Erstellt am 27. Mai 2013, 16:04

Fassungslosigkeit in Mattersburg. Ausgerechnet nach zehn Jahren in der Fußball-Bundesliga hat es den SV Mattersburg erwischt.

APA12921978 - 26052013 - MATTERSBURG - …STERREICH: v.l. Patrick Buerger (Mattersburg), Alois Hoeller (Mattersburg) und Ilco Naumoski (Mattersburg) während der Tipp3- Bundesliga - Begegnung zwischen SV Mattersburg und FC Admira Wacker Mödling am Sonntag, 26. Mai 2013, in Mattersburg. APA-FOTO: HANS PUNZ  |  NOEN, APA
Die Burgenländer sind der große Verlierer eines an Spannung nicht zu überbietenden Abstiegskrimis und müssen den schweren Gang in die Erste Liga antreten. Vor der Winterpause (nach 20 Runden) hatte die Truppe von Chefcoach Franz Lederer genauso wie zwei Runden vor Schluss noch komfortable fünf Punkte Vorsprung auf das Tabellenende. Mit Niederlagen bei der Austria (0:4) und im direkten Duell gegen die Admira (0:1) wurde der überraschende Abstieg aber doch noch besiegelt.

"Wir wussten, dass es rein theoretisch passieren kann, aber wir haben es uns nicht vorstellen wollen", sagte Club-Obmann Martin Pucher. Das zweitschwächste Frühjahrsteam hatte nach dem 2:0-Heimerfolg gegen Rapid in der 34. Runde schon den damals ziemlich sicher geglaubten Klassenerhalt gefeiert, der nun doch noch aufgrund der drei Siege der direkten KonkurrentenAdmira, Innsbruck und Wiener Neustadt zum Saisonabschluss verpasst wurde. "Wir haben es selbst vergeigt", ärgerte sich der Ex-Bundesliga-Präsident.

Mattersburg war in den vergangenen Saisonen immer wieder als Abstiegskandidat gehandelt worden. Mit den Rängen 8 (2003/04-37 Punkte), 5 (2004/05-45), 7 (2005/06-44), 3 (2006/07-55), 5 (2007/08-53), 9 (2008/09-33), 6 (2009/10-41), 9 (2010/11-31) und 8 (2011/12-38) konnte aber jeweils der Ligaverbleib gesichert werden.

Das Thema Abstieg war für Pucher dadurch aber immer präsent. "Mattersburg ist aus wirtschaftlicher Sicht ein gesunder Verein. Dass man mit diesen Möglichkeiten nicht ewig in der Liga spielen kann, war mir klar", hatte der Vereinschef schon nach der 31. Runde erklärt, als sein Verein erstmals (und zum einzigen Mal neben der 36. Runde) in dieser Saison auf den letzten Platz abgerutscht war.

Für Pucher ist der Abstieg "nicht der große Weltuntergang". Vielleicht hat die Rückkehr in die zweithöchste Spielklasse für die Burgenländer auch etwas Positives, besteht doch bei einem eventuellen Wideraufstieg die Möglichkeit eine neue Fußball-Euphorie auszulösen. Abgesehen von der Saison-Schlussphase hatten die Zuschauerzahlen im Pappelstadion diese Saison doch zu Wünschen übrig gelassen.

Der Weg zurück ist allerdings steinig, das hat auch der Kapfenberger SV am eigenen Leib zu spüren bekommen. Der Bundesliga-Absteiger der vergangenen Saison fand sich im Herbst in der Erste Liga überhaupt nicht zurecht, holte dank eines starken Frühjahrs aber immerhin noch Rang fünf mit 22 Punkten Rückstand auf Meister Grödig. Der KSV wird genauso wie Altach und Austria Lustenau wohl der härteste Aufstiegskonkurrent werden. "Der sofortige Wiederaufstieg ist viel schwerer, als man glaubt", ist sich Pucher bewusst.

In den nächsten Tagen gelt es nun, sich zu sammeln und die richtigen Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Ob Langzeitcoach Franz Lederer (seit 17. November 2004) bleiben darf, ist ungewiss, allerdings auch nicht unmöglich. "Die Mannschaft ist eine tolle Truppe", hat Lederer jedenfalls keine Bedenken für die Zukunft. Fraglich ist allerdings, wie der Kader nächste Saison aussehen wird. Spieler wie Topstürmer Patrick Bürger werden wohl nicht gehalten werden können.

Nach einem starken Start mit vier Siegen und zwei Niederlagen lagen die Mattersburger nach sechs Runden als Dritter nur drei Punkte hinter Tabellenführer Austria. Ende des ersten Saisonviertels war es nur mehr Rang sieben (9 Punkte Differenz auf Platz 12), der blieb dem Club auch bis zur Saisonhalbzeit erhalten, allerdings schrumpfte der Vorsprung auf Rang zehn auf fünf Zähler. Vor dem Schlussviertel betrug die Differenz des weiter Siebenten auf das Schlusslicht nur mehr vier Punkte und am Ende entschied die schlechtere Tordifferenz von 36:67 (-31) im Gegensatz zur Admira (47:68/-21). Wacker Innsbruck und Wiener Neustadt holten nur einen Zähler mehr.