Erstellt am 27. Januar 2016, 05:13

von Bernhard Fenz

Fußballakademie: Entwicklungs-Ziele in doppelter Hinsicht. Die Winterbilanz ist zu zwei Dritteln positiv. Parallel dazu soll die burgenländische Elite-Ausbildung imagemäßig aufpoliert werden.

Millionenprojekt: Rund zehn Millionen Euro kostete die Errichtung der Fußballakademie Burgenland, die neben dem Hauptgebäude und diverser Trainingsmöglichkeiten über vier Natur- und zwei Kunstrasenplätze verfügt. Foto: zVg  |  NOEN, zVg
Heute, Mittwoch, wird in der Sporthalle Hirm der neue Jahrgang der Fußballakademie (AKA) Burgenland fixiert. Die sportmotorischen und psychologischen Tests bilden den Abschluss der Aufnahmeprozedur.

Seit 2009 dreht sich dieses höchste Ausbildungsrad kontinuierlich. Damals wurde die um rund zehn Millionen Euro neu gebaute Fußballakademie Burgenland in Mattersburg eröffnet.

Ausbildungsschiene wurde wesentlich komplexer

Die Akademie löste als elitärste Ausbildungsschiene des Landes das Bundesnachwuchszentrum (BNZ) ab. Dort kamen die Besten des Landes zum Training in Eisenstadt oder im Landessüden zusammen, mit der AKA-Geburt wurde die Ausbildungsschiene wesentlich komplexer.

Konkret heißt das: eigene Fußballklassen in der HAK Mattersburg hier, eine südburgenländische Kooperationsschule mit dem BSSM Oberschützen da, auf das intensive Training abgestimmte Stundenpläne, ein Internat vor Ort am Gelände in Mattersburg, eine Bündelung der Kräfte, mit dem SV Mattersburg ein beteiligter Bundesliga-Klub, der im Falle des Falles ein Vorkaufsrecht für eine Verpflichtung besitzt, der BFV als Lizenzträger sowie eine jahrelange professionelle Ausbildung für alle Kicker, die (so sie nicht vom SVM engagiert werden) beim Stammverein gemeldet bleiben – das alles war und ist bis heute Programm.

Ziel lautet: Noch mehr Talente vor Ort behalten

Und doch bedarf es gerade bei so einem Paket einer immer wiederkehrenden Analyse und Bilanz, um die Akademie-Zweckmäßigkeit unter Beweis zu stellen.

Immerhin müssen die Eigentümer (siehe ganz unten) pro Jahr rund 1,5 Millionen Euro für den Betrieb aufstellen, zudem gibt es Messbarkeiten wie Ergebnisse und eine Liste an Spielern, die am Ende ihrer Akademie-Laufbahn trotzdem nicht Österreichs große Fußballwelt sehen (werden).

„Wir wollen niemand etwas wegnehmen,
sondern bieten eine fundierte Ausbildung,
von der alle burgenländischen Klubs
profitieren können.“
Christian Illedits, AKA

Eben jenen „Output“, also die Folge-Stationen der Akademie-Kicker, sieht Hans Füzi, Sportlicher Leiter der AKA, jedenfalls positiv: „Die Quote an Spielern, die sich in der Bundesliga und auch in den höchsten Amateurligen befinden, ist sehr gut. Durch die Ausbildung der verschiedenen Jahrgänge konnte das allgemeine Niveau gesteigert werden – auch für unsere besten Amateurklubs. Wir sehen uns daher primär als burgenländische Einrichtung mit einer hochprofessionellen Betreuung und Ausbildung, von der auch alle profitieren können.“

Ein Problem sei nach wie vor, in der Spitze flächendeckend die qualitativ besten Youngsters des Landes im Burgenland zu behalten. Christian Illedits, AKA-Aufsichtsratsvorsitzender: „Die besten Burgenländer kriegen wir noch immer nicht – längerfristig ist das aber sehr wohl das Ziel.“

Dass außergewöhnliche Talente bereits in ganz frühen Jahren woanders ihre Karriere vorantreiben, sei ohnehin nicht zu verhindern. Auch ein zweiter Umstand bereite laut Füzi Schwierigkeiten: „Wenn etwa der Vater eines talentierten zehn-, elf- oder zwölfjährigen Kindes seit 20 Jahren Austria- oder Rapid-Fan ist, sind wir für ihn oft nicht die erste Wahl.“

„Im Wettbewerb mit anderen Akademien“

Der Prophet im eigenen Land …: Das ist insofern interessant, als die Akademie Burgenland mittlerweile vermehrt auch von Talenten aus anderen Bundesländern (vorwiegend Steiermark und Niederösterreich) angepeilt wird.

Oliver Snurer, Geschäftsführer der AKA Burgenland: „Wir stehen hier in einem ständigen Wettbewerb mit anderen Akademien. Unser Gesamtpaket ist einzigartig, aber wir wollen natürlich vor allem die besten burgenländischen Talente hierbehalten und fördern.“

x  |  NOEN, Bernhard Fenz


Um das besagte Paket weiter zu optimieren, erfuhr etwa das Betreuerteam im vergangenen Sommer eine personelle Frischzellenkur.

Künftig soll auch die schulische Komponente weiter ausgebaut werden, wie Illedits klarstellt: „Zusätzlich zur HAK Mattersburg wird es ab dem nächsten Schuljahr auch die Möglichkeit geben, hier die Handelsschule zu besuchen. Wir wollen beim Ausbildungsangebot so breit wie möglich aufgestellt sein.“

Rein sportlich sticht bei den AKA-Ergebnissen in den drei ÖFB-Jugendligen die U16 mit Platz fünf und die U18 mit Platz sieben positiv heraus, bei der U15 sieht es mit drei Punkten und dem letzten Platz bitter aus.

„Die U16 war fantastisch gut. Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden bald weitere burgenländische Fußball-Akademiker in der Bundesliga spielen – auch die U18 hat toll abgeschnitten,“ so die für Füzi zu zwei Drittel zufriedenstellende Bilanz.

Warum es bei den Jüngsten nicht gut lief? „Bei der U15 gibt es das Problem, dass wir zwar über sehr gute Fußballer verfügen, viele aber von der körperlichen Entwicklung her noch Defizite haben. Zudem kamen im Herbst alle Spieler zum Zug. Im Frühjahr wird gezielter eingesetzt – die Ergebnisse werden sicher besser.“

Aufgelegte Abschlussfrage an den Sportlichen Leiter in diesem Zusammenhang: Wieso könne aufgrund besagter körperlicher Defizite nicht schon bei der Aufnahme auch der eine oder andere robustere Kicker berücksichtigt werden, um für Ausgewogenheit zu sorgen?

„Wir wollen definitiv das spielerische Moment forcieren, größere Akteure sollten deshalb auch nicht zu sehr abfallen. Das Burgenland hat im Vergleich zu allen anderen Bundesländern mit 287.000 aber die geringste Bevölkerungszahl. Das wirkt sich schon auf die Möglichkeiten beim Auswahlverfahren aus.“


Wissenswertes und aktuelle Statistiken zur Fußballakademie Burgenland

Die Gesellschafter
Errichtung: Land Burgenland 40 %, SV Mattersburg 35 %, BFV 10 %, Stadt Mattersburg 15 %
Betrieb: Land Burgenland 35 %, SV Mattersburg 35 %, BFV 20 %, Stadt Mattersburg 10 %

Die Kosten
Errichtung: ~ 10 Millionen e
Betrieb: ~ 1,5 Millionen e/Jahr

(Ex-)AKA-Burgenland-Spieler (Jahrgang 1992 und jünger) in der Tipico Bundesliga im Herbst der Saison 2015/2016 – inklusive Einsatzminuten: *
SV Mattersburg:
Markus Kuster (1994) 1.800
Patrick Farkas (1992) 1.770
Sven Sprangler (1995) 630
Lukas Rath (1992) 505
Julius Ertlthaler (1997) 6
Philipp Erhardt (1993) 3
Sturm Graz:
Marvin Potzmann (1993) 1.288
Rapid Wien:
Mario Pavelic (1993) 856

AKA Burgenland im Herbst der Saison 2015/2016 in der Tipico Bundesliga im Vergleich zu den anderen Akademien – Anzahl der eingesetzten Spieler sowie zusammengezählte Einsatzminuten aller Kicker: *
1. Rapid ........8 7.534
2. Burgenland 8 6.858
3. Salzburg .....8 6.280
4. Sturm Graz 7 5.146
5. St. Pölten ..6 6.169
6. Austria ......6 4.256
7. Admira ......5 5.866
8. Linz .........5 5.517
9. Vorarlberg 1 1.022
10. Ried .....1 651
11. WAC ...1 51
12. Tirol .0 0

AKA-Burgenland-Spieler (Jahrgang 1992 und jünger) in burgenländischen Teams der Regionalliga Ost und der BVZ Burgenlandliga im Herbst der Saison 2015/2016: *
Regionalliga Ost:
SC Neusiedl/ See 6
SC/ESV Parndorf 3
SV Oberwart 1
SC Ritzing 0
BVZ Burgenlandliga:
SVM Amateure 8
ASV Draßburg 5
ASK Horitschon 5
SC Pinkafeld 4
SC/ESV Parndorf II 4
FC Deutschkreutz 4
UFC Purbach 3
SV Stegersbach 3
SV Eberau 2
ASK Klingenbach 2
SV Neuberg 2
SC Neudörfl 2
SV St. Margarethen 1
SV Wimpassing 1
UFC Jennersdorf 1
SV Eltendorf 0
USC Wallern 0

* Quelle: AKA Burgenland/Füzi