Erstellt am 23. Dezember 2015, 05:03

von Bernhard Fenz

Gludovatz: Rieder Mission mit beinhartem Ausblick. Paul Gludovatz muss als Trainer in Ried einzig und allein den Abstieg verhindern – das war nicht immer so.

Gewachsene Beziehung: Die Sportvereinigung Ried liegt Paul Gludovatz längst so am Herzen, dass es klar für ihn war, im Sommer für die Mission Klassenerhalt zu kämpfen. Foto: Bernhard Fenz  |  NOEN, Bernhard Fenz
Paul Gludovatz und Ried, das ist ein eigenes Kapitel. Längst kann der 69-Jährige davon sprechen, in Oberösterreich heimisch zu sein. Das lag an knapp vier Jahren erfolgreicher Arbeit beim dortigen Bundesliga-Klub – der Spielvereinigung Ried – zwischen 2008 und 2012.

Hier drückte der Eberauer dem Spiel der Innviertler seinen Stempel auf, der Ex-Nachwuchs-Teamchef positionierte die Truppe, entwickelte die Mannschaft, baute Kicker auf und ein, ließ die Ansprüche steigen.

Ära Nummer zwei startete am 16. August. Da trat Gludovatz die Nachfolge des glücklosen Helgi Kolvidsson (ein Punkt nach den ersten fünf Spieltagen) an. Vergleichbar mit früher ist die Lage aber längst nicht mehr.

Neue Lage zwischen Anspruch und Realität

Das Thema Klassenerhalt ist offensichtlich omnipräsent. Die SV Ried, seit Jahren beispielhaft für eine sportlich stabile Bundesliga-Darbietung, steckt erstmals seit dem Abstieg 2003 wieder in ernsthaften Schwierigkeiten. Damals mussten sich die Oberösterreicher aus der Elite verabschieden, weil im Meisterschaftsfinish mit einem Punkt aus den letzten neun Runden die Luft ausging.

x  |  NOEN, Franz Baldauf
In dieser Saison sind die Profis gefährdet, weil sie von Beginn weg nicht auf Touren gekommen sind. Die Lücke zwischen Anspruch und Realität klafft weit auseinander. Kurzum: Die Lage in Ried ist angespannt.

Unter diesen Voraussetzungen sprang Gludovatz in Feuerwehrmann-Manier ein. Mittlerweile steht, nachdem in der Vorwoche sogar auch schon die Trennung kolportiert worden war, fest: Zumindest bis Sommer bleibt er Cheftrainer.

Allerdings kommt Gludovatz sein langjähriger Co-Trainer Gerhard Schweitzer abhanden, mit dem er perfekt harmonierte. Dieser beendet aufgrund der permanenten beruflichen Doppelbelastung Ende Jänner seine Tätigkeit. Nicht nur im Betreuerstab ist eine Umstrukturierung nötig. Auch die eine oder andere Adaptierung im Kader steht an. Gludovatz: „Zu viele Veränderungen würden aber nicht guttun – wir wollen nicht mit dem Schwert reinhauen.“

16 beinharte Partien, Start in Mattersburg

Schließlich lief es sportlich zuletzt wieder ansehnlich. Der Verein überwintert dank vier Siegen in den letzten fünf Runden als Vorletzter. Über dem Berg ist Ried trotz der aufgefetteten Herbst-Bilanz freilich noch lange nicht, nur drei Zähler trennen das Team von Schlusslicht WAC. Naheliegend also, dass Gludovatz auf ein heftiges Frühjahr vorbereitet ist: „Auf uns warten 16 beinharte Partien, dieser Aufgabe muss sich auch jeder stellen.“

Interessantes Detail: Am 6. Februar geht es zum Auftakt gleich einmal mit einem Schlüsselspiel in Mattersburg zur Sache. Der SVM kann sich da die Rieder mit drei Punkten gleich einmal vom Leib halten, auf der anderen Seite wiederum könnten die Oberösterreicher die Grün-Weißen mit einem Auswärtssieg weiter nach unten reißen.

„Durch wirkliches Nichtstun befürchte ich,
zu schnell alt zu werden.“
Paul Gludovatz kann dem Stress als Fußballtrainer
durchwegs Positives abgewinnen, auch mit 69.

Gefordert ist man beim Vorletzten ohnehin von Beginn an mächtig. Gludovatz gibt es offen zu: Die aktuelle Aufgabe in Ried sei eine seiner „größten Herausforderungen“, der er sich stelle. Der Fokus begrenzt sich hier einmal auf das Frühjahr: „Unser nächster Schritt heißt: Am 15. Mai nach der letzten Runde oben zu sein. Es gibt auch keinen Plan B für den Abstiegsfall, wir sind voll auf den Klassenerhalt fokussiert.“

Übrigens: Dass der Fußball-Experte am 10. Juni seinen 70. Geburtstag feiert und das reguläre Pensions-Antrittsalter längst hinter sich hat, hindert Gludovatz nicht daran, sich voll und ganz der dienstlichen Sache zu widmen: „Ich habe vielleicht nicht mehr jene Power, wie noch etwa vor zehn Jahren, aber ich fühle mich trotzdem gut und gebe alles.“

x  |  NOEN, BVZ


Haushalten werde der Südburgenländer mit den Kräften trotzdem nicht zu sehr, denn: „Das würde nur einen negativen Touch auf die Mannschaft übertragen.“

Also warten auf Paul Gludovatz stressreiche Zeiten in Ried, denen er durchaus Gutes abgewinnen kann. Vor seiner Rückkehr in das Profigeschäft war er im Amateurfußball bei BVZ Burgenlandligist Eberau tätig, hauptsächlich aber stand bereits das Leben als Pensionist im Vordergrund.

„Das Nichtstun und gute Buschenschanken üben zwar auch einen Reiz aus, aber da befürchte ich, zu schnell alt zu werden. Ich sehe Stress schon als etwas Positives.“ Gut so. Denn diese Einstellung ist nicht zuletzt angesichts der sportlichen Lage der Oberösterreicher wohl auch absolut nötig.