Erstellt am 19. Januar 2011, 00:00

„Fußballklubs laufen nicht davon, Baufirmen schon“. FUSSBALL / Der Schein, dass es rund um die Prüfungen durch die Gebietskrankenkasse ruhig(er) geworden ist, trügt. Die Mühlen mahlen – einige Berufungsverfahren laufen.

BGKK-Direktor Christian Moder: »Halten uns exakt an die Gesetzesgrundlage.«  |  BVZ
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VON BERNHARD FENZ UND

ROUVEN ERTLSCHWEIGER

In Niederösterreich ist es längst auch ein brennendes Thema für einige Fußballklubs: Die von der Gebietskrankenkasse (GKK) geforderten Rückzahlungen. Kein Wunder, sagt doch Günter Hagmann, der Leiter des Beitragswesens: „In den letzten zwei Jahren wurden Sozialversicherungsbeiträge von rund eineinhalb Millionen Euro nachverrechnet.“

Noch bevor in Niederösterreich die Vereine zu zittern begannen, nahm die Gebietskrankenkasse im Burgenland die „besten Adressen“ ins Visier. Die offene Summe spielt sich aber laut Direktor Christian Moder nicht in niederösterreichischen Dimensionen ab. Ruhig ist die Lage aber bei weitem nicht, auch wenn es scheinbar andere Brandherde gibt: „Wir prüfen ständig, schauen uns dabei die letzten fünf Jahre an und halten uns exakt an die gängige Gesetzesgrundlage. Aber wir haben keine Eile. Fußballklubs laufen nicht davon, Baufirmen schon…“

Zudem herrscht seit 1. Jänner 2010 (gesetzliche) Klarheit, was im Sport Sache ist. Grob umrissen: In Österreich gilt die pauschale Reise- und Aufwandsentschädigung für Sportler von maximal 60 Euro pro Einsatztag mit einer Obergrenze von 540 Euro pro Monat. Durch die Regelung ist der Empfänger in diesem Rahmen steuerfrei, auch eine Anmeldung bei der Gebietskrankenkasse ist nicht nötig. Alles, was über diese Summe hinausgeht, ist steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Weil aber natürlich auch vor 2010 für das Kicken bezahlt wurde und zudem sehr wohl auch (weit) höhere Summen im Spiel waren und weiter sein können, ist das Wort „Gebietskrankenkassenprüfung“ nach wie vor ein Reizthema.

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„Berufungsverfahren sind  schwierig zu führen“

Fakt ist: Der eine oder andere Klub aus der Regionalliga und der Burgenlandliga könnte noch von seiner Vergangenheit eingeholt werden. Keine Rede davon, dass alle Forderungen erfüllt sind. Vielmehr laufen, wie Moder bestätigte, nach den Prüfungen der letzten Jahre einige Berufungsverfahren: „Diese Verfahren sind schwierig zu führen und können sich über Jahre ziehen. Ist das Rechtsmittelverfahren aber einmal abgeschlossen, müssen die Klubs nachzahlen.“ Dann drohen vereinzelt sogar Beträge in sechsstelliger Höhe. Es gibt aber auch freilich Vereine aus dem Amateur-Oberhaus, die das leidige Thema bereits – je nachdem – mit kleineren oder größeren Überweisungen hinter sich bringen konnten. Beispiel Parndorf: Der aktuelle Ostliga-Herbstmeister bezahlte 2009 eine sechsstellige Summe an „Altlasten“ und hat seitdem die Spieler angemeldet. Oft übersteigen die Forderungen aus der Vergangenheit aber die aktuellen Möglichkeiten der Klubs – ein Teufelskreis.

BFV-Präsident Karl Kaplan: „Natürlich müssen Einzelfälle gesondert geprüft und schwarze Schafe herausgeholt werden. Ich bin aber trotzdem gegen eine Pauschal-Verurteilung.“

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„Viele Klubs sind einfach  überfordert damit“

Das Konstrukt, Kicker im Amateurbereich nicht anzumelden, gleichzeitig aber deftige Summen zu bezahlen, birgt übrigens vor allem für die Verantwortlichen der Klubs Gefahren. Gernot Zirngast, Vorsitzender der Vereinigung der Fußballer (VdF): „Viele schließen Vereinbarungen mit Spielern ab, ohne sich über deren arbeits- und sozialrechtliche Konsequenzen im Klaren zu sein. Ein Großteil der Vereine hält sich leider noch immer nicht an diese Regelung. Anscheinend wissen viele Funktionäre nicht, dass sie sich damit strafbar machen.“ Denn: „Sobald eine Punkteprämie oder ein Fixum im Spiel ist, hat der Akteur jedenfalls als Vertragsspieler zu gelten und muss angemeldet werden.“

Die neue Regelung ist für Burgenlands GKK-Direktor Christian Moder ohnehin schon ein (zu) großes Entgegenkommen an die Vereine: „Diese Privilegien gibt es in keiner anderen Berufsgruppe. Das ist ein Systembruch.“