Erstellt am 03. Januar 2011, 00:00

„Funktionäre agieren wie die kleinen Kinder“. FUSSBALL / Die pauschale Sportleraufwandsentschädigung wird von vielen Vereinen noch immer nicht ernst genommen. Zudem werden im Unterhaus immer noch Unsummen bezahlt.

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VON ROUVEN ERTLSCHWEIGER

Seit 1. Jänner 2010 gilt in Österreich die pauschale Sportleraufwandsentschädigung von maximal 60 Euro pro Einsatztag und der Obergrenze von 540 Euro pro Monat. In Anspruch dürfen diese Regelung neben Sportlern etwa auch Trainer und Masseure nehmen. Für alle vorausgesetzt, dass der Sport nicht der Hauptberuf ist. Studenten profitieren ebenfalls davon, Arbeitslose jedoch nicht. Um einer missbräuchlichen Verwendung vorzubeugen, darf das Geld immer nur von einem Verein ausbezahlt werden.

Herbert Grünberger, Chefjurist der Bundessportorganisation (BSO), sieht darin eine mehr als großzügige Regelung. Warum? „Weil sie nur für den Sport gilt – karitative Vereine oder auch Kulturvereine davon ausgeschlossen sind.“

Leider hat sich das bis in den heimischen Amateurfußball noch nicht überall herumgesprochen. Gernot Zirngast, Vorsitzender der Vereinigung der Fußballer (VdF), dazu: „Ein Großteil der Vereine hält sich leider noch immer nicht an diese Regelung, das ist Fakt. Anscheinend wissen viele Funktionäre nicht, dass sie sich damit strafbar machen.“

Laut dieser Sonderregelung ist der „echte“ Amateurfußballer bis zu einem Betrag von 6480 Euro (das sind die 540 Euro mal zwölf Monate) nicht steuer- und sozialversicherungspflichtig. Mit der Einschränkung, „dass das nur dann gilt, wenn er 12 Monate pro Jahr für den Sport tätig ist und dabei weder krank noch auf Urlaub ist“, weiß Grünberger. Die Realität sieht freilich anders aus. Noch immer werden im Unterhaus Verträge abgeschlossen, bei denen Funktionäre mit einem Bein im „Kriminal“ stehen. Niederösterreichs Fußball-Präsident Hans Gartner ist sich der Problematik zwar bewusst, scheint aber machtlos zu sein. „Wir machen in den Hauptgruppen laufend Schulungen über das Thema. Leider werde ich den Eindruck nicht los, dass viele Klubs glauben, dass das ein Schmäh ist. Und dass alles für sie nicht zählt. Das ist das Traurige.“

Ziel lautet, dass alle Klubs  ordnungsgemäß agieren

Gernot Zirngast stößt ins selbe Horn: „Viele Protagonisten versuchen, die Regelung zu umgehen, indem sie Punkteprämien weiter unter dem Deckmantel der Reise-Aufwandsentschädigung ausbezahlen.“ Was sagt Herbert Grünberger von der BSO dazu? „Wenn man gewinnt, darf man dem Verein die Reise-Aufwandsentschädigung in Rechnung stellen. Dieser Deal besteht im Moment zum Beispiel mit dem Oberösterreichischen Fußballverband.“ Das Ziel lautet, alle Landesverbände ins Boot zu holen. Und die Vereine dazu zu bringen, alle Spieler ordnungsgemäß anzumelden und auch abzurechnen. Hans Gartner hört zwar die Botschaft, allein ihm fehlt der Glaube: „Wir können als Fußballverband immer nur informieren. Vielen Funktionären ist nicht bewusst, dass sie mit ihrem Privatvermögen haften. Sie agieren wie die kleinen Kinder und halten sich bei dem Thema die Augen zu.“


Zirngast: „Viele Klubs sind  einfach überfordert damit“

Gernot Zirngast sieht vor allem das Problem darin, dass der Großteil der Amateurvereine mit der Problematik überfordert ist: „Viele schließen Vereinbarungen mit Spielern, ohne sich über deren arbeits- und sozialrechtliche Konsequenzen im Klaren zu sein“, so der Tullner. Dass im Amateur-Fußball teilweise noch immer horrende Summen für Kicker bezahlt werden, sieht Zirngast als ehemaliger Fußball-Profi jedoch pragmatisch. „Der Markt regelt sich selbst. Auch hier gelten die Prinzipien Angebot und Nachfrage. Der VdF ist wichtig, dass man sich dabei an die rechtlichen Spielregeln hält.“

Die EU reagiert bereits  im Profi-Fußballbereich

Aber nicht nur im Amateurbereich brennt der Hut, auch im Profibetrieb ist nicht alles eitel Wonne. Deshalb reagiert auch die Europäische Union. Zirngast: „Die EU schreibt vor, dass hinkünftig ein Klub im Profibetrieb die Vorteile eines gemeinnützigen Vereins nicht mehr nutzen darf. Der Klub wird vielmehr angehalten, eine Kapitalgesellschaft (GmbH oder AG) zu gründen und seine Dienstnehmer in dieser Rechtskonstruktion unterzubringen. Der Vorteil daran ist, dass sich die Transparenz dadurch massiv verbessern wird.“

Wie war das mit der Botschaft und Hans Gartner noch einmal?