Erstellt am 07. Januar 2012, 13:06

Görgl triumphierte in Bad-Kleinkirchheim-Abfahrt. Weltmeisterin Elisabeth Görgl hat am Samstag die Weltcup-Abfahrt in Bad Kleinkirchheim gewonnen. Die 30-jährige Steirerin siegte vor der US-Amerikanerin Julia Mancuso sowie der Schweizerin Fabienne Suter. Pech hatte Kathrin Zettel, die auf dem Weg unter die Top 10 das letzte Tor nicht erwischte und ins Ziel stürzte.

Elisabeth Görgl hat den Speed-Erfolgslauf der US-Amerikanerin Lindsey Vonn und zugleich die sieglose Zeit der österreichischen Abfahrerinnen beendet. Im Zielraum der Klammer-Strecke in Bad Kleinkirchheim ließ sich die Weltmeisterin nach Bestzeit überglücklich in den Schnee fallen, denn nun ist sie auch im Weltcup in den schnellen Disziplinen eine Siegerin. Am Samstag verwies sie um 0,16 Sekunden Julia Mancuso (USA) und 0,50 Fabienne Suter (SUI) auf die weiteren Podestränge, Vonn wurde Vierte (0,55).


Der Sturm, der das Abschlusstraining verhindert hatte, war weitergezogen. Dafür brauste der Görgl-Express ungebremst über die extrem unruhige und anspruchsvolle Piste. Mit Startnummer 22 kam die Steirerin als letzte der Favoritinnen, schlug erbarmungslos zu und fügte ihrer Weltcup-Bilanz nach zwei Riesentorlauf- und einem Super-G-Sieg nun einen in der Abfahrt hinzu: "Wichtig war mir eine gute Fahrt. Sicher ist der Sieg für die Statistik super, aber es ist ganz schwierig zu gewinnen. Da muss alles zusammenpassen. Ich habe meine Möglichkeiten ausgeschöpft, das taugt mir. Ich war in meinem Element", sagte die Doppel-Weltmeisterin von 2011.

Seit Andrea Fischbacher am 28. Februar 2009 in Bansko war keine ÖSV-Läuferin in einer Weltcup-Abfahrt ganz oben gestanden. Auch in Bad Kleinkirchheim war Vonn die Rennläuferin, die es zu schlagen galt, doch laborierte diese an Magenproblemen und hatte viel körperliche Substanz verloren. "Ich habe keine Energie gehabt, die Kraft war nicht da, mein Gefühl war schlecht. Deshalb bin ich beim zweiten Tor schon fast ausgeschieden. Danach habe ich gekämpft. Man kann nicht immer schnell sein, vor allem wenn man krank ist", erklärte Vonn, die gleich nach dem Start praktisch einen Steher gehabt und zu einer sehenswerten Aufholjagd angesetzt hatte.

Österreichs Damen sind damit seit der Rückkehr aus Übersee und auf den Weltcup-Stationen Courchevel (Slalom an Marlies Schild), Flachau (Slalom an Schild), Lienz (Riesentorlauf an Anna Fenninger, Slalom an Schild) sowie Zagreb (Slalom an Schild) ungeschlagen. Es war der insgesamt siebente Saisonsieg. Im Gesamtweltcup führt Vonn mit 691 Punkten vor Schild mit 540 und Görgl mit 405. In der Abfahrt hat Vonn 250 auf dem Konto, Görgl als Zweite 171.

Die Abfahrt forderte viele Ausfälle, u.a auch jenen von Kathrin Zettel, die bei ihrem Speed-Comeback nach zwei Jahren eine bravouröse Fahrt zeigte und beim Sturz im Zielhang unverletzt blieb. Görgl indes gelang eine gute Fahrt ohne grobe Patzer. "Wahnsinn, dass mir das gelungen ist! Ich habe heute brutal gekämpft und voll attackiert. Solche Abfahrten liegen mir", sagte die 30-jährige, die bei der WM in Garmisch Partenkichen ähnlich schwierige Aufgaben zu bewältigen hatte.

Mit Andrea Fischbacher auf Platz sieben und der Trainingsschnellsten Anna Fenninger auf zehn passte auch das rot-weiß-rote Teamergebnis. Fischbacher freute sich, dass der Aufwärtstrend weiterging. "Es ging von oben bis unten zur Sache, das taugt mir. Es war so schlagig, ich habe einfach die Ski laufen lassen. Mit meiner Fahrt kann ich zufrieden sein. Im Ziel habe ich dann keinen Druck mehr auf die Ski bekommen und mich einfach fallen lassen", erzählte die Super-G-Olympiasiegerin.

"Keine innere Ruhe" gefunden hat Fenninger, die sich zwar über die vielen Fans beim Heimrennen freute, aber schon bei der Gondelbahn mit ihrer aktuellen Popularität Bekanntschaft gemacht hatte und infolge bis zum Start die vielen Zuschauer hautnah spürte. Mehr als ihr lieb war. "Ich war total aufgekratzt. Ich habe bei meiner Fahrt vieles nicht so erwischt, wie ich es wollte", sagte die 22-Jährige, die sich von der Situation sichtlich überfordert fühlte und im Zielraum Zuspruch brauchte.