Erstellt am 09. Januar 2012, 11:35

Hirscher defensiv bei Rechnerei um Gesamtweltcup. Spätestens seit dem lupenreinen Sieg-Hattrick innerhalb von nur vier Tagen ist klar, dass Marcel Hirscher ein ernsthafter Kandidat auf den Gewinn des alpinen Ski-Gesamt-Weltcups 2011/12 ist.

Der 22-Jährige gibt sich zwar auf der Piste offensiv und rotzfrech, bei den Rechenspielen aber weiter defensiv. "Da fahren noch viele gute Skirennläufer den Berg hinunter, bis das ein Thema ist", so Hirscher.

Man nimmt dem Salzburger seine völlige Lockerheit und Gleichgültigkeit bezüglich Großer Kristallkugel durchaus ab. Der ÖSV-Shootingstar hat sich diese während der Zwangspause nach seinem im Februar 2011 erlittenen Kahnbeinbruch angeeignet. "Durch die Verletzung habe ich einen ziemlich guten Bezug zur Realität und ein bisschen Distanz zum Sport bekommen. Ich habe das Verbissene 'Ich muss, ich muss' abgelegt. Wenn es nicht funktioniert, bin ich trotzdem noch der gleiche Marcel", meinte Hirscher.

Auch diese Einstellung macht ihn derzeit in Slalom und Riesentorlauf zum Mann der Stunde. Und die Zahlen sprechen mittlerweile eine deutliche Sprache. Hirscher hat in seinen bisher nur zehn Saisoneinsätzen vor allem dank fünf Siegen bereits 725 Punkte gesammelt. Damit weist der Annaberger 230 Zähler Vorsprung auf den zweitplatzierten Titelverteidiger Ivica Kostelic auf. Einen derart großen Polster zu diesem Zeitpunkt der Saison hat es seit 2005 nicht mehr gegeben.

Damals führte Bode Miller nach Adelboden 298 Punkte vor Benjamin Raich, am Ende der Saison wurde der US-Amerikaner mit fast 200 Zählern Vorsprung Gesamt-Weltcup-Gewinner. Hirscher wäre der erste ÖSV-Triumphator seit Raich im Jahr 20 06. Auch Raich prophezeit Hirscher noch viele weitere Erfolge: "Unglaublich, was er leistet. Ich kann nur den Hut ziehen. Marcel ist bereits jetzt sehr erfolgreich und konstant. Er weiß, was er kann, und fährt unbekümmert drauflos. Marcel ist der Mann der Zukunft, das muss und kann man sagen."

Kampflos will der 33-jährige Raich, der lange Zeit das ÖSV-Aushängeschild war, das Feld aber nicht räumen. "Natürlich sind meine Tage gezählt und irgendwann werde ich aufhören, aber sobald wird das nicht sein. Aber Marcel wird ganz sicher schon heuer ein gewaltiges Wörtchen um den Weltcup mitplaudern."