Erstellt am 19. Oktober 2012, 10:44

Historische Chance für ÖFB-Frauen-Team im EM-Play-off. Nina Burger und Co. spielen am Sonntagabend (18.30 Uhr) in der St. Pöltner NV Arena und im Rückspiel kommende Woche in Rostov gegen Russland um ihre erste Teilnahme an einem Großereignis.

Wollen wieder jubeln. Nina Burger (Mitte, früher Neulengbach) und ihre Nationalteamkolleginnen (hier 2012 beim Sensationssieg gegen Dänemark in der St. Pöltner NV Arena).  |  NOEN, Stumpfer
Österreichs Frauen-Fußball-Nationalteam hat am Sonntag (18.30 Uhr in der NV Arena St. Pölten/live ORF Sport plus) und Donnerstag (17.00 Uhr in Rostow) eine historische Chance. In den EM-Play-off-Duellen mit Favorit Russland kämpfen Nina Burger, Lisa Makas, Laura Feiersinger und Co. um die erste Teilnahme an einem Großereignis überhaupt. Sollten die ÖFB-Frauen den Aufstieg schaffen, hätten sie auch ihren männlichen Kollegen etwas voraus, haben sich diese doch bisher auch noch nie sportlich für eine EM qualifiziert.

Die Ausgangslage ist klar. Russland geht als Weltranglisten-20. und mit der Erfahrung von drei EM-Teilnahmen (1997, 2001, 2009/jeweils Out nach der Gruppenphase) als klarer Favorit ins Rennen. Die in der Rangliste um 15 Plätze schlechter klassierte ÖFB-Truppe hat aber zuletzt mit dem sensationellen 3:1-Heimerfolg in St. Pölten gegen Dänemark zum Abschluss der Qualifikationsgruppe aufgezeigt und sich viel Respekt verschafft.

"Dänemark ist absolute Weltklasse, Russland europäische Klasse und wir haben uns im vergangenen Jahr an die europäische Klasse angenähert", meinte Teamchef Dominik Thalhammer zur Ausgangslage. Grundsätzlich könne man die jetzige Situation mit jener vor dem Dänemark-Spiel nicht vergleichen. "Damals waren wir vor dem Spiel schon fix im Play-off, jetzt geht es um die EM-Teilnahme", betonte Thalhammer.

Die Teilnahme an der EURO 2013 in Schweden (10. bis 28. Juli) wäre jedenfalls ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des heimischen Frauenfußballs. Einer wurde mit der erstmaligen Qualifikation für das Play-off schon zuletzt gesetzt. "Wir können gelassen ins Spiel gehen, da wir schon jetzt sehr viel erreicht haben", nahm Thalhammer den Druck von seiner Mannschaft. "Und für die Russen ist der Aufstieg ein Muss, für uns ein Können. Das ist ein gewisser Vorteil für uns", ergänzte der ÖFB-Coach.

Team auch auswärts zuletzt immer für Treffer gut

Insgeheim träumt der Ex-Admira-Trainer, der nach dem Tod seines Vorgängers Ernst Weber in den vergangenen eineinhalb Jahren eine starke, mit zahlreichen Legionärinnen gespickte Mannschaft geformt hat, natürlich klarerweise von der EM. "Die EURO ist unser erklärtes Ziel, das wäre ein Riesenimpuls für unseren Frauenfußball. Wir wissen aber auch, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben", meinte Thalhammer. "Wir haben eine Mannschaft, die es auch in vier Jahren noch schaffen kann."

Seit Donnerstag sind die ÖFB-Frauen in St. Pölten kaserniert, am Samstag steht noch ein Training und am Sonntagvormittag eine Aktivierungseinheit vor dem Spiel auf dem Programm. Der Gegner wurde mit Hilfe von vier DVDs genauestens analysiert, am Freitag wurden auch die Spielerinnen darüber informiert.

"Die Mannschaft ist körperlich sehr stark. Die Russinnen haben keine herausragenden Spielerinnen, dafür ist die ganze Mannschaft auf einem gleich hohen Niveau", skizzierte Thalhammer den Gegner. Schwächen konnten geortet werden, die bleiben allerdings Geheimsache. Ein Wunschergebnis ließ sich der ÖFB-Frauen-Trainer nicht entlocken. "Wir werden alles versuchen, um den Fans ein tolles Spiel zu liefern", sagte Thalhammer.

Das Rückspiel folgt vier Tage später in Rostow. Thalhammer misst beiden Partien die gleiche Bedeutung zu. "Wir haben im Rückspiel genauso unsere Chancen, zuletzt ist uns auswärts zumindest immer ein Tor gelungen", erinnerte der 42-Jährige. Tatsächlich hat die Thalhammer-Elf seit der 0:3-Niederlage in Dänemark am 22. Oktober 2011 in den folgenden vier Auswärtspartien jeweils zumindest einen Treffer erzielt und dabei neben drei Qualifikationssiegen nur eine Testniederlage gegen Spanien (1:4) kassiert.