Erstellt am 19. Februar 2014, 23:59

„Ich brenne so darauf“. Erste Liga / Der Oberdorfer SVM-Vorzeigeprofi Patrick Farkas (21) spricht über das harte Mattersburger Jahr 2013, über die Erwartungen für 2014 und über sein Wiederaufstiegs-Ziel.

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BVZ: Mit welchem Gefühl gehst du ins Frühjahr?

Patrick Farkas: Wir haben in der Vorbereitung gut gearbeitet, alle brennen darauf, einiges gutzumachen. Ich bin zuversichtlich.

Was ist deine Erklärung dafür, dass der SVM im Herbst mit Platz sechs und 21 Punkten weit hinter den Erwartungen geblieben ist?

Farkas: Die Ansprüche waren hoch, wir hatten aber Probleme damit, das Spiel zu machen. Nach dem schwachen Start sind wir unter Druck geraten. Letztlich waren zu viele Schwankungen drin, wir müssen konstanter werden.

Du bist 21 Jahre jung und hast knapp 120 Bundesliga-Spiele in den Beinen. Im Sommer kam der überraschende Abstieg mit Mattersburg: Wie schwer wog dieser Tiefschlag tatsächlich?

Farkas: Für einen Fußballer ist so etwas das Schlimmste, das man sich vorstellen kann. Gleich danach wollte ich eigentlich nur Zeit für mich und habe nachgedacht: Was passiert jetzt? Aber das Leben geht weiter. Ich bin erst 21 Jahre, habe noch so viel vor mir und noch so viele Ziele. Das alles ist längst vorbei für mich und abgehakt. Ich schaue nur noch nach vorne.

Trotzdem muss es doch immer wieder ins Gedächtnis kommen, etwa jetzt mit dem Start der Tipp3 Bundesliga. Der SVM befindet sich noch in der Vorbereitung für die Erste Liga.

Farkas: Klar geht dir das durch den Kopf, dass wir jetzt noch immer oben spielen könnten. Für mich war der Abstieg eine Riesenerfahrung. Es ist aber der richtige Ansporn. Ich habe schon zum Trainingsstart im Sommer für mich als klares Ziel definiert, dass ich wieder zurück nach oben in die Bundesliga kommen will.

Davon ist Mattersburg aktuell aber noch weit entfernt.

Farkas: Jetzt haben wir die Erste Liga kennengelernt. Im Frühjahr müssen wir einiges gutmachen – und in der nächsten Saison sollten wir dann schon voll angreifen können.

Im Optimalfall würdest du dann mit 23 Jahren wieder in der obersten Spielklasse kicken können.

Farkas: Ja. Es wäre sehr reizvoll, gemeinsam den Wiederaufstieg zu schaffen – ich habe Mattersburg viel zu verdanken. Aber mein Ziel kann es nicht sein, über Jahre hinweg in der Ersten Liga zu spielen. Deshalb hoffe ich, dass wir uns bald erfangen und dann auch angreifen.

Anders als beim SVM in der Ersten Liga bist du als Kapitän mit dem U21-Team auf einem guten Weg in der EM-Qualifikation.

Farkas: Ich brenne auch dort darauf, mich zu zeigen. In der Quali müssen wir noch vier Punkte aus drei Spielen holen, um ins Play-off einzuziehen.

Das U21-Team – eine gute Plattform am internationalen Markt? Farkas: Dort schaut dir dauernd wer auf die Füße. Aber ich habe die Teameinberufungen durch das Engagement in Mattersburg geschafft, deshalb möchte ich auch, dass wir mit dem SVM gemeinsam wieder dorthin kommen, wo wir hingehören. Vielleicht können wir wirklich in Mattersburg wieder eine neue Euphorie entfachen und mehr Leute ins Stadion bringen, wenn wir wirklich vorne mitspielen.

Und wenn sich dieses Ziel noch länger nicht in die Tat umsetzen lassen sollte? Vertraglich bist du bis 2016 ein Grün-Weißer.

Farkas: Dann will ich früher oder später schon den nächsten Schritt wagen, wenn auch der Verein dazu bereit ist und natürlich ein entsprechendes Angebot da ist.

Zukunftsmusik: Soll der Weg dann ins Ausland führen?

Farkas: Mir taugt die 2. Deutsche Bundesliga extrem. Jetzt zu sagen, ich könnte sogar noch weiter oben spielen, wäre aber freilich zu hochgezogen. Ich bin ein bodenständiger Typ, habe aber in der Bundesliga und beim U21-Team gesehen, dass ich gut mithalten kann.

Am Freitag in einer Woche ist der SV Horn zum Frühjahrs-Start im Pappelstadion zu Gast. Im Herbst siegten die Waldviertler mit 1:0. Was muss sich diesmal ändern?

Farkas: Wir müssen aggressiv in die Zweikämpfe gehen und so auftreten, dass die Gegner wissen, hier ist nicht viel zu holen. Das haben wir schon im Training gut umgesetzt – so wie du trainierst, spielst du. Das muss in unseren Kopf rein.

Am 9. September wirst du 22 Jahre, trotzdem hast du schon die Kapitänsschleife erhalten und zählst zu den Arrivierten – eine Bürde?

Farkas: Ich fühle mich in der Rolle wohl, weil ich gerne als Führungsspieler vorangehe und auch ein Vorbild sein möchte. Zu den Jungen zähle ich aber noch immer, etwa beim Tragen der Tore im Training … (lacht)

Angesichts deines Lebenslaufs wird das Tragen von Toren im Training aber kein Drama sein.

Farkas: Stimmt. Mit knapp 17 war ich 2009 im Sommer während meines Praktikums zwei Monat lang in Wien am Bau. Wir haben Lüftungen auf Decken montiert, Start war um 6 Uhr in der Früh, es war staubig und mühsam. Dazwischen war Training, dann bin ich noch einmal in die Arbeit gegangen – da habe ich schon zu denken gehabt. Ich weiß längst, was ich hier habe und dass es uns sehr gut geht. Darum brenne ich auch so darauf, dass wir es wieder ganz rauf schaffen.

Interview: Bernhard Fenz

Topmotiviert: Patrick Farkas will nach den jüngsten Tiefschlägen neu durchstarten.

Fenz