Erstellt am 18. Januar 2012, 00:00

„Herumquälen werde ich mich aber nicht“. IM INTERVIEW / Austria-AG-Vorstand Thomas Parits über die Zukunft der Veilchen, den SVM und seine Pensions-Unlust.

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VON BERNHARD FENZ

BVZ: Mit der Ablöse von Trainer Karl Daxbacher und der Bestellung von Ivo Vastic wurde eine wesentliche Personalentscheidung getroffen. Was ist im Frühjahr drin?

Parits: Vorne ist nach wie vor alles möglich. Keine Mannschaft war so beständig, daher bleibt es auch spannend.

BVZ: Wie ist die allgemeine Stimmung nach den ersten Einheiten mit Vastic?

Parits: Natürlich sind die Spieler mit einem neuen Trainer noch motivierter, jeder will sich präsentieren, von daher ist auch eine kleine Aufbruchstimmung spürbar – wir sind bis dato sehr zufrieden.

BVZ: Die Punkteflaute kostete Daxbacher den Job. Am System scheiterte es ja nicht.

Parits: Mit der Spielanlage kann ich mich identifizieren. Das sah man beim 3:0 gegen Rapid oder beim 3:0 in der Südstadt. Auch international haben wir bewiesen, was wir können. Das alleine ist aber zu wenig. Speziell daheim haben wir zu viele Punkte hergeschenkt. Diese Schwäche, die wir bereits letzte Saison hatten, konnten wir nicht kompensieren.

BVZ: Was fehlt der Austria zu einer Meistermannschaft?

Parits: Die Konstanz. Auf Höhepunkte folgten unnötige Punkteverluste, wie etwa beim 2:2 gegen Wiener Neustadt oder beim 0:0 gegen Mattersburg. Da kann man sich nicht auf den Gegner ausreden, dass der defensiv auftritt. Uns hat da die individuelle Qualität gefehlt – du musst aus den drei, vier Chancen, die du vorfindest, eine verwerten.

BVZ: Spricht punkto Konstanz die Zeit für die Austria?

Parits: Schwer zu sagen, sieben Verträge laufen aus. Einige Spieler haben sich durch die Europa League international in die Auslage gestellt. Da wird es für uns nicht leicht sein, sie zu halten. Insofern könnte sich einiges verändern. Aber das ist das Geschäft.

BVZ: Ist die Arbeit trotzdem einfacher als zu Frank Stronachs Zeiten? Die Vereins-Identität ist schließlich stärker.

Parits: In dieser Hinsicht ja, zudem wurde eine tolle Infrastruktur geschaffen. Damals hatten wir die Akademie in Hollabrunn, die Amateure und die Kampfmannschaft haben an unterschiedlichen Plätzen trainiert, jetzt ist alles anders. Das Viersäulen-Prinzip Nachwuchs, Akademie, Amateure, Profis funktioniert. Wir sehen uns längst als Plattform für junge, talentierte Spieler – siehe Alaba, siehe Dragovic, siehe Baumgartlinger. Jetzt stehen Klein und Junuzovic vor dem Absprung.

BVZ: Der Baumgartener Lukas Rotpuller – ebenfalls ein Junger – spielte bei den Amateuren, kam oben aber nicht zum Zug und wechselte im Sommer nach Ried. Bei den Oberösterreichern ist er mittlerweile Stammspieler.

Parits: Das Problem war, dass er bei uns keine Chance hatte, oben zu spielen – fünf Innenverteidiger waren vor ihm. Du kannst nicht immer alle Talente behalten. Ich wollte ihm auch nicht die Chance verbauen, als das Rieder Angebot gekommen ist. Lukas hat sich gut entwickelt und die Rieder haben beim Leihvertrag eine Option. Wenn sie ihn nehmen, wird die Austria auch ein bisschen Geld bekommen …

BVZ: Sie sind 65 Jahre, da gehen andere Leute in Pension. Wie lange wollen Sie noch Austria-AG-Vorstand sein?

Parits: Bis 2014 läuft mein Vertrag. Ich bin körperlich gut beisammen und fühle mich gesundheitlich top. Natürlich kostet der Job Substanz – schauen wir, wie ich mich in drei Jahren noch fühle. Herumquälen werde ich mich aber nicht. Wenn ich merke, es ist mir zu viel, dann sage ich: Danke, es war schön.

BVZ: Der Ruhestand ist jedenfalls noch kein Thema.

Parits: Nein (schmunzelt). Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich jetzt daheim aufstehe und spazieren gehen. Eine Zeit lang habe ich das nach dem Ende meiner Spielerkarriere schon gemacht, aber das ist nicht meins.

BVZ: Demnach werden Sie in Ihrer Heimatgemeinde Siegendorf nicht viel unterwegs sein.

Parits: Wie soll ich das machen? Ich fahre unter der Woche in der Früh weg und komme nach Hause, um hier zu schlafen. Ein Ortsleben ist bei mir nicht drin. Und wenn am Wochenende keine Partie ist, bin ich Fernsehkonsument. Dann schaue ich mir etwa die deutschen und die österreichischen Bundesligen an. Spiele verfolge ich bergeweise.

BVZ: Das hört sich nicht nach einem stressfreien Leben an.

Parits: Das Positive an dem Job ist die Emotion. Ich mache alles gerne, die Austria ist für mich eine Herzensangelegenheit. Von daher ist es auch keine so große Belastung, man nimmt das währenddessen nicht so wahr. Zweieinhalb Jahre lang bin ich etwa jeden Tag nach St. Pölten zum Training gefahren. Jetzt denk ich mir darüber: ein Wahnsinn!

BVZ: Was denken Sie eigentlich über die Mattersburger?

Parits: Die sind sehr kompakt und gefestigt. Ich glaube nicht, dass sie mit dem Abstiegskampf etwas zu tun haben werden. Für das Burgenland ist es einfach sehr wichtig, dass eine Mannschaft ganz oben dabei ist. Anders wäre das schon ein Wahnsinn für das ganze Land – noch dazu mit dieser Infrastruktur. Du baust eine Akademie und hast dann keinen Klub oben – das wäre ja der Supergau gewesen.

BVZ: Ein Austria-Lieblingsgegner sind die Burgenländer nach dem 0:1 im Frühjahr und dem 0:0 im Herbst aber nicht mehr.

Parits: Wir haben in Mattersburg super gespielt und 4:2 gewonnen, beim 0:0 haben wir zwei Punkte hergeschenkt. Der SVM präsentiert sich gut, steht hinten drin und ist schwer zu spielen. Es liegt aber nur an uns – nicht an Mattersburg –, dass wir diese Spiele nicht gewinnen.

BVZ: Hat die Austria das Potenzial, irgendwann einmal den großen Konkurrenten Rapid zu überholen – vom Andrang, der Größe und den bundesweiten Sympathiewerten her?

Parits: Ich glaube nicht, dass uns das gelingen wird. Wir haben im Stadion mittlerweile einen Schnitt von 9300 Fans. Rapid wird aber immer mehr Zuschauer haben, das ist einmal so. Bei der Infrastruktur haben wir sicher aufgeholt, und sportlich wollen wir natürlich stärker sein.

BVZ: Welche großen Brocken stehen infrastrukturell noch an?

Parits: Ab 2015 ist die U-Bahn-Station hier. Das ist für die Austria ein Wahnsinn, davon erwarten wir einiges. Zudem wollen wir die Parkplatzsituation verbessern. Langfristig soll die Nordtribüne ausgebaut werden – wir haben immer etwas vor.

Entspannt: Thomas Parits an seinem Arbeitsplatz im Austria-Areal unmittelbar neben der Generali Arena. Der Siegendorfer scheint nach 15 Jahren Pause vom Profifußball sein Comeback nach wie vor zu genießen – wenngleich er mittlerweile auf die Funktionärsebene umgesattelt hat.BERNHARD FENZ