Erstellt am 26. Juli 2012, 15:48

Golf: Wiesberger überzeugt bei Lyoness Open. Die Lyoness-Golf-Open in Atzenbrugg dürfen sich auf spannende Schlusstage und einen starken Österreicher freuen. Bernd Wiesberger schoss sich am zweiten Tag mit der besten Vormittags-Runde und insgesamt 137 (71/66) Schlägen in die Top Ten.

Er war mit sieben unter Par geteilter Vierter, als die zweite Hälfte des Feldes noch auf dem Kurs war. Führender war zu diesem Zeitpunkt Wiesbergers Flightpartner und langjähriger Kumpel Thorbjörn Olesen aus Dänemark mit 132 (64/68) Schlägen.

Damit hatte zumindest einer der insgesamt 18 Österreicher im 144 Mann starken Feld die heimischen Erwartungen bei den mit einer Million Euro dotierten österreichischen Open 2012 erfüllt. Während nur noch wenige der restlichen zehn Pros und sieben ÖGV-Amateure am Donnerstag noch um den Cut kämpften, ist Wiesberger dank der starken Donnerstag-Runde nun sogar mit Siegchancen unterwegs.

Dabei hatte Tag zwei gar nicht gut begonnen für den 25-jährigen Burgenländer, der schon vor fünf Uhr früh hatte aufstehen müssen, um seine am Vortag wegen Regen und Dunkelheit abgebrochene Runde fertig zu spielen. Das Clubhaus hatte noch zu, es gab nichts zu essen, dann passierte dem Oberwarter auch noch gleich ein Doppelbogey, das er mit einem Birdie nur noch abschwächen konnte. Dazu kamen wegen des tiefen Platzes arge Schmerzen in der Achillessehne, die deshalb in der kurzen Pause gedehnt und getaped werden musste.

Als es dann um 9:10 Uhr auf die zweite Runde ging, war Wiesberger trotz des aufgekommenen, heftigen Windes aber nicht mehr zu bremsen. Sechs Birdies und kein einziger Schlagverlust sorgten bei Sonnenschein für einen perfekten Umlauf des im ferrariroten Shirt spielenden Österreichers. "Stimmt. Ich war die meiste Zeit am Gas", kommentierte dies Wiesberger lachend.

Nur der im gleichen Flight spielende, aber etwas indisponierte Titelverteidiger Kenneth Ferrie "störte" die Birdiejagd von Wiesberger und Olesen. Der Däne, der in der Vorwoche auf dem Weg zu Platz neun bei den British Open zusammen mit Superstar Tiger Woods ("Ich war supernervös wegen ihm, aber er ist sehr nett") gespielt hatte, unterstrich wie der zur Halbzeit bei neun Par unter liegende Franzose Thomas Levet ("20 unter werden zum Sieg hier notwendig sein") mit insgesamt zwölf unter Par nach zwei Tagen neuerlich seine Favoritenrolle.

Fußball-Fan Olesen ("Manchester United ist mein Favorit") verzichtet seit Jahren auf seinen eigentlichen Vornamen Jacob und wird von Freunden nur Thor ("Donnergott") gerufen. Auf dem Flug nach Wien durfte er kurz im Cockpit des AUA-Fliegers Platz nehmen, weil man ihn als Open-Star erkannt hatte. "Das war wirklich sehr nett", betonte Olesen.

Wiesberger spielt in den kommenden zwei Tagen nicht nur um den ersten Austrian-Open-Heimsieg seit Markus Brier 2006, sondern auch um seinen ersten Start bei einem Major. Die Top-100 der Weltrangliste werden zur PGA-Championship  eingeladen. Wiesberger ist aber nach einigen mageren Turnieren, deretwegen er extra auf die Open-Qualifikation verzichtet hatte, auf Platz 113 zurückgefallen.

"Ein Platz unter den ersten drei in Atzenbrugg wäre also gut, ein Sieg noch besser", war Wiesberger bewusst. Fix ist, dass er am finalen Samstag in jenem Outfit spielen wird, in dem er vor drei Monaten mit der Ballantine's Championship in Südkorea seinen Premierensieg auf der Europa-Tour und damit bisher größten Erfolg gefeiert hat.

Dieser Sieg hat ihm auch einen erstmaligen Start auf der US-Tour kommende Woche beim WGC-Event in Akron/Ohio (8,5 Mio. Dollar Dotation) eingebracht. Ob er in der Woche darauf mit der PGA-Championship auf Kiawah Island in South Carolina auch noch gleich sein erstes Major in den USA anhängen kann, entscheidet sich in den nächsten zwei Tagen in Niederösterreich. "Es hängt auch vom Wetter ab, welche Scores man für einen Sieg hier braucht. Ich denke, 16 unter Par könnten reichen", glaubt Wiesberger.