Erstellt am 11. April 2015, 23:09

von APA Red

Wiesberger bei Masters weiter stark. Golfer Bernd Wiesberger agiert bei seinem Masters-Debüt weiterhin beeindruckend.

Damit hält der Oberwarter beim mit 9 Mio. Dollar dotierten ersten Saison-Major nun bei Gesamt eins unter Par. Als Führender nimmt der amerikanische Jungstar Jordan Spieth die letzte Runde ain Angriff, der Brite Justin Rose liegt als neuer Zweiter aber nur noch vier Schläge zurück.

Der neuerdings vollbärtige Wiesberger hatte sich als erster Österreicher überhaupt für das Masters qualifiziert und am Freitag als 33. und im engeren Sinn einziger Kontinentaleuropäer neben dem Spanier Sergio Garcia beim ersten Saison-Majors nach zwei Runden den Cut geschafft.

Auf der zweiten Hälfte der Runde fehlerfrei

Befreit vom Druck spielte der Burgenländer dann am "Moving Day" zum Teil groß auf und verbesserte sich um weitere acht Plätze. Mit etwas mehr Glück als auf der 16, wo ein Birdie-Putt aus einem Meter nicht fiel, wäre sogar seine erste Runde in den 60ern drin gewesen.

So gelang ihm nach Runden von 75 und 70 Schlägen erneut eine 70 und erstmals fielen auf einer Runde gleich fünf Birdies. Die "Back Nine" spielte Wiesberger fehlerfrei, die letzten zehn Löcher sogar drei unter Par.

"War natürlich perfektes Wetter zum Scoren"

"Es war natürlich perfektes Wetter zum Scoren. Über Nacht hat es geregnet, und es war windstill", erklärte der Oberwarter die idealen Bedingungen, die etwa Rose und US-Linkshänder Phil Mickelson in eine 67 sowie die im "Traumflight" spielenden Tiger Woods und Rory McIlroy in 68er-Runden ummünzten.

"Auch ich habe meine Chancen genutzt. Das ist hier besonders wichtig, denn in Augusta bekommt man nicht viele", zeigte Masters-Rookie Wiesberger immer weniger Respekt vor dem anspruchsvollen Augusta National. "In Summe bin ich daher ziemlich zufrieden."

Mit 15 Schlägen Rückstand auf Spieth lag der Reiter's Hotel Pro aus Oberwart gleichauf mit Assen wie Adam Scott oder dem zweifachen Masters-Sieger Watson, mit dem er nun am Sonntag um 18.30 Uhr MESZ die letzten 18 Löcher in Angriff nimmt.

Verwarnung kassiert: "Wir hatten unsere Hoppalas"

Probleme hatte Wiesberger am Samstag nur in zweierlei Hinsicht. Nachdem er mit zwei Birdies auf den Bahnen zwei und drei perfekt gestartet war, trat er sich auf den folgenden vier Löchern gleich drei Bogeys ein. "Das war wirklich ein schlechter Abschnitt von mir", gestand er.

Nichtsdestotrotz: "In Summe war es eine solide Runde, in der ich aus meinen Chancen etwas gemacht habe. Das ist hier sehr wichtig, weil man nicht viele bekommt", sagte Wiesberger.

Der 29-Jährige spielte zudem mit dem zwei Mal Herz transplantierten Amerikaner Erik Compton, der wie Wiesberger erstmals dabei ist. Das Duo war anfangs so langsam, dass es auf der Acht auf die Uhr kam und auf der Neun verwarnt wurde.

"Ich hatte auch etwas Probleme die Pace zu halten, weil ich manchmal schwierige Lagen hatte. Wir hatten beide unsere Hoppalas auf den ersten sieben Löchern", nahm Wiesberger einen Teil der Schuld auf sich.

"Habe mittlerweile guten Gameplan für den Platz"

Der Rückstand war rasch aufgeholt, und dann spielte der 29-Jährige die zweiten neun Löcher, die ihm trotz des berüchtigten "Amen Corner" offenbar mehr liegen, erneut ganz stark. Zu Birdies auf beiden Par-5-Bahnen hätten auch weitere Schlaggewinne kommen können.

Zumindest Bogeys blieben aber aus. Dafür musste Wiesberger aber einige Male scrambeln, einmal sogar von abseits des 17. Fairways einen grandiosen Rettungsschuss durch die Bäume auf das Grün zaubern.

"Das war einer der besten Schläge, die ich bisher bei diesem Masters gesehen habe", gab sich Wiesbergers englischer Kurzspiel-Coach Damian Taylor begeistert. "Als Debütant beim Masters gleich den Cut zu schaffen, ist phänomenal", lobte Taylor den Österreicher, der mit seiner Masters-Qualifikation österreichische Sportgeschichte geschrieben hat.

Deshalb wollte Wiesberger an der Magnolia Lane auch das Ende seines in Erfüllung gegangenen Traums gut gestalten. "Ich habe mittlerweile einen guten Gameplan für den Platz, und jede Runde hilft zu wissen, wo man hinschießen muss", fühlte er sich für die letzten 18 Löcher am Sonntag gerüstet. "Wenn ich noch eine gute Runde habe, wär ein Top-20-Platz natürlich grandios."

Kampf an der Spitze wird auch heuer zum Thriller

An der Spitze greift Spieth (21) nach seinem ersten Major-Titel. Der seit der ersten Runde führende Texaner sorgte mit 200 Schlägen nach 54 Löchern erneut für einen Masters-Rekord, zeigte am Samstag aber erstmals Nerven. Trotz sieben Birdies ging sich "nur" eine 70 aus, ein Doppelbogey auf der 17 inklusive.

Während sich die zehn Schläge zurückliegenden Woods und McIlroy auf Platz fünf steigerten und auch am Sonntag im drittletzten Flight gemeinsam spielen, sicherte sich der in Johannesburg geborene Engländer Rose mit fünf Birdies auf den letzten sechs Löchern noch den zweiten Platz im Führungs-Flight des letzten Tages. Mickelson ist fünf Schläge zurück Dritter.

Der Kampf um das berühmte "Green Jacket" beim mit 9 Mio. Dollar dotierten Turnier wird damit auch 2015 zum Thriller. "Augusta ist immer gut für Dramen auf den letzten neun Löchern", machte der 35-jährige Rose klar, dass er große Lust auf seinen zweiten Major-Titel nach den US Open im Jahr 2013 hat.

Der gejagte Leader und Vorjahres-Zweite Spieth will sich den größten Triumph seiner bisherigen Karriere aber nicht mehr nehmen lassen. "Ich versuche am Sonntag alles zu vergessen, was bisher war. Ich bin aber noch sehr weit weg vom Sieg", warnte er dennoch.