Erstellt am 07. Mai 2012, 11:42

Jungwirth-Prozess: Ex-ÖOC-General stritt alles ab. Der langjährige Generalsekretär des ÖOC, Heinz Jungwirth, hat sich am Montag beim Auftakt seines Untreue-Prozesses "nicht schuldig" bekannt.

Sein Verteidiger Herbert Eichenseder sagte, die Behauptungen der Anklagebehörden "stimmen einfach nicht", so der Anwalt. Jungwirt selbst begleitete im Wiener Straflandesgericht die Ausführungen von Staatsanwalt Andreas Allex mit demonstrativem Kopfschütteln.

Laut Anklage soll Jungwirth zwischen Anfang 2003 und Februar 2009 von ÖOC-Konten persönlich mit Hilfe seiner langjährigen Stellvertreterin, der mitangeklagten Manuela K., und des abgesondert verfolgten ehemaligen ÖOC-Kassiers Lothar Scheer 2,78 Mio. bar behoben bzw. auf seine Konten transferiert und für private Zwecke verwendet haben. Weitere 357.000 Euro sollen durch von Manuela K. vorgenommene und Jungwirth gegengezeichnete Überweisungen in den Besitz des mächtigen Sportfunktionärs gelangt sein.

Diese Vorgänge seien teilweise durch Pro-Forma-Rechnungen verschleiert worden, führte Staatsanwalt Andreas Allex aus. Insgesamt 3,5 Mio. Euro wurden dem Ankläger zufolge auf einem "Schwarzgeldkonto" des ÖOC geparkt. Jungwirths Rechtsbeistand konterte, sein Mandant sei beim ÖOC "für alles zuständig" gewesen und entsprechend bezahlt worden.

Der mittlerweile 60-jährige Jungwirth war seit 1982 als Generalsekretär beim ÖOC tätig. Sein Vater sei nicht glücklich gewesen, als er damals seine Lehrer-Karriere zugunsten des ÖOC aufgab, schilderte Jungwirth zu Beginn seiner Einvernahme: "Er hat gemeint 'Ich hab dich was lernen lassen und du gehst zu so einem windigen Verein!'"

Jungwirth räumte unumwunden ein, das ÖOC habe bei der Abwicklung der finanziellen Angelegenheiten nicht den Statuten entsprochen. "Das hat der Präsident so verfügt", berief sich Jungwirth dabei auf Ex-ÖOC-Präsident Leo Wallner. Überhaupt habe Wallner ihm in budgetären Belangen freie Hand gelassen. Wann es etwa um den finanziellen Rahmen bei der Errichtung eines "Österreich-Hauses" bei Olympischen Spielen ging, habe Wallner lediglich "Was fragst mi? Gut muss es sein!" vorgegeben.