Erstellt am 20. Juni 2016, 13:26

von APA/Red

Ilsanker nahm ÖFB-Star Alaba in Schutz. Die Diskussionen um die Auftritte von David Alaba in den ersten beiden Fußball-EM-Spielen gegen Ungarn und Portugal haben bei dessen Nationalteam-Kollegen Stefan Ilsanker Unverständnis ausgelöst. Die Skepsis, die dem ÖFB-Star derzeit entgegengebracht wird, sorgte beim Leipzig-Legionär für Kopfschütteln.

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"Er ist der beste Spieler in Österreich seit ewigen Zeiten. Keiner kann ein Spiel alleine entscheiden", betonte Ilsanker am Montag in Mallemort. "Ich verstehe das ganze Getue und die Kritik nicht. Er hat uns mit seinen Toren überhaupt erst nach Frankreich gebracht."

Außerdem verwies Ilsanker auf Alabas Stangenschuss gegen Ungarn nach 31 Sekunden. "Wenn er da das Tor macht, jubelt das ganze Land und er wird als Messias gefeiert. Und jetzt hauen alle drauf, das ist nicht nachvollziehbar."

Eine Degradierung Alabas auf die Ersatzbank ist für den Showdown der Gruppe F am Mittwoch (18.00 Uhr/live ORF eins) gegen Ungarn trotz seiner bisher enttäuschender Leistungen äußerst unwahrscheinlich. Viel spricht dafür, dass der Wiener von der Position hinter der Solospitze , die er gegen Portugal (0:0) innehatte, wieder in eine defensivere Rolle im Zentrum zurückrückt.

In diesem Fall würde wohl Ilsanker aus der Startformation rutschen, obwohl er gegen die Portugiesen eine ansprechende Darbietung ablieferte. "Wie die Aufstellung aussieht, werden wir am Abend vor dem Spiel oder am Spieltag erfahren", gab sich der 27-Jährige in diesem Zusammenhang zurückhaltend.

Er sei auf jeden Fall überzeugt, der ÖFB-Auswahl gegen Island helfen zu können. "Ich bin ein Spieler, der körperlich gut dagegenhalten kann, darauf wird es auch ankommen. Aber alle anderen werden sich auch aufopfern", meinte Ilsanker und versprach: "Sollte ich spielen, werde ich mich voll reinhauen und alles geben."

Das war auch schon gegen Portugal der Fall - der Salzburger war gegen Cristiano Ronaldo und Co. ständig unterwegs und stopfte unermüdlich Löcher, was schließlich im Finish zu Krämpfen und seiner Auswechslung führte. "Wenn man so viel Defensivarbeit verrichten muss, ermüdet der Körper noch schneller." Mittlerweile ist Ilsanker aber wieder im Vollbesitz seiner Kräfte. "Am Schluss hat der Muskel ein bisschen zugemacht, aber das war nichts Tragisches."

Tragisch aus sportlicher Sicht könnte es werden, wenn das ÖFB-Team gegen Island nicht gewinnt und sich damit schon nach der Gruppenphase von der EM verabschiedet. An dieses Szenario will Ilsanker jedoch nicht viel Gedanken verschwenden. "Wir werden versuchen, die Isländer mit Passspiel aus der Defensive zu locken. Chancen werden wir bekommen, und die müssen wir verwerten", forderte der 17-fache ÖFB-Internationale.

Ilsanker ist auf eine enge Partie eingestellt. "Die Isländer sind brutal kompakt, sehr robust und sehr gut bei Standard-Situationen - am besten, wir lassen gar keine zu. Sie haben auch gute Einzelspieler. Das wird eine sehr schwere Aufgabe für uns", vermutete der Defensivspieler.

Allerdings hatten die Isländer am Samstag mit dem späten Gegentor zum 1:1 gegen Ungarn einen Rückschlag zu verdauen. "Ich habe die Interviews nachher gesehen, das war wie eine gefühlte Niederlage. Aber sie haben noch genauso wie wir die Chance, ins Achtelfinale zu kommen."

Tatsächlich würde dem ÖFB-Team ein Sieg über Island mit extrem großer Wahrscheinlichkeit zum Aufstieg reichen - entweder als Gruppenzweiter, wenn Portugal nicht gegen Ungarn gewinnt, oder als einer der vier besten Gruppendritten.

Als Zweiter würde am kommenden Montag in Nizza der Zweite der Gruppe B (England, Wales, Russland, Slowakei) warten. Bei einem Weiterkommen als Dritter gäbe es zwei Optionen - entweder am Sonntag in Lille gegen den Sieger aus Pool C (Deutschland, Polen oder Nordirland) oder am Samstag in Lens gegen den Ersten der Gruppe D (Spanien oder Kroatien).

Die letztere Variante ist die wahrscheinlichere, weil sich in Pool E der Dritte wohl nicht für die K.o.-Phase qualifizieren wird. Nur wenn dies der Fall wäre, würde der Dritte der Österreich-Gruppe in Lille weiterspielen.

Fix ist vorerst nur eins: Bei einem österreichischen Aufstieg als Gruppendritter steht der Achtelfinal-Gegner erst nach den letzten Partien in Gruppe E zwischen Schweden und Belgien bzw. Italien und Irland fest, die am Mittwoch drei Stunden nach dem ÖFB-Spiel gegen Island angepfiffen werden.