Erstellt am 20. März 2012, 11:59

Gludovatz' Ziel in Graz: "Mit weniger gleich viel erreichen". Die turbulenten Ereignisse der vergangenen Tage haben Paul Gludovatz fast noch mehr zugesetzt als die schwere Grippe in den Wochen zuvor.

Am späten Sonntagabend einigte sich der 65-Jährige mit Sturm Graz, am Montagvormittag wurde er offiziell zum künftigen Geschäftsführer der "Blackies" bestellt, kurz danach folgte die vorzeitige Trennung von der SV Ried und schließlich die Verabschiedung von der Mannschaft. "In den letzten Stunden ist ziemlich viel passiert, jetzt bin ich einfach nur geschlaucht", erklärte der Burgenländer.

Gludovatz' Vertrag in der Steiermark beginnt zwar erst am 1. Juni, so lange dürfte die Auszeit aber nicht dauern. "Wahrscheinlich wird es ab dem 1. Mai losgehen", vermutete der Burgenländer. Bis Ende März ist der frühere ÖFB-Nachwuchs-Teamchef noch Angestellter der Innviertler - deswegen befindet er sich nach eigenen Angaben auch nicht auf der Suche nach einem neuen Betreuer für Sturm.
 
"Die Trainer-Entscheidung wird schnell fallen, doch erst, wenn ich im Amt bin", betonte Gludovatz, der gemeinsam mit dem neuen Coach den Kader für die neue Saison zusammenstellen wird. "Aber dass ich mich in die tägliche Trainingsarbeit einmische, kann ich mir nicht vorstellen."
 
Auch wenn Gludovatz nicht täglich auf dem Platz zu sehen sein wird - der Nachfolger von Franco Foda muss sich an gewisse Vorgaben des designierten Geschäftsführers halten. "Ich habe alle Kompetenzen im sportlichen Bereich und kann mich in dem vom Aufsichtsrat gesteckten finanziellen Rahmen frei bewegen."
 
Allzu viel finanziellen Spielraum hat der Trainer der U20-WM-Vierten von 2007 jedoch nicht, schließlich muss der Kader reduziert werden. "Mein Ziel ist es, mit weniger gleich viel zu erreichen", betonte Gludovatz. In der kommenden Saison den Meistertitel zu erwarten, sei zu hoch gegriffen. "Aber die Teilnahme an einem internationalen Bewerb ist anzustreben."
 
   Die Pläne von Gludovatz bei Sturm gehen freilich über die Spielzeit 2012/13 hinaus. Er wünscht sich mittel- bis langfristig ein System, das von den Nachwuchs-Auswahlen bis in die Kampfmannschaft praktiziert wird, und eine Stärkung der Marke Sturm Graz. "Im Osten gibt es Rapid und Austria, im Westen Wacker Innsbruck und Salzburg, und im Süden muss das Sturm Graz abdecken."
 
   Gedanken über ein mögliches Scheitern in der Steiermark will sich Gludovatz erst gar nicht machen. "Mir ist mit Ried einiges gelungen, und ich glaube, mir wird auch mit Sturm einiges gelingen."
 
   Von seinem neuen Arbeitgeber ist Gludovatz schon seit langem beeindruckt. "Sturm Graz hat in den zweieinhalb Jahrzehnten, in denen ich ÖFB-Nachwuchstrainer war, die größten Talente und viele Spieler fürs Nationalteam hervorgebracht", erklärte der nunmehrige Ex-Ried-Coach. Ein klassischer Ausbildungsverein sei Sturm aber nicht. "Das ist der falsche Ausdruck. Wir haben auch den Anspruch, international zu spielen."