Erstellt am 14. Juni 2016, 14:45

von APA/Red

EM-Ausschluss auf Bewährung und hohe Geldstrafe für Russland. Die Disziplinarkommission der UEFA hat Russland für die Fanausschreitungen im Stadion von Marseille hart bestraft.

Für einige "Fans" wurde die Abschiebehaft angeordnet  |  NOEN, APA (AFP)

Im Wiederholungsfall werde die Mannschaft sofort aus dem Fußball-Turnier ausgeschlossen, zudem sei eine Geldstrafe von 150.000 Euro verhängt worden, wie die der Europäische Fußball-Verband am Dienstag in Paris mitteilte. Frankreich will zudem russische Hooligans des Landes verweisen.

Premier Manuel Valls betonte die Notwendigkeit dieses Schrittes: "Manche Leute können nicht auf nationalem Territorium bleiben." Laut der Behördenangaben hätten Polizeibeamte am Morgen die Personalien von insgesamt 29 Russen in einem Hotel bei Marseille überprüft. Für einige der Fans sei bereits Abschiebehaft angeordnet worden.

Gegen das Urteil der UEFA könnte der russische Fußballverband (RFU) Berufung einlegen, er will dies nach Aussage seines Vorsitzenden Witali Mutko aber nicht tun. "Wir werden die Entscheidung der UEFA respektieren, wie könnte es anders sein", sagte Mutko der Nachrichtenagentur Tass zufolge.

Die Androhung gilt nur für Ausschreitungen innerhalb des Stadions und nicht für Hooligan-Aktionen außerhalb der EM-Arenen. Dies sehen die Disziplinarregeln der UEFA so vor. Das Exekutivkomitee hatte allerdings bereits am Sonntag eine Warnung ausgesprochen, dass ein Turnierausschluss auf Grundlage der Verbandsstatuten auch droht, wenn es nochmals zur Ausschreitungen in Spielorten kommen sollte.

Die gleiche unmissverständliche Botschaft erhielt auch der englische Fußballverband, dessen Fans an den mehrtägigen Straßenschlachten in Marseille auch beteiligt gewesen waren. Einen Ausschluss hat es während einer Fußball-EM noch nie gegeben. England war 2000 wegen Ausschreitungen in Belgien ebenfalls mit einer Warnung belegt worden.

Russland spielt am Mittwoch (15.00 Uhr) in Lille gegen die Slowakei. England trifft 24 Stunden später im benachbarten Lens auf Wales, was die Sorge vor neuen Krawallen geschürt hat. Am Dienstag stoppte die französische Polizei bei Cannes einen Bus mit russischen Fans, denen die Ausweisung droht. "Sie werden ausgewiesen, weil sie nicht gekommen sind, um Fußball zu sehen. Es wird Zeit, dass Ruhe einkehrt. Es läuft eine EM, das ist ein Feiertag für den Fußball, aber alle reden nur über Schlägereien und Strafen", sagte Mutko dazu.

Teilweise maskierte russische Anhänger hatten am Samstagabend englische Fans im Stadion kurz vor Ende des Spiels im Stade Velodrome attackiert. Zudem wurden Feuerwerkskörper abgebrannt und rassistische Schmähungen gemacht. Dem vorausgegangen waren Ausschreitungen zwischen russischen, englischen und französischen Anhängern in der Hafenstadt in den Tagen vor dem Spiel.

Hooligans aus Russland hatten bereits bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine randaliert. Der russische Verband war dafür mehrfach mit Geldstrafen belegt worden und gilt deshalb als Wiederholungstäter.

Die russische Führung verurteilte die Ausschreitungen von Fans am Dienstag als "völlig inakzeptabel". Kremlsprecher Dmitri Peskow rief die russischen Fußballtouristen auf, sich strikt an geltende Gesetze zu halten.

"Man kann auch nur an unsere Fans appellieren, nicht auf Provokationen zu reagieren", sagte er am Dienstag in Moskau der Agentur Interfax zufolge. Auch die russischen Sportfunktionäre sollten mäßigend auf die Fans einwirken, forderte er.

An den Randalen in verschiedenen französischen Städten seien aber nicht nur Russen, sondern auch andere Nationen beteiligt gewesen. Peskow verurteilte die Äußerungen Moskauer Politiker, die das Vorgehen der russischen Fans gutgeheißen hatten. So hatte der rechtsgerichtete Parlamentsvize und Fußball-Funktionär Igor Lebedew erklärt, er finde nichts Schlimmes an kämpfenden Fans. "Im Gegenteil, gut gemacht, Jungs. Weiter so!", schrieb er auf Twitter.