Erstellt am 08. Februar 2012, 00:00

Frösteln ist kein Thema. TIPP3 BUNDESLIGA / Kälte ist in der Praxis fast nie Grund für eine Absage. Stimmen die Bodenbedingungen, wird gespielt.

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VON BERNHARD FENZ

Noch beherrschen vor dem Frühjahrsstart die tiefen Temperaturen unser Wetter. In Graz, Schauplatz der ersten Partie des SV Mattersburg, sind am Samstag im besten Fall minus fünf und im schlechtesten minus 12 Grad vorhergesagt. Weil in der UPC-Arena eine Rasenheizung für einen regulären Untergrund sorgen kann, wird aber gespielt.

Diese Prognose kann ohne viel Risiko getroffen werden. Zu unwahrscheinlich ist, dass sich der Wirtschaftszweig Spitzenfußball von anderen negativen Faktoren als einem gefrorenen Spielfeld beeinflussen ließe. Möglich wäre eine kältebedingte Absage allemal, wie Günter Benkö – Bundesliga-Schiribesetzer und Burgenlands Schiedsrichterobmann – festhält. „Im Nachwuchsbereich darf man ab minus sieben Grad nicht mehr spielen. Beim Erwachsenenfußball gibt es offiziell keine Bestimmungen. Sollte der Referee aber davon ausgehen, dass die Gesundheit der Aktiven gefährdet wäre, kann er absagen.“

Nur: Wann ist die Gesundheit der Aktiven gefährdet? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Richard Eggenhofer etwa, ÖFB-Team-arzt und Klubarzt des SVM, meint: „Der Graubereich ist groß. Da geht es auch um andere Faktoren, beispielsweise den Wind. Generell sollte man ab minus 15 Grad das Fußballspielen bleiben lassen.“

Der SV Mattersburg fährt  mit gutem Gefühl zu Sturm

Neben muskulären Problemen geht es vor allem um die Atmung. Asthma-gefährdete Menschen – die gibt es auch unter Kickern – sind besonders betroffen. Eggenhofer: „Kälte ist ein klassischer Stress-Faktor und kann bei gefährdeten Personen eine entsprechende Reaktion hervorrufen.“

Weil das Regulativ aber tendenziell schwammig ist, wird wohl kein Schiedsrichter im Zweifel gegen den Anpfiff entscheiden. Solange also keine zweistelligen Minusgrade in Verbindung mit orkanartigen Böen wüten, wird die Fußball-Show im Oberhaus geboten.

Benkö kann ein Lied davon singen, als er im Zuge seiner aktiven Schiri-Zeit einmal ein Champions-League-Match zwischen Trondheim und Dortmund geleitet hatte: „Theoretisch hätte man absagen können, in der Praxis war das aber nicht möglich. Bei minus 14 Grad habe ich nach ein paar Minuten weder Finger, noch Zehen gespürt. Alle Spieler waren eingehüllt – ich hab geglaubt, ich pfeif bei einem Banküberfall.“

Zurück zum SV Mattersburg: Die Burgenländer wollen nur eines – am Samstag bei Sturm Graz gut abschneiden. Trainer Franz Lederer ist zuversichtlich: „Wir haben uns nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet. Wo wir genau stehen, werden wir aber erst sehen.“