Erstellt am 19. Februar 2012, 12:39

Jubiläums-Derby als Langweiler. Das 300. Duell zwischen Rapid und der Austria wird keinen Ehrenplatz in der mehr als hundertjährigen Derby-Geschichte einnehmen.

Die Jubiläumsausgabe am Samstagabend im Ernst-Happel-Stadion avancierte zu einem torlosen Langweiler auf teilweise erschreckend schwachem Niveau. "Das war kein fußballerischer Leckerbissen", analysierte Austrias Kapitän Manuel Ortlechner treffend.

Die Besonderheit des 300ers dürfte auf jeden Fall kein Hemmschuh für die Akteure gewesen sein. "Das war mir so egal, wie ob es am Sonntag bei der Mama Schnitzel oder Faschiertes gibt", stellte Rapid-Verteidiger Markus Katzer klar. Genauso klare Worte fand Katzer auch über die fußballerische Qualität der Partie: "Das Spiel war teilweise katastrophal."

Sein Trainer Peter Schöttel sah vor allem den von der Austria angemischten Abwehrbeton als Spielverderber: "Ich war überrascht, wie wenig sich die Austria am Spiel beteiligt hat." Als einen Faktor für das fehlende Selbstvertrauen mancher Rapid-Akteure nannte Schöttel allerdings die alles andere als derbywürdige Atmosphäre, die durch den Stimmungs-Boykott des harten Kerns der grün-weißen Fans entstand.

Nicht nur aufgrund des schwelenden Konflikts mit den Fans ist in Hütteldorf trotz Platz eins nicht alles eitel Wonne - sondern auch aus sportlichen Gründen. Denn die Grün-Weißen sind zwar mittlerweile elf Ligaspiele ohne Niederlage, in dieser Bilanz verstecken sich aber gleich sieben Remis und nicht weniger als vier 0:0 in den jüngsten fünf Partien. Es war übrigens das erste Derby-0:0 seit 25. November 2007.

Austria-Trainer Ivica Vastic hat gute Argumente für das konsequente Defensivkonzept. "Wir hatten einen schwierigen Winter, in dem viele Spieler gegangen und gekommen sind. Und wir hatten nicht viel Zeit", erklärte Vastic, warum er derzeit eine Art Schadensbegrenzung betreiben lässt. Deshalb machte er auch einen deutlich zufriedener Eindruck als sein Gegenüber Schöttel. "Im Grund bin ich mit der Leistung und dem Punkt sehr zufrieden. Wir haben gewusst, dass Rapid im Konter Stärken hat, deshalb wollten wir ihnen keine Räume anbieten."