Erstellt am 31. Juli 2015, 06:51

von Bernhard Fenz

Füzi: "Müssen eine Einheit sein". Der Sportliche Leiter der Akademie im großen Interview vor dem Saisonstart.

Impulsgeber: Hans Füzi, Sportlicher Leiter der Fußballakademie Burgenland, hat das AKA-Betreuerteam kräftig durchgemischt.  |  NOEN, Bernhard Fenz

BVZ: Zuletzt hat sich in der Akadmie viel getan. Statt Werner Kögl und Joe Furtner sind jetzt Franz Ponweiser und Peter Grandits neue U15- und U16-Cheftrainer, auch auf Co-Trainer-Ebene und bei den Tormanntrainern wurde viel getauscht. Warum?
Hans Füzi: Die Trainer waren absolut in Ordnung, hatten auch jede Menge Erfahrung. Für mich war aber der Zeitpunkt richtig, um wirklich neue Impulse zu setzen. Eine Auffrischung war nicht schlecht. Jeder Trainer hat Philosophien und Ideen – die neuen Betreuer sollen nun versuchen, das einzubringen.

Demnach war aus Ihrer Sicht trotzdem die Notwendigkeit gegeben. Hätte alles gepasst, hätte es ja keinen Bedarf gegeben.
Irgendwann habe ich gesehen, dass das eine oder andere vielleicht nicht mehr optimal ist. Da geht es um Nuancen, aber das war mein Empfinden und der Grund, warum ich einen Wechsel gut gefunden habe. Hinzu kommt, dass Trainer am Markt waren. Es gibt im Burgenland keine 15 Personen, die Akademie-Status haben.

"Beide sind am neuesten Level"

Was ist notwendig für besagten Akademie-Status?
Du brauchst die UEFA-A-Lizenz und die Elite-Junioren-Lizenz. Ich gehe davon aus, dass diese Qualifikation hierzulande nicht viele Trainer haben.

Franz Ponweiser ist Lehrer, Peter Grandits ebenso. Wie wichtig war der Umstand, dass beide neben der sportlichen Kompetenz auch pädagogisch tätig sind?
Das war auch ein Kriterium – und dass beide die Elite-Junioren-Lizenz vor vier und nicht vor zehn Jahren absolviert haben. Wir haben zwar immer wieder Fortbildungen gemacht, trotzdem ist es ein Unterschied. Beide sind am neuesten Level.

"Hat sich Chance einfach verdient"

Ivo Smudla ist der einzige des ehemaligen Cheftrainer-Teams, der weiter verpflichtet wurde.
Ivo Smudla ist voll in der Materie drin, hat die Erfahrung vom SV Mattersburg und kann sehr gut mit Kindern dieses Alters umgehen. Er arbeitet fantastisch. Was er sieht, ist toll. Zudem brauchen wir in der Akademie drei hauptberufliche Trainer. Er ist neben Peter Grandits und mir einer davon.

Ist das Betreuer-Team perfekt?
Ja. Franz Ponweiser wollte ich neu dabei. Peter Grandits war sechs Jahre lang Co-Trainer, ist Schulkoordinator, hat vor zwei Jahren seine Ausbildung beendet und hat sich diese Chance einfach verdient. Überhaupt sind die Betreuer-Gruppen sehr gut aufgestellt, mir geht es immer um die Teams. Und insgesamt müssen wir auch eine Einheit sein.

"Augenmerk auf sehr viel Ballbesitz"

Macht es Sinn, gleich einheitlich von der U15 bis rauf zu den Profis eine gemeinsame Spielphilosophie zu verfolgen?
Nein, ein durchgehendes System ist hier nicht möglich. Die U15-Spieler müssen einmal den Beginn von guten taktischen Maßnahmen lernen. Welches System da gespielt wird, ist vollkommen egal. Unsere Akademie-Philosophie deckt sich mit der Ausbildungs-Philosophie des ÖFB – das ziehen wir auch rauf bis zur U18.

Red Bull Salzburg wird seine Spieler wohl von Beginn weg auf Offensive ausrichten.
Dort gibt es das Potenzial, von unten bis oben das Augenmerk auf sehr viel Ballbesitz zu legen. Wir haben nicht so viele Spieler, die körperlich schon so weit sind, um gegen Gleichaltrige mithalten zu können, daher müssen die Jungs auch etwa einen guten Konterfußball erlernen und sich entsprechend den Gegebenheiten anpassen. Wenn man sich Red Bull Salzburg U18 gegen Burgenland U18 anschaut, glaubt man, da spielt das A-Team gegen irgendeine Jugendmannschaft.

"Wir tun uns einfach schwerer"

Hat man also hierzulande andere Voraussetzungen?
Nur ein Beispiel: Salzburg presst ganz vorne mit allen Mannschaften. Wenn ich das mit unserer U15 betreibe, kassieren wir jedes Mal fünf bis zehn Gegentreffer.

Ist der körperliche Unterschied tatsächlich so groß?
Wir tun uns hier einfach schwerer, weil wir aus 270.000 Einwohnern selektionieren.

"Primärrecht für SV Mattersburg"

Mit welchen Akademien kann sich das Burgenland von der Auswahlmöglichkeit her vergleichen?
Mit Vorarlberg, Tirol, Ried, Linz oder auch dem WAC. Bei Niederösterreich tu ich mir schon schwer, weil die auch knapp zwei Millionen Einwohner haben.

Wie groß ist die Gefahr, dass euch andere Akademien Top-Talente wegschnappen?
Wenn der SV Mattersburg einen Spieler haben will, wird ihm schon in jungen Jahren ein Jungprofi-Vertrag angeboten. Da gibt es ein Primärrecht und eine Vereinbarung mit den anderen Akademien.

"Zehn Trainer, die bewerten"

Nicht ohne Grund wird der SVM im Sommer U16-Spieler Marcel Szikonya unter Vertrag genommen haben.
Sonst wären auch schon viele Kicker weg, wenn wir diese Möglichkeiten nicht hätten.

Ist die Gefahr groß, dass ein echtes Zukunfts-Talent für die Bundesliga bei der Sichtung oder bei der Auswahl durch die Lappen geht?
Nein. Erstens gibt es nicht so viele Spieler, die über das Potenzial für Mattersburg verfügen. Zweitens sind wir zehn Trainer, die bewerten. Zusätzlich gibt es Testungen. Bis jetzt war es jedenfalls noch nicht so, dass jemand nicht aufgenommen wurde, der dann auf anderem Wege ein großer Fußballer geworden ist.

"Jetzt bringen wir Bundesliga-Spieler heraus"

Wie gut ist die Quote derer, die es von der Fußballakademie Burgenland in die Bundesliga schaffen, im österreichweiten Vergleich?
Wir sind unter den Top-Fünf. Natürlich haben wir hier den Vorteil, dass der SV Mattersburg in der Ost-Region ein gutes Image hat und vielen Spielern eine Chance gibt – die sind dann im Kader und werden statistisch vom ÖFB erfasst.

Auch in diesem Zusammenhang wird der jüngste Aufstieg des Trägervereins SVM Sinn machen.
Ja. Jetzt bringen wir Bundesliga-Spieler heraus, und nicht Erste-Liga-Spieler. Da gibt es andere Punktebewertungen.

"Wollen einstellig abschneiden"

Wie lautet das Saisonziel für die Fußballakademie 2015/2016?
Vorrangig wollen wir einstellig abschneiden. Sollte sich eine Mannschaft gut präsentieren, werden wir die Ziele intern natürlich adaptieren.

Immer wieder taucht aus der Gerüchteküche der Vorwurf auf, dass in der Fußballakademie nicht optimal gearbeitet wird.
Wir haben Voraussetzungen wie keine fünf Akademien in Österreich. Und wer sagt, dass woanders besser gearbeitet wird, mit dem würde ich gerne zu egal welchem Training einer anderen Akademie fahren – das kann Barcelona oder Real sein. Dann können wir analysieren, was dort anders gemacht wird.

"Vom Inhalt her keine Unterschiede"

Was wird anders gemacht?
Vom technisch-taktischen Bereich her trainieren auch diese Klubs den gleichen Fußball wie wir. Sie haben nur ein anderes Niveau von Spielern zur Verfügung, aber vom Inhalt her gibt es keine Unterschiede.

Was ist Ihnen neben den Inhalten besonders wichtig?
Dass wir bei den Spielern sofort ihr Niveau erkennen und sie in ihrer Gesamtheit – sowohl technisch, taktisch und konditionell – voll fordern. Das Entscheidendste ist aber, dass man in den vier Jahren für die Jugendlichen Sportwissenschaftler mit sehr guter Erfahrung bereitstellt, die sie körperlich auf ein gutes Niveau bringen, ohne gesundheitliche Schäden herbeizuführen. Das tun wir.