Erstellt am 18. Juli 2012, 00:00

„Ich will keine sterile Truppe“. TIPP3 BUNDESLIGA / Mattersburg-Trainer Franz Lederer spricht über den Auftakt gegen Wiener Neustadt, über das Anforderungsprofil für die eigene Elf und über Michi Mörz.

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VON BERNHARD FENZ

BVZ: Im Vorjahr verlor der SVM das erste Saisonspiel gegen Wiener Neustadt im Pappelstadion überraschend mit 1:2. Am Samstag kommt es erneut zu diesem Auftaktduell – unter welchen Voraussetzungen?

Lederer: Wir haben diese Erfahrung hinter uns. Damals war die Erwartungshaltung extrem hoch, das hat sich vielleicht zu sehr in die Mannschaft gesetzt. Zumindest diese Komponente wird diesmal nicht greifen – alle wissen, dass in der Bundesliga jeder Gegner hundertprozentig ernst genommen werden muss.

BVZ: Zudem ist die neue Mannschaft aus Wiener Neustadt in der Meisterschaft noch eine Unbekannte.

Lederer: Das ist ein Umstand, der die Situation noch interessanter macht. Natürlich sind die Neustädter schwer einzuschätzen. Sie selbst werden wahrscheinlich auch noch nicht genau wissen, wie sie in der Meisterschaft funktionieren. In allererster Linie müssen aber wir funktionieren.

BVZ: Mattersburg peilt laut Saisonvorgabe von Präsident Martin Pucher die Plätze fünf bis sieben an: Wie wichtig ist die erste Partie in diesem Zusammenhang?

Lederer: Mit einem Punkt, besser wären drei, hast du einmal angeschrieben – auf dieser Basis kann sich eine Saison entwickeln. Aber unabhängig vom Ausgang der ersten Begegnung steht fest: Nachdenken muss man nach dem ersten Viertel der Meisterschaft: Da kann man dann sagen, wohin die Tendenz geht.

BVZ: Wird der SVM 2012 sichtbar stärker sein als im Vorjahr?

Lederer: Ja. Die Jungs sind erfahrener geworden und haben sich in vielen Bereichen weiterentwickelt. Zudem haben wir die Mannschaft ein wenig verändert, das bringt frischen Wind.

BVZ: Ried hat in den letzten Jahren bewiesen, dass es möglich ist, als Underdog sogar vorne mitzuspielen. Ein Vorbild?

Lederer: Wir haben ein Vorbild – das ist Mattersburg 2007 (dritter Platz in der Endtabelle, hinter Meister Salzburg und Ried, Anm.). Da haben wir gleich einen Traumstart hingelegt, dann ist es dahingegangen.

BVZ: Ist so ein Positiv-Szenario auch 2012 realistisch?

Lederer: Natürlich war 2007 die Mannschaft eine andere, natürlich muss alles zusammenspielen, aber so etwas ist für Mattersburg auch machbar. Das haben wir selbst bereits bewiesen.

BVZ: Auf dem Platz hat sich der SVM immer schon durch den nötigen Kampfgeist ausgezeichnet. Ist es für Sie denkbar, den Stil umzukrempeln, vorwiegend das spielerische Element zu forcieren und dadurch auch die Fans neu zu begeistern?

Lederer: Jeder will wie die spanische Nationalmannschaft oder wie Barcelona spielen. Man muss aber in der Praxis immer schauen, welches Potenzial zur Verfügung steht und wie man das dann am besten zu einer vernünftig funktionierenden Einheit formieren kann. Fakt ist, dass wir zuletzt im Frühjahr sehr wohl bewiesen haben, dass die Mannschaft Fußball spielt – und das auf keinem schlechten Niveau.

BVZ: Was ist also die optimale Mischung für Mattersburg?

Lederer: Zu unserem Fußball – davon gehe ich nie ab – gehört dazu, dass wir bis zum Schluss marschieren und eben auch die Zweikämpfe suchen. Das hat uns schon in der Vergangenheit immer ausgezeichnet. Natürlich wollen wir den Leuten schöne Kombinationen und viele Tore bieten – wie im Frühjahr beim 4:1 gegen Ried oder beim 6:3 in Innsbruck. Trotzdem gehören auch Kampf und Wucht zum Fußball. Eine sterile Truppe, die nur einen Reißbrettfußball runterzaubert, will ich nicht.

BVZ: Aktuell ist Michael Mörz mit 32 Jahren der älteste Spieler im Kader. Viele Jahre war er ein Leistungsträger, mittlerweile ist er nur noch Joker.

Lederer: Nach wie vor hat er die Möglichkeit, sich mit guten Leistungen in die erste Elf oder auf die Bank zu spielen – das versucht er auch, und das ist das Wichtigste. Der Michl ist ein erfahrener und ein reifer Spieler, aber er ist nicht schon überreif – er fängt nicht schon zu faulen an. Auch solche Kicker gibt es, die zu faulen beginnen, wenn sie nicht spielen oder wenn es für sie nicht so läuft. Das ist er nicht, da ist Mörz so charakterstark, erdig und besonnen, dass er weiß: „Das ist so, das ist jetzt mein Los und das nehme ich auch an“.

BVZ: Wie ist seine Rolle künftig definiert?

Lederer: Michl hat bei seinen Einsätzen immer versucht, das Beste daraus zu machen – etwa wie er gegen die Austria aufs Feld gekommen ist. Da war er wieder die Gelse, so wie er früher genannt wurde, weil er so auf dem Platz herumgeflogen ist, dass ihn niemand erwischt hat. Solange das der Fall ist, ist und bleibt er ein wichtiger Spieler für uns.