Erstellt am 28. März 2012, 00:00

„FALL HOFFMANN“. NADA-DEBATTE / Ex-Radrennfahrer Michi Knopf und sein Vater Josef werden dem Sportministerium Protokolle in Bezug auf die Nationale Anti-Doping-Agentur zeigen.

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VON BERNHARD FENZ

Der Fall Christian Hoffmann und die in diesem Zusammenhang veröffentlichten Auszüge einer Tonaufnahme der Sitzung der Rechtskommission der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) sind die Aufreger der letzten Woche. Dabei wird vor allem aufgrund einiger Zitate die Entscheidungsfindung der Kommission kritisiert. Sportminister Norbert Da-rabos kündigte eine Aufklärung der Causa an.

„Alle vorhandenen Protokolle  werde ich dort vorlegen“

Auch die Verhandlung von Michi Knopf soll bei den Untersuchungen mitberücksichtigt werden. Zur Erinnerung: Der Zillingtaler stand seit Ende Juni 2010 unter Doping-Verdacht. Als Basis der Anschuldigungen diente ein von der Polizei abgehörtes Telefongespräch, aufgrund dessen Knopf der Besitz, die Einnahme und die Weitergabe von Dopingmitteln vorgeworfen wurde. Die Rechtskommission der NADA sprach darauf eine sofortige Suspendierung aus (somit war er für die Österreich-Rundfahrt nicht startberechtigt), sieben Wochen später wurde diese von der unabhängigen Schiedskommission in zweiter Instanz aufgehoben.

In der Folge wanderte das Verfahren (bei dem geladene Zeugen bei mehreren Sitzungen nicht erschienen waren) an die Rechtskommission zurück, die am 23. Februar 2011 eine Sperre von vier Jahren wegen Weitergabe von Dopingmitteln verhängte. Am 25. Juli bestätigte die Schiedskommission die Sperre, reduzierte diese aber auf drei Jahre. Grund: Mehrfach unerlaubter Besitz mehrerer verbotener Substanzen. Knopf (31) ist somit noch unter Einrechnung der Suspendierung bis Jänner 2014 gesperrt.

Von der Sitzung der Schiedskommission tauchte neben dem offiziellen Protokoll auch ein zweites – ein sogenanntes Beratungsprotokoll – auf, in dem unter anderem Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen jenes Zeugen (ein ehemaliger Teamkollege von Knopf) gehegt werden, der den Burgenländer belastete – die BVZ berichtete.

Zwar stellte Rechtsanwalt Peter Döller als Vorsitzender der Kommission gegenüber der BVZ klar, dass „es völlig normal ist“, neben dem offiziellen Protokoll auch ein internes für die Kommissionsmitglieder zu führen und dass es in der Grundaussage zwischen den Protokollen keinen Unterschied gibt, trotzdem: In dieser Woche wird es einen Termin im Sportministerium geben, bei dem ein Austausch an Informationen stattfinden soll. „Wir wollen zur Urteilsfindung beitragen – uns geht es um Aufklärung. Alle mir vorliegenden Protokolle werde ich dort zeigen, damit zusätzlich Klarheit herrscht,“ so Knopfs Vater Josef, der mit Anwalt Werner Johannes Krauss vorsprechen wird. Michi Knopf selbst – er betreibt ein Radgeschäft in Mattersburg und wird nicht mehr in den Zirkus zurückkehren – sieht alles nüchtern: „Gewinnen kann ich nichts mehr. Aber natürlich wäre es auch für mich eine Form der Genugtuung, wenn das Thema 'NADA' entsprechend aufgeklärt würde.“

Klage gegen die NADA  wird bald eingereicht

Auf einer anderen Ebene wird sich übrigens ebenfalls etwas tun. Wie die BVZ bereits berichtete, wird Knopf gegen die NADA gerichtlich vorgehen. Die Klage auf Schadenersatz soll in den nächsten Wochen eingereicht werden und stützt sich darauf, dass er durch die erstinstanzliche Suspendierung im Jahr 2010 nicht an der Österreich-Rundfahrt teilnehmen konnte – die Entscheidung aber wieder aufgehoben wurde. Der dadurch entstandene Schaden beläuft sich laut Knopf auf 100.000 Euro.

Langlauf-Olympiasieger Christian Hoffmann wurde im Dezember 2011 im Zuge seines Dopingverfahrens für sechs Jahre gesperrt – er nahm die betreffende Sitzung der Rechtskommission der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) mit seinem „vergessenen“ Handy auf. Die anwesenden Mitglieder und auch NADA-Geschäftsführer Andreas Schwab wurden durch veröffentlichte Auszüge in der Vorwoche unter anderem bei ihrer Entscheidungsfindung in ein schiefes Licht gerückt. Sportminister Norbert Darabos kündigte an: „Unabhängig von der Frage, ob diese Aufzeichnung rechtmäßig zustande gekommen ist, besteht ein dringendes Interesse an einer lückenlosen Aufklärung. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit der NADA.“

Michael Knopf (r.) in seinem Radgeschäft in Mattersburg mit Vater Josef. Die Infos, die der ehemalige Radrennfahrer in Zusammenhang mit Verfahren der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA besitzt, sollen nun dem Sportministerium zugetragen werden.FENZ