Erstellt am 18. Mai 2016, 06:34

von Bernhard Fenz

Grün-Weiß am Prüfstand. Nach der Saison ist vor der Saison: In Mattersburg soll nach dem fixierten Klassenerhalt die Profiabteilung evaluiert werden. „Wir werden uns über alles unterhalten.“

Mattersburger Jubel: Der war in den letzten neun Runden rar gesät.  |  NOEN, Martin Ivansich
Die 2:3-Pleite am Sonntag im Heimspiel gegen Absteiger Grödig drückte einer sportlich toll angelaufenen und dann im Finish fast schon grausamen Saison den finalen Stempel auf. Fazit: Der SV Mattersburg hat nach 36 Runden den Klassenerhalt geschafft – nicht mehr und nicht weniger.

„Wollen uns nicht öffentlich Gedanken machen“

Oft wird im Abstiegskampf als Vorgabe die 40-Punkte-Untergrenze angegeben, um sichergehen zu können. Der SVM holte 39 Zähler, 37 davon waren bereits nach 27 Runden fixiert. Einfache Rechnung: Die letzten neun Spieltage waren mit zwei Punkten zum Vergessen.

Dabei wäre gerade gegen Grödig ein befreites Aufspielen der Profis angebracht gewesen. Schon nach der Mittwoch-Runde unter der Woche war schließlich nach dem verdienten 1:1 in Graz der SVM-Klassenerhalt klar.

Cheftrainer Ivo Vastic: „Vielleicht hat die Mannschaft das Spiel gegen Grödig deshalb von Beginn weg zu locker genommen. Aber das ist auch eine Charakterfrage, dass sich eine Lockerheit anders auswirken muss am Platz. So funktioniert das nicht, umsonst stehen wir nicht mit 70 Gegentreffern da.“

Und nun? Die aktuelle Urlaubszeit der Profis läuft bis zum 6. Juni, parallel dazu sollen die personellen und strukturellen Weichen für 2016/2017 gestellt werden. Ivo Vastic, er selbst hat noch einen Vertrag bis Ende der nächsten Saison, über die Anforderungen für die neue Meisterschaft: „Wir werden das jetzt in Ruhe besprechen und dann gemeinsam entscheiden, wo wir ansetzen.“

Franz Lederer, Sportlicher Leiter des SV Mattersburg, will aktuell ebenfalls vorerst den internen Lauf der Dinge abwarten: „Die Philosophie ist klar: Wir wollen uns hier nicht nach außen und vor allem nicht öffentlich Gedanken machen, sondern einmal intern die Vorgangsweise festlegen und uns über alles unterhalten.“

Ungewissheit bei der Aktie Manuel Prietl

Fest stehe aber freilich sehr wohl, „dass uns Frischblut guttun würde“, so Lederer. Bedarf besteht jedenfalls, das lässt sich schon an der Statistik ablesen. Mit 70 Gegentreffern weist Mattersburg die mit Abstand schlechteste Tordifferenz der Liga auf, Stabilität in der Defensive sieht also anders aus.

Gleichzeitig war die fehlende Kaltschnäuzigkeit in der Offensive auch immer wieder ein Klotz am Bein. Apropos stabil: Das war im Frühjahr vor allem ein Spieler: Manuel Prietl. Der 24-Jährige reifte nicht nur im zentralen defensiven Mittelfeld zur absoluten Stütze heran, sondern setzte auch offensive Akzente.

Ausgerechnet sein Vertrag läuft aber Ende Juni aus. Seitens des SVM würde man den Steirer gerne auch weiterhin im grün-weißen Trikot spielen sehen. Lederer: „Wir wissen, dass er für uns ein Schlüsselspieler ist.“
Prietl selbst stellte am Montag auf Nachfrage, ob er in Mattersburg bleiben werde, oder nicht, klar: „Das sollte sich in den nächsten Tagen entscheiden.“

Rückkehr von Manuel Seidl – nur ein Gerücht?

Kolportiert wird nämlich auch ein möglicher Absprung des Steirers zu einem anderen Klub. Meister Red Bull Salzburg etwa soll schon seit einiger Zeit Interesse zeigen.

Aber auch andere Personalien müssen aufgrund der Vertragslage geklärt werden: Denn nicht nur der Kontrakt von Manuel Prietl läuft aus, gleiches gilt etwa für Alois Höller (27), Zweiergoalie Thomas Borenitsch (35) und Legionär Fran Sanchez (26).

Auf der möglichen Zugangsseite köchelt die Gerüchteküche übrigens schon ein wenig, auch wenn es von Vereinsseite freilich keine Bestätigung gibt. So wird kolportiert, dass Ex-Mittelfeldspieler Manuel Seidl (27) – von 2008 bis 2014 bei den SVM-Profis und danach beim WAC, möglicherweise ins Burgenland zurückkehren könnte.