ein Einsatz ganz oben schön“), wird sich weisen. Vorerst gilt seine volle Konzentration dem SC/ESV Parndorf, wo er sich wohlfühlt und wo das gesamte Paket passt. Was es aber mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht geben wird, sind die Siebenhandls als Goalies bei ein und demselben Verein. „Der Konkurrenzkampf wäre nicht förderlich und sinnvoll, das werden wir uns nicht antun.“ Eine Variante schließt Udo Siebenhandl mit einem Augenzwinkern aber nicht aus: „Vielleicht werde ich ja noch einmal sein Tormanntrainer.“