Erstellt am 25. Mai 2016, 00:24

von Bernhard Fenz

Kein Erdrutsch nach dem Purbacher Ausstieg. Der UFC Purbach wird die BVZ Burgenlandliga freiwillig verlassen. Die BVZ fragte nach: Weitere Klubs folgen nicht.

Veränderung: Der UFC Purbach wird sich sportlich sowie wirtschaftlich neu orientieren und verabschiedet sich aus der Liga.  |  NOEN, Foto: Sigrid Janisch
Seit Freitagabend steht fest: Der UFC Purbach, aktuell Vierter der BVZ Burgenlandliga, wird zwar nicht den Spielbetrieb einstellen, aber mit Saisonende von der Karte der höchsten Liga des Landes verschwinden. Obmann Harald Neumayer, der gleichzeitig auch Sponsor ist, zieht sich zurück.

Die Auflagen seitens der Finanz und Gebietskrankenkasse und die Einführung der Registrierkasse veranlassten den Boss, einen Schlusstrich zu ziehen – obwohl der UFC in dieser Saison sogar die Chance auf den Ostliga-Aufstieg hätte.

Also müssen fortan kleinere Brötchen gebacken werden. Neo-Nachfolger Hermann Scheweck und sein Team wollen künftig tiefer spielen – wirtschaftlich sei die 2. Klasse Nord das Beste, rein sportlich könnte es dann aber doch die 1. Klasse Nord oder die 2. Liga werden. Das gilt es seitens des Burgenländischen Fußballverbands noch zu entscheiden.

SC Neusiedl: Im Fall des Falles nicht ganz runter

BFV-Sekretär Karl Schmidt zum nötigen Purbach-Prozedere: „Der Verein muss einen Antrag um Versetzung in eine andere Klasse stellen. Dann entscheidet der Vorstand, wo der Klub künftig spielen wird.“

Eine Liga höher besag(t)en die Gerüchte, der abstiegsbedrohte SC Neusiedl werde in der 2. Klasse einen Neuanfang wagen. Clubmanager Lukas Stranz: „Abgesehen davon, dass wir auf jeden Fall in der Regionalliga bleiben wollen, würden wir sicher in der BVZ Burgenlandliga weiterspielen.“ Die Möglichkeit, ganz runter zu gehen, habe man kurz angedacht, „aber rasch wieder verworfen“. Finanziell zahlen die Seestädter laut Stranz jährlich 60.000 Euro an Schulden zurück. „Wir sind auf einem guten Weg. Die Summe ist der Grund, warum wir auch am Spielersektor kürzertreten.“

Ostliga-Schlusslicht Oberwart war zuletzt in den Schlagzeilen, weil die Spieler aufgrund ausstehender Gelder dem Training fernblieben. Mittlerweile hat sich die Lage wieder beruhigt, Obmann Michael Leitgeb sagt: „Wir müssen sehen, dass wir die Altlasten wegbringen und den Betrieb in der neuen Saison mit einem kleineren Budget durchziehen.“ Eine etwaige Spielbetriebseinstellung sei aber „überhaupt kein Thema“.



Zurück zur BVZ Burgenlandliga. Hier zeigt sich die Lage bei den Klubs abseits des UFC Purbach stabil und ruhig. Keiner der Vereine (vor zwei Jahren stellte Baumgarten den Spielbetrieb ein) wird sich – außer eventuell am sportlichen Weg – verabschieden oder droht grundsätzlich aufzugeben. Beim SV Wimpassing stellt Obmann Richard Lochar für die übernächste Saison (2017/2018) eine mögliche Veränderung in den Raum: „Bis zur 90-Jahr-Feier im September mache ich weiter, danach ist alles offen. Wenn sich nicht mehr Leute finden, die beim Verein mit anpacken, müssen wir das Ganze überdenken.“

Gerüchteweise tauchte zuletzt überraschend der Name Pinkafeld auf. Obmann Karl Hirt: „Da hat uns irgendwer wohl mit Purbach verwechselt. Wir wurden zwar geprüft, haben aber im Prinzip alles im Griff und sind auch wirtschaftlich auf dem richtigen Weg.“

„Ich ziehe meinen Hut vor Harry Neumayer“

Und es gibt sogar auch Fälle, wo investiert wird, Stichwort Eltendorf. Dort stieg Mäzen Willi Goldschmidt ein, laut Pressesprecher Sigi Prader sind ausreichend Funktionäre vorhanden und die Finanzen passen: „Für die nächsten beiden Jahre steht der Ausbau der Infrastruktur an. Für den Bau der neuen Kabine und einen neuen Trainingsplatz sind 850.000 Euro veranschlagt.“

Respekt zollte übrigens Neuberg-Obmann Martin Konrad dem Abgang von Purbach-Obmann Harry Neumayer: „Ich ziehe den Hut vor ihm, der schon zuvor sagte, dass er aufhört, wenn die Registrierkasse kommt. Leider gibt es zu wenig solcher Persönlichkeiten. Wenn das mehr Vereine machen und ein Zeichen an die Politik senden würden, wäre das vielleicht der richtige Schritt.“

Die sportliche Abstiegslage

  • Regionalliga Ost. Zwei Klubs müssen runter. Warum? Sollenau steigt freiwillig aus, Traiskirchen (1. Landesliga/NÖ) nimmt aber im Tausch diesen Platz ein. Der FAC schafft nach dem Grödiger Erste Liga-Verzicht und dem Austria Salzburg-Aus eine Liga drüber den Klassenerhalt am grünen Tisch – und Horn steigt direkt auf.

  • BVZ Burgenlandliga. Fest steht, dass die Liga laut gültigem Beschluss von 17 auf 16 Vereine reduziert wird, dass es aber nicht mehr als vier Absteiger gibt. Wenn sich Purbach (wie angekündigt) fristgerecht zurückzieht, wird der Klub an die letzte Stelle gereiht. Erst dann werden Auf- und Abstieg durchgeführt, weshalb sich die Zahl der sportlichen Absteiger verringert. Zwei oder ein Ostliga-Absteiger bedeuten dann also drei „echte“ Absteiger aus der BVZ Burgenlandliga neben Purbach. Aber Vorsicht! Sollten die SVM Amateure noch Platz eins erringen, müssen die Amas Relegation gegen das schlechteste Ostliga-Amateurteam spielen, der nächstplatzierte Nichtamateurverein hätte aber dann fixes Aufstiegsrecht. Im Optimalfall würde das zwei Aufsteiger aus der BVZ Burgenlandliga bedeuten – sollte es gleichzeitig nicht mehr als einen Absteiger aus der Ostliga geben, müssten dann aus der BVZ Burgenlandliga nur zwei Teams neben Purbach runter.