Erstellt am 08. Juni 2016, 09:08

von APA Red

EURO: Erfahrung von 2007 als möglicher Vorteil. Ein Gutteil des Teams war auch schon bei der Halbfinal-Teilnahme der U20-Mannschaft 2007 in Kanada dabei - ein möglicher Vorteil für Frankreich 2016.

 |  NOEN, APA (EXPA/ROLAND HACKL)
An internationaler Erfahrung besteht bei der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft kein Mangel. Jeder Spieler aus dem 23-Mann-Kader ist oder war im Ausland tätig und kennt das Gefühl, in ausverkauften großen Stadien einzulaufen.

Anders sieht die Situation in punkto Turnier-Teilnahmen aus. Nur fünf aktuelle Teamspieler zählten zum ÖFB-Aufgebot der EURO 2008.

Junuzovic: "Das ist ja schon ewig her"

Zudem war das Heim-Event für Christian Fuchs, Sebastian Prödl, Martin Harnik, Ramazan Özcan und György Garics schon nach den drei Gruppenspielen wieder vorbei. Ein Jahr zuvor durften Prödl und Harnik gemeinsam mit Markus Suttner, Rubin Okotie und Zlatko Junuzovic deutlich mehr Expertisen sammeln, denn bei der U20-WM in Kanada gelang der Vorstoß bis ins Semifinale - und das bei einem Turnier, das im gleichen Modus wie die EURO 2016 mit 24 Mannschaften ausgetragen wurde.

Inwieweit die ehemaligen U20-WM-Vierten bei der EM von den Kanada-Erlebnissen profitieren könnten, wagte Junuzovic allerdings nicht zu prophezeien. "Das ist ja schon ewig her. Wir sind auch schon etwas älter geworden", sagte der 28-jährige Werder-Bremen-Legionär.

Ein Nachteil sei die U20-WM-Erfahrung sicher nicht, betonte Junuzovic. "Da kann man natürlich einiges mitnehmen. Es war ein Turnier und von der Organisation her eigentlich genauso, wie es jetzt ist." Zwar handle es sich bei der EURO um ein Turnier auf höchstem Niveau, aber trotzdem: "Gewisse Sachen kann man daraus lernen."

Die Erinnerung an die Endrunde in Nordamerika lässt bei Junuzovic auch neun Jahre danach noch die Augen glänzen. "Ich blicke voller Freude zurück, das hat extrem Spaß gemacht. Es war einfach unglaublich schön."

Ein entscheidender Faktor für Endrang vier sei der Zusammenhalt innerhalb des Teams gewesen. "Es war damals auch schon so, dass wir eine gute Truppe gehabt haben, dass wir Spaß gehabt haben, dass wir alles zusammen gemacht haben. Das hat sich dann auf dem Platz auch so gezeigt. Die erfolgreichen Spiele haben uns noch mehr zusammengeschweißt und schlussendlich waren wir dann im Halbfinale."

Für Gludovatz war "Junos" Weg absehbar

Mittlerweile ist die Kanada-Generation im ÖFB-Team im besten Fußball-Alter angekommen und in Deutschland und England engagiert. "Wir sind auf dem höchsten Niveau. Natürlich ist es gut, dass jeder in der Liga auf diesem sehr, sehr hohen Niveau spielt und immer wieder gefordert wird. Dadurch entwickelst du dich auch automatisch weiter", erklärte Junuzovic.

Für den damaligen ÖFB-U20-Teamchef Paul Gludovatz war schon 2007 absehbar, dass Junuzovic seinen Weg machen wird. "Bei ihm und bei Prödl, Harnik, Okotie und auch bei (Veli) Kavlak habe ich mir gedacht, dass sie im Nationalteam Fuß fassen können", erzählte der Ex-Ried-Coach.

Die wenigsten Bedenken hatte Gludovatz bei Prödl. "Er hat sich schon in Kanada als echte Persönlichkeit präsentiert und war mein verlängerter Arm. Da habe ich gewusst, es kann nichts schiefgehen, außer es passiert eine schwere Verletzung."

Der bald 70-Jährige ist überzeugt davon, dass Prödl und Co. die Erlebnisse von 2007 gar nicht benötigen, um in Frankreich erfolgreich abzuschneiden. "Die wichtigsten Erfahrungen haben sie bei den Siegen mit dem Nationalteam in Moskau und Schweden gesammelt oder auch in den Top-Ligen, in denen sie spielen. Mental sind alle gestählt."

Eine Lehre aus der U20-WM könnten seine ehemaligen Schützlinge aber dennoch ziehen, so Gludovatz. "Vielleicht kann ihnen die Erfahrung von damals dabei helfen, dass sie nach vielen Spielen innerhalb von wenigen Tagen bestens regenerieren."