Erstellt am 18. Februar 2015, 06:50

Jano: Ein Allrounder auf und neben dem Platz. Mattersburg-Legionär Jano will mit dem SVM in die Tipico Bundesliga aufsteigen, hat aber daneben noch einiges Interessantes zu bieten.

Einteiler: Jano auf dem Platz. Wenn alles passt, könnte der spanische Legionär ab Sommer für einen österreichischen Oberhausklub tätig sein. Der SV Mattersburg liegt aktuell einen Punkt hinter Leader LASK auf Platz zwei. Foto: Bernhard Fenz  |  NOEN, Bernhard Fenz
In der breiten Öffentlichkeit ist er seit Sommer 2014 die Nummer zehn des SV Mattersburg, der im Spielaufbau die Fäden zieht: Alejandro Velasco Farinas.

Österreich statt Spanien oder Schottland

Genannt wird der vielseitige 28-Jährige von allen aber lediglich Jano. „So heiße ich seit meiner Kindheit. Wenn jemand Alejandro sagt, habe ich gar keine Ahnung, wer gemeint ist,“ stellt der Mittelfeldspieler schmunzelnd klar.

Längst ist es kein Problem mehr, mit ihm locker auf Deutsch zu plaudern, die Sprachbarriere hat der Kicker schon während seiner Zeit beim SKN St. Pölten – seiner ersten Auslands-Station – im Lauf der knapp zweieinhalb Jahre von Jänner 2012 bis Sommer 2014 durchbrochen.

Damals entschied er sich übrigens für den Abschied aus Spanien, weil der persönliche Aufstieg von der dritten und vierten Liga nach oben sehr schwer bis unmöglich war. „Ich habe ein neues Gefühl, eine neue Herausforderung, gebraucht, da hat mich mein Manager nach Österreich zu St. Pölten vermittelt.“ Auch Schottland sei eine Alternative gewesen, Rot-Weiß-Rot war dann aber doch konkreter.

Erster Eindruck: Fremde Umgebung, -15 Grad

Schwer sei die Zeit damals, wie sich Jano zurückerinnert, nur gleich zu Beginn seines neuen Lebensabschnitts gewesen: „In der ersten Woche hatte es minus 15 Grad, ich habe noch dazu nichts verstanden, das alles war schwer.“

Hinzu kam der erst zu verdauende Tapeten-Wechsel von der 3,2 Millionen-Metropole Madrid nach St. Pölten mit seinen gut 50.000 Einwohnern. Das alles ist aber längst Schnee von gestern, noch dazu fand sich Jano sportlich rasch bestens ein.

In Spanien als Stürmer tätig („Ich habe zu wenig Tore geschossen“), wurde er in der Alpenrepublik im zentralen Mittelfeld eingesetzt – „das war von Beginn an super für mich und hat gepasst. Der damalige Trainer Martin Scherb hat mich im 4-4-2 in der Mitte eingesetzt, unter seinem Nachfolger Gerald Baumgartner habe ich im 4-1-4-1 den Part vor der Abwehr gespielt. Das ist, glaube ich, meine stärkste Position“.

„Ziel ist, bis Sommer den Aufstieg zu schaffen“

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Trotzdem folgte im Sommer dann der Transfer zum SVM, wo der Madrilene seitdem eine wesentliche Stütze ist und so wie seine Mitspieler einen klaren Plan verfolgt: „Ziel ist, bis zum Sommer den Aufstieg zu schaffen. Erst dann kann man über die weitere Zukunft sprechen. Mitte der Herbstsaison war der Abstand zum LASK noch größer, jetzt haben wir mit einem Punkt Rückstand gute Chancen. Dass es schwer wird, wissen wir, aber wir glauben alle daran.“

Apropos LASK: Gegen die Linzer scheiterte der Fußball-Mattersburger beim direkten Duell Mitte Oktober im Pappelstadion (0:1) in der Nachspielzeit an Goalie Pervan aus einem (an sich gut geschossenen) Elfmeter. Längst ist das vergessen, Janos Devise: „Ich denke da gar nicht lange über solche Dinge nach. Jeder macht Fehler. Wichtig ist, weiterzugehen, es wieder zu versuchen und dann besser zu machen.“

Das Gesamtpaket beim SV Mattersburg stimme jedenfalls. Der Legionär pendelt im Zuge einer grün-weißen Fahrgemeinschaft mit weiteren Kollegen täglich von Wien aus zu seinem Arbeitsplatz – der Fußballakademie. Die Millionenstadt zum Abschalten, der burgenländischen Fußballnabel für die Arbeit, das passt.

Vielseitig: Zauberei, DJ, Fitness-Studio …

Übrigens: Der Fußball hat im Leben des vielseitigen Spaniers auch einmal Pause, Jano nutzt(e) seine Zeit mehrschichtig. Noch in Madrid schloss er sein Wirtschaftsstudium ab, beruflich war er ganz nebenbei auch als Zauberer tätig. „Mit zehn Jahren habe ich einen Zauberkasten bekommen, es hat mir gefallen und ich bin immer besser geworden. Erst war es ein Hobby, dann ein Beruf.“

Mittlerweile präsentiert Jano den staunenden Kollegen („Sie haben keine Ahnung, wie es geht, und ich verrate auch nichts.“) die Kartentricks – auf die er sich spezialisiert hat – wieder nur hobbymäßig. Seine neue Leidenschaft ist die Tätigkeit als DJ, in deren Zuge er sich in seiner Wohnung im sechsten Wiener Bezirk bei diversen Mixes weiterentwickelt.

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Wenn es am aktuellen Leben in Österreich übrigens einen Nachteil gibt, dann ist es die fehlende Familie. „Die ist in Madrid geblieben, ebenso wie meine Freundin. Es war meine Entscheidung, wegzugehen. Aber nach drei Jahren wirkt es so, wie wenn in dieser Hinsicht jeder Tag ein bisschen schwieriger wird.“

Irgendwann werde er seine Leute, die ihn dann und wann für ein paar Tage besuchen, aber ohnehin wieder daheim in Madrid sehen, wo Jano übrigens auch ein Fitness-Studio gehört.

Noch ist die Mission hier in Österreich aber nicht beendet. Zumindest bis Sommer 2016 läuft der Vertrag mit dem SVM, alleine das ist eine lange Zeit, wenn man sie professionell aufbereitet und in kleinen Portionen betrachtet. Denn wie heißt es auch bei Jano so schön: „Wir schauen nur von Spiel zu Spiel…“

Infos/Schmankerl:

  • Alejandro Velasco Farinas

  • Gängiger Name: Jano

  • Geboren: 23. Dezember 1986

  • Aufgewachsen in Madrid

  • Jano ist Fan von Real Madrid – seit Zinedine Zidane. „Er ist mein Idol.“ Innerhalb der Familie ist, obwohl in Madrid lebend, auch ein anderer Klub allgegenwärtig. „Die Mannschaft meines Vaters ist Barcelona …“

  • Janos Stationen in Spanien waren unter anderem Leganes, Puerta Bonita oder die B-Mannschaft von Rayo Vallecano – mit der ihm auch der Aufstieg von der vierten in die dritte Liga gelang.

  • Janos Profi-Laufbahn hätte übrigens auch in eine andere Sportrichtung gehen können, wie er erzählt: „Ich war sehr gut im Tennis und musste mich dann mit 17 Jahren entscheiden.“ Letztlich wurde es der große runde Ball.