Erstellt am 16. April 2013, 10:15

„Erst war ich geschockt“. Unfreiwillige Rochade | Günter Benkö bleibt Schiriboss im Burgenland, muss aber die Elite der Bundesliga verlassen – dafür liegt ein Angebot der ÖFB-Schiedsrichterkommission vor.

Fixer Bestandteil des BFV: Günter Benkö bleibt als Obmann im Burgenland. Zusätzlich könnte er in die ÖFB-Schiedsrichterkommission wechseln. Foto: Fenz  |  NOEN, Fenz
Von Bernhard Fenz

Die Schiri-Elitekommission der Bundesliga ist für Günter Benkö mit Saisonende Geschichte. Der Rauchwarter muss seine Funktion als Besetzer der Spiele in der Abteilung für den Profifußball beenden und scheidet aus – weil er als Obmann des burgenländischen Schiedsrichter-Kollegiums eine Doppelfunktion innehat und das bei der Elite nicht möglich ist. Nicht mehr.

Bislang war das nämlich kein Problem. Zuletzt wurde aber ein Passus, wonach Elitekommissions-Mitglieder im Ausnahmefall auch in ihrem Landesverband tätig sein können (Benkö genoss diesen Status), vom ÖFB-Präsidium wieder aufgehoben.

Die Folge: Der 58-Jährige hätte sich zwischen Schiedsrichterobmann und Besetzer entscheiden müssen. Weil ein Abgang aus dem Burgenland aber kein Thema ist, wird sich Günter Benkö zurückziehen. „Im ersten Moment war ich geschockt über diese Änderung – vor allem, weil das nur die Bundesliga-Elite betrifft. Jahrelang war das nie ein Thema, alles hat gepasst. Jetzt plötzlich wurde das aufgegriffen – das geht ganz klar nur gegen meine Person. Wahrscheinlich war ich in meiner Art zu ungemütlich – ich habe schon immer gesagt, was ich mir denke und darauf hingewiesen, dass die derzeitigen Spitzenschiris international leider keine Rolle mehr spielen.“

Seine Funktion ist übrigens bereits vergeben, es folgt kein Unbekannter. Robert Sedlacek, Präsident des Wiener Fußballverbands und Vorsitzender der ÖFB-Schiedsrichterkommission (die im Gegensatz zur Elite die Breite des Schiedsrichterwesens betrifft), steht bereit.

Sedlacek will Benkö, Benkö überlegt noch

Er folgt dem Mitte Juni bei der ÖFB-Hauptversammlung im Vila Vita Pannonia Pamhagen abtretenden Vorsitzenden Johann Hantschk auf den Chefsessel der Elite und hat dann die Agenden der beiden Kommissionen in der Hand – inklusive Besetzung der Bundesliga-Partien. Ein Umstand, der Benkö sauer aufstößt: „Ich habe ihn schon gefragt, was er nicht noch alles werden will. Ein Landesverbandspräsident hat beim ÖFB scheinbar einen anderen Status als ein Schiriobmann – bei ihm sind Doppelfunktionen kein Problem.“

Fakt ist, dass dem Südburgenländer nun ein Wechsel-Angebot vorliegt. Benkö soll neuer stellvertretender Vorsitzender von Sedlacek in der ÖFB-Schiedsrichterkommission werden (dort wäre die Doppelfunktion kein Problem) und die Ausbildungsschiene im Talente- und Mentorenbereich für potenzielle neue Bundesliga-Referees übernehmen – gemeinsam übrigens mit Ex-Referee Konrad Plautz. Der (sonst in keiner Funktion tätige) Tiroler soll wiederum neu in die Bundesliga-Elite stoßen. „Die mögliche neue Aufgabe an sich ist interessant. Die Art und Weise, wie das zustande gekommen ist, taugt mir aber gar nicht.“
Der neue Vorsitzende der Elitekommission in spe, Robert Sedlacek, sieht die Sache nüchtern: „Der Günter ist sehr an der Besetzung gehangen, aber bei der Besetzung kann man im Schiedsrichterwesen keinen Hax‘n ausreißen. Ich wiederum möchte das selbst übernehmen, um die Durchgängigkeit zu wahren. Wir haben woanders aber ein paar Felder, wo Nachholbedarf besteht. Mit der Besetzung von Topleuten wie Benkö und Plautz wollen wir hier langfristig einen Pool schaffen, bei dem neue Bundesliga-Schiris behutsam heranwachsen sollen.“

Dass ausgerechnet jetzt, da durch den Rückzug von Hantschk und das altersbedingte Ausscheiden von Elite-Mitglied Horst Brummeier personelle Bewegung entstand, der Passus der erlaubten Doppelfunktion für die Elite gestrichen wurde, sei jedenfalls eher zufällig passiert. Sedlacek: „Es war grundsätzlich nicht geplant, dass der Obmann eines Kollegiums in der Bundesliga-Elite vertreten ist.“

Gute Zusammenarbeit überhaupt möglich?

Die Beziehung der beiden Ex-Schiedsrichter Günter Benkö und Robert Sedlacek zieht augenscheinlich aktuell gewisse Interessenskonflikte nach sich. Ersterer wäre gerne Besetzer geblieben, Letzterer übernimmt nun. Jetzt sollen aber beide in der ÖFB-Schiedsrichterkommission zusammenarbeiten. Ob das gut gehen kann? „Ich bin ein Mensch, der – wenn er sich entscheidet weiterzutun – konstruktiv zusammenarbeitet“, stellte Benkö klar. Sedlacek wiederum ließ wissen, dass „wir nie wirklich böse miteinander waren oder persönlich verfeindet sind. Wir haben einfach beide unsere Vorstellungen.“

Diese Woche soll im Zuge eines Gesprächs jedenfalls eine Entscheidung fallen. Interessantes Detail am Rande: Benkö will dabei erst einige Punkte – von Administration über Budget bis zur praktischen Umsetzung – besprechen und klarstellen. „Das will ich mir auch schriftlich geben lassen. Läuft nicht alles nach meinen Vorstellungen ab, bekommt Sedlacek ein definitives „Nein“ von mir.“
Sein Gegenüber wiederum sieht den kommenden Plausch etwas entspannter, denn „eigentlich hat er mir in der vorigen Woche schon zugesagt, dass er die Funktion übernimmt.“
Scheinbar schwimmen die beiden Schiri-Schwergewichter auch von der Außendarstellung noch nicht auf ein und derselben Wellenlänge.