Erstellt am 22. August 2012, 00:00

„Ich denke von Jahr zu Jahr“. IM INTERVIEW / Andy Ivanschitz, Nationalspieler und Mainz-Legionär aus Baumgarten, spricht über die neue Saison, die Gelassenheit im „Alter“, seine Pläne und das A-Team.

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VON BERNHARD FENZ

BVZ: Am Samstag startet Mainz auswärts gegen Freiburg in die Deutsche Bundesliga. Mit welchen Erwartungen gegen Sie in die neue Saison?

Ivanschitz: Wir wollen als Mannschaft konstanter auf dem Niveau bleiben, das wir auch imstande sind zu spielen. Die abgelaufene Meisterschaft war mit vielen Höhen und Tiefen durchwachsen.

BVZ: 2011/2012 kamen Sie zu 26 Bundesliga-Einsätzen, 16 davon von Beginn an und 1373 Spielminuten insgesamt.

Ivanschitz: Das ist in Ordnung, vor allem auch angesichts meiner zweimonatigen Verletzungspause. Diesmal will ich die Einsatzzeit natürlich überbieten. Ich fühle mich körperlich stark, sehr frisch und bereit für schwere Aufgaben.

BVZ: Mit 28 kicken Sie nach wie vor mitten im internationalen Geschäft. Bis wann soll das noch auf diesem Niveau funktionieren?

Ivanschitz: So lange wie möglich. Natürlich macht man sich über dieses Thema Gedanken, je älter man wird. Ich denke einfach von Jahr zu Jahr und genieße die Zeit, in der ich Fußball spielen kann. Ich habe jetzt die Gelassenheit, die man mit 20 Jahren nicht so hat.

BVZ: Ist über kurz oder lang eine sportliche Rückkehr nach Österreich denkbar?

Ivanschitz: Das weiß ich nicht – ausschließen kann man das nie. Wo der Weg noch hinführen wird, hängt natürlich auch von meiner Leistung ab – wie ich mich also in dieser Saison bei Mainz präsentiere.

BVZ: Sie absolvieren die mittlerweile vierte Saison in der Karnevalsstadt. Im Juni 2013 läuft Ihr Vertrag aus. Danach ist beruflich noch alles offen?

Ivanschitz: Ja. Für mich persönlich ist schon auch der Anreiz da, vielleicht noch etwas Neues zu erleben. Die Zukunft in Mainz hängt davon ab, ob der Verein mit mir plant und wie meine Leistungen sind. Grundsätzlich fühlen wir (Anmerkung: gemeint sind Gattin Anja sowie die Kinder Ilia und Nahla) uns hier jedenfalls sehr wohl. Ich bin gerne in Mainz.

BVZ: Was wohl auch mit der Lebensqualität zusammenhängt.

Ivanschitz: Wir wohnen zehn Minuten außerhalb auf der anderen Seite des Rheins in Wiesbaden – einer schönen Stadt mit guter Lebensqualität.

BVZ: Auf Klubebene wird es für Sie in Freiburg ernst, mit dem A-Nationalteam beginnt nach dem 2:0 gegen die Türkei am 11. September die WM-Qualifikation im Happel-Stadion gegen Deutschland. Muss man die Deutschen schlagen, um eine reelle Chance auf die WM zu haben?

Ivanschitz: Nicht unbedingt. Aber es ist das erste Spiel und wir wollen daheim gut starten. Noch dazu ist die Meisterschaft für die Deutschen zu diesem Zeitpunkt noch nicht lange in Gang – das könnte ein Vorteil für uns sein.

BVZ: Würden Sie Punkte gegen die deutsche Nationalmannschaft als Bonus bewerten?

Ivanschitz: Das wäre das i-Tüpfelchen. Klar ist: Gegen Schweden, Irland, Kasachstan und die Färöer Inseln müssen wir so viele Punkte wie möglich holen.

BVZ: Spätestens nach gescheiterten Qualifikationen wird davon gesprochen, dass sich unser Team noch im Aufbau befindet, früher oder später aber die Früchte ernten wird. Wann kann das der Fall sein?

Ivanschitz: Wir haben eine sehr gute, positive Stimmung in der Mannschaft und hoch talentierte Spieler, die auch in Topligen Woche für Woche sehr gute Leistungen bringen. Jeder freut sich, dabei zu sein – das sind gute Voraussetzungen. Ich hoffe, es gelingt uns, das alles auch über eine komplette Qualifikation hinweg auf den Platz zu bringen. Man muss aber vorsichtig sein: Einfach wird es nicht, die Gruppe ist aus meiner Sicht sehr schwer.

BVZ: In der jüngeren Vergangenheit wurde öffentlich immer wieder die Kapitänsfrage gestellt, ihr Name kam auch vor. Sie trugen bis zu dem Zeitpunkt, als Sie von Ex-Teamchef Didi Constantini nicht mehr berücksichtigt wurden, jahrelang die Schleife, trotzdem: Ist das Thema nicht überbewertet?

Ivanschitz: Natürlich. Wir brauchen auf dem Platz einfach viele Führungsspieler, die Verantwortung übernehmen müssen. Das soll auch nicht nur der Kapitän erledigen, deswegen teilt sich das auf. Es freut mich einfach, jetzt wieder dabei zu sein – ich kann auch ohne die Binde eine wichtige Funktion einnehmen.

Andreas Ivanschitz blickt nicht nur mit dem FSV Mainz 05 auf die neue Saison in der Deutschen Bundesliga, sondern auch als Stütze der Nationalmannschaft mit dem A-Team auf den Start der WM-Qualifikation am 11. September gegen Deutschland.

GEPA