Erstellt am 26. Februar 2014, 10:37

„Ich fühle mich hier wie ein König“. Erste Liga / Mattersburg-Legionär Francisco Sánchez (Fran) spricht über Sprachbarrieren, sportliche Ziele und seinen neuen Klub.

Wahl-Mattersburger: Fran Sánchez ist der erste spanische Legionär beim SVM. Der 23-jährige Madrilene will sich hier einen Namen machen. Foto: Fenz  |  NOEN, Fenz

BVZ: Warum verlässt man als spanischer Profi Spanien?
Fran Sánchez: Es ist schwer, ganz nach oben zu kommen. Daher spielte ich schon zwei Jahre mit dem Gedanken, ins Ausland zu gehen. Im Sommer wollte mich mein Manager bereits nach Österreich bringen, dann war ich knapp davor, in Schottland bei Motherwell zu unterschreiben. Weil der Verein in der Europa League spielte, wollte man dann aber einen erfahreneren Spieler und es hat sich wieder zerschlagen.

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Ist es Zufall, dass Sie jetzt in Österreich gelandet sind?
Ich kenne hier einige Spieler und habe nur Gutes gehört. Jacobo von Wolfsberg ist ein Freund von mir, Abián Serrano (Anm.: Austria Klagenfurt) ebenso, Gerson (Anm.: Ex-Rapid, Ex-Kapfenberg) kenne ich von der gemeinsamen Zeit bei Atletico Madrid B. Mit ihm habe ich nach wie vor Kontakt.

Letztlich wurde es der SV Mattersburg. Direkt von Madrid in ein knapp 7.000-Einwohner-Städtchen – ein Kulturschock?
Dass es sich um eine kleine Stadt handelt, stört mich überhaupt nicht. Alles hier ist sehr familiär, jeder ist nett. In Madrid schauen die Leute eher weg, als dass sie dir helfen. Das scheint hier nicht der Fall zu sein.

„Atletico Madrid ist von der Infrastruktur her nicht so ausgestattet“

Wie sind Ihre Eindrücke nach dem ersten Monat beim SVM?
Ich fühle mich hier wie ein König – die Infrastruktur ist fantastisch. In Spanien haben vielleicht Real Madrid und Barcelona ähnliche Möglichkeiten. Sonst gibt es dieses Umfeld aber nicht.

In Form der Fußballakademie?
Ja. Atletico Madrid ist von der Infrastruktur her nicht so ausgestattet. Dort ist es gut, hier ist es aber noch sehr viel besser.

Haben Sie das gewusst?
Ich habe auch im Vorfeld mit Alberto Malagon (Anm.: Tito, von Jänner bis Juni 2013 bei Admira Wacker) gesprochen und mich informiert. Er hat mir gesagt, dass sich Mattersburg von der Klubstruktur unter den besten fünf, sechs Vereinen in Österreich befindet.

Sie sprechen kein Deutsch, nur wenig Englisch – ein Problem?
Bei mir steht Fußball an erster Stelle. Ich will mich als Spieler weiterentwickeln und bin ehrgeizig. Es hält mich nicht davon ab, ein Ziel zu erreichen, nur weil ich die Sprache nicht spreche. Daher ist das auch kein Problem für mich.

Sprachbarriere? „Wenn du ein Fußballer bist, verstehst du dich“

Ist dadurch die Integration in die Mannschaft nicht schwierig?
Nein. Die Betreuer kümmern sich hervorragend und die Mitspieler sind toll – die werden wahrscheinlich früher Spanisch können, als ich Deutsch (lacht). Ich fühle mich wirklich komplett wohl. Außerdem: Wenn du ein Fußballer bist, verstehst du dich. Das ist dann alles auch kein Problem.

Trotzdem wird das tägliche Leben hier in Mattersburg für Sie nicht immer nur völlig einfach und komplikationsfrei sein. Was geht Ihnen eigentlich ab?
Sie werden vielleicht lachen, aber: Nichts. Fußball ist für mich das Wichtigste. Wenn das passt, geht es mir gut. Und mit meiner Familie bin ich sowieso täglich über Skype in Kontakt. (Kurze Pause) Einzig meinen Kater Radi vermisse ich schon, der ist auch in Spanien geblieben.

Mit welcher spanischen Liga ist das Niveau hier vergleichbar?
Viele meiner Freunde fragen mich das. Es ist eine Mischung aus Segunda Division A und Segunda Division B (Anm.: die beiden zweiten Profiligen in Spanien).

Haben Sie mittelfristig konkrete sportliche Ziele?
In meiner Hand liegt nur, jeden Tag zu arbeiten und das Vertrauen, das in mich gesetzt wurde, zurückzugeben. Nächstes Jahr vielleicht mit Mattersburg aufsteigen, wäre ein schönes Ziel.

Interview: Bernhard Fenz
Übersetzung: Sebastian Knöbl


Zur Person

Francisco José Sánchez Rodriguez

Geboren:
8. Februar 1990

Im Juli 2011 wechselte er von seinem spanischen Klub RSD Alcalá B zu Atletico Madrid, wo er bis Sommer 2013 in der B-Mannschaft kickte. Seit Sommer war Sánchez vereinslos und hielt sich in der zweiten Liga bei einem B-Team fit.