Erstellt am 29. März 2011, 21:35

EM-Qualifikation für ÖFB-Elf in weiter Ferne - 0:2 in Türkei. Für Österreichs Fußball-Nationalmannschaft ist die Teilnahme an der EM-Endrunde 2012 in weite Ferne gerückt.

Eine erfolgreiche EM-Qualifikation ist für das österreichische Fußball-Nationalteam am Dienstag endgültig in weite Ferne gerückt. Die Österreicher mussten sich in der Türkei verdient mit 0:2 (0:1) geschlagen geben und fielen in der Gruppe A hinter die Türken auf Rang vier zurück. Die Tore erzielten Arda Turan (28.) und Gökhan Gönül (77.). Solostürmer Stefan Maierhofer scheiterte mit einem Elfmeter (85.). Österreich kassierte damit erstmals seit 1992 vier Länderspiel-Niederlagen in Folge.

Damit steht auch Teamchef Dietmar Constantini mit dem Rücken zur Wand. Der Tiroler hatte in einem Spiel, das er nicht als "Schicksalsspiel" bezeichnen wollte, auf eine rigorose Defensivtaktik gesetzt. Vor der Viererkette agierten mit Paul Scharner, Julian Baumgartlinger und Yasin Pehlivan drei zentrale, defensive Mittelfeldspieler. An den Flügeln brachten Martin Harnik und der bemühte Youngster David Alaba keine Entlastung - auch in Ermangelung von Anspielstationen neben Maierhofer, der den angeschlagenen Kapitän Marc Janko ersetzte.

Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis die Türken ein Loch in der rot-weiß-roten Abwehrmauer nützten. Den entscheidenden Fehler beging ausgerechnet der gebürtige Türke Ekrem Dag. Der Besiktas-Legionär stand bei einem Einwurf zu weit weg vom Mann, der Abstand zu Innenverteidiger Aleksandar Dragovic wurde zu groß. Galatasaray-Star Turan konnte sich das Eck aussuchen. Zuvor hatten die Türken vier Spiele in Folge keinen Treffer erzielt.

Die Gastgeber hatten das Spiel vor 50.000 Zuschauern im Sükrü-Saracoglu-Stadion von Beginn an dominiert, hatten bei teils starkem Regen phasenweise mehr als 70 Prozent Ballbesitz. Eine erste Großchance ließ Mittelstürmer Burak Yilmaz aus, dessen Schuss Dragovic gerade noch an die Außenstange lenkte (4.). Zwei Minuten später klopfte Hamit Altintop am ÖFB-Tor an, doch Jürgen Macho entschärfte den Distanzschuss des Türkei-Kapitäns.

Entlastung in Form von Kontern, die Constantini versprochen hatte, war keine zu sehen. Ein Schuss von Alaba nach Harnik-Vorarbeit ging klar über das Tor (23.), Maierhofers einziger Kopfball vor der Pause fiel harmlos aus (46.). Zur Pause erhielt der Sturmriese seinen ehemaligen Rapid-Kollegen Erwin Hoffer zur Seite gestellt, der laut ÖFB-Angaben von einer Magen-Darm-Erkrankung geschwächte Marko Arnautovic kam erst in Minute 69.

Nach Seitenwechsel agierten die Österreicher dadurch ein wenig offensiver, klare Torchancen blieben aber aus. Die Türken hatten mit der Führung im Rücken etwas Tempo aus dem Spiel genommen. Turan schlenzte den Ball am langen Eck vorbei (52.), ein Schuss von Servet Cetin ging zentral auf das Tor von Macho (64.). Auf der Gegenseite lenkte Keeper Volkan Demirel einen Gewaltfreistoß von Ersatzkapitän Christian Fuchs über das Tor (70.).

Wenige Minuten später stand Fuchs beim 0:2 zu hoch, ermöglichte damit einen Lochpass auf Außenverteidiger Gönül, der noch Emanuel Pogatetz aussteigen ließ und den Ball im kurzen Eck versenkte. Zu allem Überfluss ließ die ÖFB-Elf dann auch noch die geschenkte Chance auf den Anschlusstreffer aus. Maierhofers Elfmeter fischte Keeper Volkan aus dem vom Schützen aus gesehen linken Eck, nachdem Hoffer von Hakan Balta zu Fall gebracht worden war.

Im Finish gab es noch einmal Aufregung, weil Macho von einem Gegenstand getroffen worden war, das Spiel wurde aber fortgesetzt. An der vierten Länderspiel-Niederlage in Folge änderte sich nichts mehr. Das war den Österreichern zuletzt von Oktober 1991 bis März 1992 passiert. Auswärts hat das ÖFB-Team seit einem 2:1 im Oktober 2006 in Liechtenstein nicht mehr gewonnen, in einem Pflichtspiel gar seit März 2005 in Wales. In Duellen mit der Türkei setzte es die fünfte Niederlage in Folge.

Aus den vergangenen drei Quali-Spielen hat die rot-weiß-rote Auswahl nur einen Punkt (4:4 in Belgien) geholt. In den nächsten beiden Partien in Gruppe A wartet am 3. Juni in Wien und am 2. September in Gelsenkirchen ausgerechnet der ungeschlagene Topfavorit Deutschland. Ob der Teamchef dann noch Constantini heißt, muss die ÖFB-Führung um Präsident Leo Windtner entscheiden.