Erstellt am 31. Juli 2012, 16:38

Judoka Drexler in zweiter Runde gescheitert. Sie kennen einander zu gut. Die Israelin Alice Schlesinger nützte die Schwächen von Hilde Drexler beinhart aus und warf die Wienerin am Mittwoch in der zweiten Runde des olympischen Judoturniers der Gewichtsklasse bis 63 Kilogramm aus dem Bewerb.

Erstmals seit den Spielen von Sydney im Jahr 2000 bleibt Österreich damit im Judo ohne Edelmetall. Drexler war den Freudentränen nahe, endlich auf die olympische Matte in der ExCeL-Arena zu dürfen. "Ich bin so begeistert von Olympia, so überwältigt. Ich wollte nicht nervös sein, war es aber allein schon beim Zuschauen. Mir sind heute in der Früh fast die Tränen gekommen. Ich mache sicher bis Rio 2016 weiter", sagte die 28-Jährige, die ihre Karriere schon einmal für zwei Jahre unterbrochen hatte, ehe sie neue Motivation fand und einen Riesenschritt machte. EM-Bronze 2011 war der bisher größer Erfolg.

Die Österreicherin besiegte am Dienstag zum Auftakt Rizlen Zouak aus Marokko mit einer Yuko-Wertung im allerletzten Angriff. "Sie hat mich einmal so erwischt, dass ich die Sterne gesehen habe", meinte Drexler. "Sie ist sehr unangenehm, geht sehr stark zum Körper. Ich wusste, ich darf sie nicht zum Körper lassen, muss sie bewegen, damit sie müde wird. Und wenn ich sehe, sie bricht ein, offensiver werden. Das ist wunderbar aufgegangen."

Ein anderes Kaliber war Schlesinger, die im Judolager eine der besten Freundinnen von Drexler ist. "Es ist mir zum Verhängnis geworden, dass sie mich so gut kennt. Sie weiß, dass ich mich von aggressiveren Gegnern einschüchtern lasse. Leider habe ich das dann auch. Sie hat geschlagen, geschupft, mich zu Boden gerissen. Ich wusste, das ist nur ihre Taktik. Und ich bin dann im Kampf noch aufgewacht, habe mehr Gas gegeben, ging aus mir raus, aber es war zu spät."

Gegen Schlesinger hat sie bereits sechsmal gewonnen und zuletzt nun zweimal in Folge verloren. "Ärgerlich ist, dass ich nur mit einer Yuko-Wertung verloren habe. Wenn man mit Ippon verliert, ist es eh völlig okay." Auch wenn die Enttäuschung natürlich da sei, so könne sie doch zuversichtlich in die Zukunft schauen.