Ritzing

Erstellt am 19. Juli 2017, 06:20

von Bernhard Fenz

SC Ritzing: Insolventer Alltag. 2014 war der Verein insolvent, nun die Firma Intrepid, bei der die Spieler beschäftigt waren. Der Betrieb soll weitergehen.

Im Fokus. Das Ritzinger Sonnenseestadion und das Sportzentrum machten in der Vergangenheit nicht nur ausschließlich sportliche Schlagzeilen. Foto: BVZ  |  NOEN, BVZ

Vergangene Woche hat die Intrepid GesmbH Insolvenz angemeldet und am Landesgericht Eisenstadt den Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung gestellt. Angeboten wird den rund 70 Gläubigern dabei eine Quote von 30 Prozent. Die Passiva belaufen sich laut Aussendung des Gläubigerschutzverbands Creditreform auf 1,57 Millionen Euro.

Ein Sanierungsverfahren gab es in genau diesem Zusammenhang zuletzt bereits 2014. Damals betraf es den SC Ritzing, nun schließt sich der Kreis. Denn der Ursprung des Problems ist gleich – auch wenn die Firma anders heißt. Damals wie heute geht es vor allem um Differenzen mit dem Finanzamt und der Burgenländischen Gebietskrankenkasse in Bezug auf die Beschäftigung von Spielern des SC Ritzing. Weil die Kicker in der jüngeren Klubvergangenheit von der ausgelagerten Kapitalgesellschaft Intrepid beschäftigt wurden, entstanden auch hier die Probleme.

„Schritt ist für mich auch ein Selbstschutz“

Fortführung geplant: Harald Reiszner, Geschäftsführer der Intrepid GesmbH.  |  Fenz

Intrepid soll übrigens fortgeführt werden. Weil der SC Ritzing aktuell keinen Profifußball betreibt (das war am Weg zu einer möglichen Bundesliga-Lizenz sehr wohl der Fall) und nach dem freiwilligen Ostliga-Rückzug in die 2. Liga Mitte eingegliedert wurde, sind nun alle Spieler wieder beim Fußballklub gemeldet. Reiszners Intrepid-Truppe gehören somit keine Ritzinger Spieler mehr an, sondern nur noch die Kellner, Köche und Hausarbeiter des Verwaltungsapparats (28 Arbeitnehmer sind betroffen).

Nicht zum Fußball, aber zur Insolvenz passend, ist ein weiterer Grund: So gab es Differenzen der Hausverwaltung mit einem Mieter. Reiszner: „Dieser ist uns rund 150.000 Euro schuldig.“ Die Probleme mit den Hauptgläubigern – dem Finanzamt und der Gebietskrankenkasse – sollen, so dem Insolvenzverfahren stattgegeben wird, jedenfalls von dritter Seite ausgeräumt werden. Als Sanierungsverwalter wurde vom Gericht Klaus Dörnhöfer genannt.

Reiszner: „Besser, das ist in erfahrenen Händen. Für mich ist dieser Schritt aufgrund der Vergangenheit auch ein Selbstschutz. Es geht um Nachzahlungen von Lohnsteuer, diversen Sachleistungen, et cetera. Aus meiner Sicht ist alles korrekt abgewickelt worden – ich habe es aber aufgegeben, das zu thematisieren.“ Seitens der Burgenländischen Gebietskrankenkasse sagte Direktor Christian Moder: „Es gibt erhebliche Beitragsrückstände. Dass wir mit dem SC Ritzing und Intrepid nahezu pausenlos Schwierigkeiten haben, ist ein offenes Geheimnis.“

Spielergehälter: April und Mai noch offen

Thematisiert werden übrigens noch die Gehälter der Spieler aus der abgelaufenen Saison 2016/2017, was die Monate April und Mai betrifft. Die sind noch offen. Reiszner: „Kleinigkeiten sind strittig. Manche haben Unterscheidungsschwächen zwischen brutto und netto, wenn es etwa um Punkteprämien geht. Es sind immer die letzten Zahlungen, die Auffassungsunterschiede nach sich ziehen.“

Rudolf Novotny von der Spielergewerkschaft VdF (Vereinigung der Fußballer) vertritt 13 Akteure – und stellt klar: „Wir sind in Kontakt. Es gilt abzuklären, ob die Forderungen erfüllt und wie sie getilgt werden.“ Durch die Insolvenz wird auch dieser Punkt wohl Sache des Verwalters sein. Reiszner: „Er wird da dabei sein, dann muss ich nicht streiten. Es wird eine Zahl geben, die es zu begleichen gilt. Die Spieler bekommen ohnehin 100 Prozent vom Insolvenzfonds.“

Dass es beim SC Ritzing weitergeht, dafür hat der Obmann bereits gesorgt. Mit Mario Posch wurde zuletzt ein neuer Sportlicher Leiter bestellt, künftig soll von der 2. Liga ausgehend behutsam etwas Neues entstehen. „Posch ist ein Profi, der auch über diese Causa informiert war.“

Harald Reiszner ist Obmann des SC Ritzing. Geschäftlich ist der 54-Jährige Eigentümer der Invictus GmbH, auf deren Betriebsgelände in Siegendorf unter anderem die Firma I & T ansässig ist, wo Reiszner Geschäftsleiter und Miteigentümer ist. Die für die Hausverwaltung am Betriebsgelände und im Sportzentrum Ritzing zuständige Kapitalgesellschaft ist wiederum die Intrepid GesmbH, deren Geschäftsführer ebenfalls Reiszner ist.