Erstellt am 28. Dezember 2011, 00:00

gehört eben dazu“. im Fußballbund, sein „Macher-Image“ und die Kritik an ihm.

Stellte sich den Fragen der BVZ. Leo Windtner (l.) diskutierte in seinem Büro im Linzer „Power Tower“ mit Pressehaus-Sportchef Rouven Ertlschweiger (M.) und Fußball-Experten Frenkie Schinkels.BALDAUF  |  NOEN
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VON ROUVEN ERTLSCHWEIGER

UND FRENKIE SCHINKELS

BVZ: In der Teamchefbestellung haben Sie zuletzt viel Kritik einstecken müssen. Zu Recht?

Windtner: Wesentlich ist, dass wir das Ziel erreichen. Man muss nicht unbedingt am Weg glänzen. Unser Ziel ist es, dass wir jene Professionalität und Qualität entwickeln, um an Nationen in Europa anzuschließen, die auf unserer Augenhöhe liegen. Die Kritik ist ein Teil des Geschäftes. Dass man hin und wieder Prügel einsteckt, gehört eben dazu und zur Funktion des Präsidenten.

 

BVZ: Der ÖFB lobt immer seine Trainerausbildung. Warum hat man dann einen Schweizer geholt, wenn alles so gut ist?

Windtner: Ich halte es für unzulässig, hier ständig den Umkehrschluss zu ziehen und die Trainerausbildung zu desavouieren. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass österreichische Trainer im Ausland zuletzt nicht reüssiert haben. Und wir müssen wissen, dass die österreichische Bühne im internationalen Vergleich nicht zum Top-Level zählt.

 

BVZ: Die OÖ-Connection mit Windtner/Ruttensteiner ist vielen ein Dorn im Auge. Warum halten Sie Ihrem Sportdirektor trotzdem so die Stange?

Windtner: Ich bin ein absoluter Gegner von Nepotismus und habe in allen meinen Funktionen bis dato immer objektive Kriterien in die Beurteilung von Leuten und Sachverhalten einfließen lassen – und nie irgendwo nur eine Spur von Egozentrismus. Was Willi Ruttensteiner betrifft, muss man sagen, und das werden seine Kritiker bestätigen, dass es an seiner fachlichen Kompetenz keine Zweifel gibt. Dass manche Verhaltensweisen angestoßen haben, liegt aber auf der Hand.

 

BVZ: Bei der Strukturreform im ÖFB sind aber trotzdem andere Köpfe gerollt. Was hat sich de facto also wirklich geändert?

Windtner: Mit der neuen Struktur im ÖFB hat sich auch der Verantwortungsbereich des Sportdirektors geändert. Natürlich liegt jetzt eine andere Gewichtung und Last auf den Schultern von Willi Ruttensteiner. Das ist eine klare Konsequenz daraus. Zudem muss ich sagen, dass diese totale personelle Veränderung im Team um das Team auch von Marcel Koller abgesegnet war.

 

BVZ: Hand aufs Herz. Marcel Koller wird es herzlich egal gewesen sein, ob der Teamarzt Ernst Schopp oder Richard Eggenhofer heißt, oder nicht?

Windtner: Das ist schon richtig – nur eines ist klar: Dass das Ganze in der letzten Zeit nicht mehr harmonisch gelaufen ist, liegt auf der Hand. Constantini hätte den Teamarzt auch getauscht.

 

BVZ: Sie sind seit drei Jahren ÖFB-Boss. Sind Sie mit Ihrer Performance zufrieden?

Windtner: Vorweg, es geht nicht um mich, und darum, dass ich mich in die erste Reihe stellen kann, sondern ausschließlich darum, dass wir im Fußball etwas weiterbringen und den Anschluss an die führenden Nationen in Europa schaffen. Wir müssen mit dem Ausnützen unserer Potenziale einen Qualitätssprung nach vorne machen.

 

BVZ: Haben Sie noch nie bereut, dass Sie den Job angenommen haben? Ihr Zögern bei der Teamchefbestellung hat ja auch ein schiefes Licht auf Ihre „Macher-Qualitäten“ als Wirtschaftskapitän geworfen?

Windtner: Das könnte man annehmen. Aber ich sage ganz ehrlich: Selbst in schwersten Stunden – und es war heuer ein schweres Jahr – habe ich immer gesagt: Es macht mir nach wie vor Spaß. Wenn einem der Wind ins Gesicht bläst, muss man daraus trotzdem Energie generieren. Ich habe mir nie leichte Aufgaben ausgesucht, auch wenn man blaue Flecken abbekommt, die nicht gerechtfertigt sind. Entscheidend ist, dass Ziel zu erreichen. Natürlich tut es nicht wohl, wenn man als „Macher“ gilt und dann in der Öffentlichkeit durch gewisse Umstände gegenteilig dargestellt wird. Da braucht man eben Durchhaltevermögen.

 

BVZ: Im Burgenland wird nächstes Jahr der neue Fußball-Präsident gewählt. Der Nachfolger von Karl Kaplan wird wohl Gerhard Milletich heißen. Was halten Sie vom Obmann des SC/ESV Parndorf?

Windtner: Natürlich bedauern wir den Abgang von Karl Kaplan, weil er noch immer ein Schwergewicht im Burgenland ist, auch wenn er nicht mehr in der Politik ist. Aber seine Entscheidung ist zu respektieren, und ich kann ihm nur sagen: Danke schön, Karl Kaplan. Dass sein potentieller Nachfolger über eine sehr große Kompetenz verfügt, hat er in seiner Karriere schon gezeigt.

 

BVZ: Wie stehen Sie eigentlich zu Lizenztransfers im Fußball?

Windtner: Der Fußball-Fan lebt von seiner emotionalen Bindung zum Klub. Und wenn sich so unberechenbare Veränderungen ergeben, ist das für die gesamte Fangemeinde sehr nachteilig. Ich tendiere gegen Lizenztransfers, weil es sonst für die Fans orientierungslos wird. Das hat sehr viel mit Identität zu tun.

 

BVZ: Was kann man tun, um junge Talente nicht den Fängen von Managern zu überlassen?

Windtner: Es gibt von der UEFA einige Überlegungen, das zu lizensieren. Derzeit läuft sehr viel in der Grauzone ab. Die Verantwortung der Spielermanager ist halt nicht sehr weitreichend, weil sie nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Nur ein Beispiel: Jimmy Hoffer zu Napoli zu transferieren ist so, wie wenn ich in Sizilien ein Geschäft anfangen müsste. Das passt nicht.

 

BVZ: Es passiert aber trotzdem.

Windtner: Kritisch wird es, wenn Manager bei laufenden Einkommen von Spielern mitschneiden. Da kommen wir schon wieder ins moderne Sklaven- und Söldnertum. Die guten Manager gehören geschützt, die faulen Äpfel aussortiert. Hier hat die Fußballergewerkschaft einen Job, der von uns auch zu akzeptieren ist.

 LESEN SIE NÄCHSTE WOCHE DAS INTERVIEW  MIT ÖFB-TEAMCHEF MARCEL KOLLER