Erstellt am 04. Mai 2011, 00:00

„Genauso besonders wie jedes andere Spiel“. CHAMPIONS LEAGUE / Über 60 Partien hat Richard Dvorak als Venue-Director absolviert – nun folgt ManU gegen Schalke.

Routinier: Richie Dvorak ist als Venue-Director ein alter Fuchs.  |  NOEN
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VON BERNHARD FENZ

Nach vier Jahren bei Chelsea ist er seit Beginn der aktuellen Champions-League-Saison für die Abwicklung der Heimspiele von Manchester United zuständig: Richard Dvorak.

Also wird er auch heute, Mittwoch (20.45 Uhr), in Old Trafford im Hintergrund die Fäden ziehen, wenn Manchester United gegen Schalke 04 nach dem 2:0 in Gelsenkirchen alle Trümpfe für den Einzug ins Finale (das im Londoner Wembley-Stadion über die Bühne gehen wird) in der Hand hat. Neuland betritt der Baumgartener durch das Semifinal-Rückspiel jedenfalls nicht. 2008, als Chelsea gegen Liverpool mit 3:2 in der Verlängerung das Endspiel erreichte (wo dann gegen Manchester im Penaltyschießen das K.o. folgte) und 2009, als Barcelona die „Blues“ mit dem Ausgleich zum 1:1 in der 93. Minute noch aus dem Bewerb kickte, saß Dvorak als verantwortlicher Venue-Director bereits gut verkabelt zwischen den Betreuerbänken.

„Die Organisation brauchst  du niemandem erklären“

Und doch schwingt die entscheidende Phase zumindest zart mit: „Ein Halbfinale hat immer einen gewissen Kitzel und ist etwas Besonderes.“ Praktisch im selben Atemzug stellt der 43-Jährige aber klar: „Letztlich ist es aber genauso besonders wie jedes andere Match – punkto Organisation macht es keinen Unterschied.“

Bislang verlief die Zusammenarbeit mit dem englischen Traditionsklub („Ein absolut sympathischer Verein, auch hinter den Kulissen“) übrigens sehr gut, wenig überraschend fand Dvorak eine optimale Struktur vor. „Du brauchst den Manchester-Verantwortlichen nicht erklären, wie sie ein Spiel organisieren müssen – schön zu sehen, wie professionell das abrennen kann. Es geht vor allem darum, reinzuhören und gemeinsam Lösungen zu finden, damit alles an die Anforderungen der Champions League angepasst wird. Ich bin ja nicht von Manchester oder Schalke, sondern primär von der UEFA für die Abwicklung verantwortlich.“

Dvorak und sein Team vertreten also die „europäischen Interessen“, eine gute Basis mit den Verantwortlichen des Klubs ist da die halbe Miete für eine reibungslose Zusammenarbeit. Passt der minutiöse Zeitplan – die Königsklasse wird als durchgeplantes Fußball-Theater auf Weltklasse-Niveau inszeniert –, hat Dvorak einen guten Job gemacht. So „einfach“ ist das – zumindest nach außen. Denn bis es am Mittwoch in der Nacht zur Abschlussbesprechung mit den Klub-Granden kommt, ist die Zu-Erledigen-Liste lang. Seit dem späten Montagnachmittag ist Dvorak vor Ort.

Lobeshymnen auf  Sir Bobby Charlton

Einem wird er dabei wohl wieder über den Weg laufen, der bereits einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat: Sir Bobby Charlton. Beim Manchester-Urgestein gerät Dvorak ins Schwärmen: „Wenn dir so eine Legende in einem Gespräch erzählt, wie wichtig die Fans für einen Klub sind, was alles getan werden muss und wenn du gleichzeitig siehst, wie bescheiden und authentisch der geblieben ist, dann ist das absolut beeindruckend. Da ist wirklich ein Hirn dahinter. Seine Einstellung und sein Auftreten sind fantastisch.“