Erstellt am 08. Mai 2013, 00:00

„Es ist immer nur ein Fußballspiel“. Champions League / Richard Dvorak hat den FC Barcelona als Venue-Director betreut – an Erfahrung mangelt es ihm nicht mehr.

Venue-Director Richard Dvorak mit seiner Assistentin Anya Schillumeit und dem jungen Überbringer des Matchballs kurz vor dem Champions-League-Viertelfinalrückspiel zwischen Barcelona und Paris St. Germain im Camp Nou. Da muss alles zeitlich punktgenau passen, wie Dvorak bestätigt, denn: »Hier sind wir schon im Sekunden-Countdown vor dem Anpfiff.«  |  NOEN, Denis Doyle (Publicity)
Von Bernhard Fenz

Das altehrwürdige Stadion Camp Nou in Barcelona mag ein Tempel der Fußballkunst sein. Richard Dvorak ist das egal. Wieder einmal.

Der Baumgartener ist seit nunmehr zehn Jahren als Venue-Director in der Champions League tätig und als solcher nicht für bewundernde Blicke, sondern für die optimale Abwicklung der Heimspiele des zugeteilten Klubs verantwortlich.

In den letzten Jahren waren das Manchester United, Chelsea London, Schalke 04, Arsenal oder die Glasgow Rangers. Seit dieser Saison hat der 45-Jährige als UEFA-Verantwortlicher in Barcelona das Sagen.

Dvoraks Bilanz: „Organisatorisch hat alles gepasst. Jeder Klub hat seine Eigenheiten, wir haben aber mit den Vereins-Verantwortlichen gut zusammengearbeitet.“ Vor allem eines zählt für den Burgenländer in der Champions League besonders: „Du musst harmonisch, professionell und kollegial miteinander umgehen. Es geht um die gemeinsame Sprache bei der Abwicklung von Spielen. Meine Aufgabe ist es, die Unterschiede zur Liga herauszustreichen und so die veränderten Abläufe entsprechend zu steuern.“

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Alleine 2.000 Quadratmeter für Übertragungswägen 

Nur ein Beispiel: Es ist ein anderer Aufwand, wenn die Königsklasse Station macht – etwa im Bereich der Werbung oder des Medienaufwands. „50 Fernsehkameras befanden sich bei den Spielen im Stadion, rund 2.000 Quadratmeter Platz waren alleine für die Übertragungswägen nötig. Das sind auch für einen Klub wie Barca andere Dimensionen als im Liga-Alltag.“

Letztlich klappte alles, Dvorak brachte mit seinem Team bis zum Halbfinal-Ausscheiden gegen die Bayern das Maximal-Volumen von sechs Heimspielen erfolgreich über die Bühne. „Ein Schlüssel ist hier auch die nötige Ruhe. Ich will nicht überheblich sein, aber die habe ich mir im Lauf der Jahre erarbeitet – davon profitiere ich jetzt. Schließlich muss man sich stets vor Augen halten: Es ist immer nur ein Fußballspiel.“

Und wenn man diese Coolness nicht hat? „Ich kann mich noch gut an meine erste Partie erinnern. Mir haben die Knie gescheppert, dass ich geglaubt habe, ich spiele Polka.“

Mittlerweile hat der Routinier 60 Spiele in der Champions League und insgesamt 62 internationale Partien auf dem Buckel. Und es ist nicht das Ende der Fahnenstange. Richard Dvorak wird den FC Barcelona wohl eine zweite Saison betreuen. „Im Sommer sehe ich die Verantwortlichen wieder bei der Stadion-Kommissionierung.“ Ganz ohne scheppernde Knie. Diese Zeiten sind lange vorbei.