Erstellt am 30. Oktober 2013, 13:25

Koller bleibt zumindest bis Ende 2015 ÖFB-Teamchef. Der Schweizer Marcel Koller bleibt dem Österreichischen Fußballbund (ÖFB) erhalten und zumindest bis Ende 2015 Teamchef der Nationalmannschaft. Das gab der ÖFB am Mittwoch bekannt.

Das Tauziehen um Marcel Koller hat für den Österreichischen Fußball-Bund ein positives Ende genommen: Der Schweizer entschied sich für einen Verbleib als ÖFB-Teamchef und gegen ein Engagement als Nationaltrainer in seiner Heimat, wo Ottmar Hitzfeld sein Amt nach der WM in Brasilien niederlegt.

Kollers neuer Vertrag läuft bis Ende 2015 mit Verlängerungsoption. Koller hatte zuletzt nach dem Scheitern mit Österreich in der WM-Qualifikation für 2014 auch mit der Schweiz verhandelt.

"Schwierigste Entscheidung in meiner Fußball-Karriere, will Weg weiterführen"

Der ÖFB besiegelte am Mittwochvormittag die weitere Zusammenarbeit auf zumindest zwei weitere Jahre mit dem 52-Jährigen. Kollers alter Vertrag wäre mit Jahresende ausgelaufen, der neue Kontrakt läuft bis Dezember 2015 mit einer automatischen Verlängerung bis nach der EM 2016 in Frankreich im Falle einer erfolgreichen Qualifikation des ÖFB-Teams.



"Dies war, auf den Fußball bezogen, die schwierigste Entscheidung, welche ich in meiner Karriere treffen musste", gab Koller in einer Verbandsaussendung zu. Die Entscheidung für den ÖFB erfolgte aus einem ganz einfachen Grund. "Ich habe vor zwei Jahren dieses Projekt beim ÖFB begonnen und ich will es weiterführen", erklärte Österreichs Teamchef, der seit November 2011 im Amt ist.

Rotweißroter Verbandschef zeigte sich hocherfreut: "Der ÖFB steht für Kontinuität"

ÖFB-Präsident Leo Windtner, der am Sonntag noch von einer 50:50-Chance für einen Verbleib des Trainers gesprochen hatte, war hocherfreut. "Ich bin sehr froh, dass die Entscheidung für den Weg mit Marcel Koller gefallen ist. Der ÖFB steht für Kontinuität und diese ist mit dieser Entscheidung des alten und neuen Teamchefs gegeben", meinte der Verbandschef. Diese Entwicklung sei für die Mannschaft, den ÖFB und auch die Fans sehr positiv.

"Wir werden mit voller Kraft die Qualifikation für das nächste Großereignis in Frankreich angehen und ich bin überzeugt, dass dieses Team unter seiner professionellen Führung sehr gute Chancen hat, die nächste EM Endrunde zu erreichen", blickte Windtner optimistisch in die Zukunft.

Spieler hatten sich bereits rund um das letzte Quali-Match für Koller eingesetzt

Große Freude herrschte auch bei den Spielern. Welch hohe Meinung die ÖFB-Internationalen von Koller haben, zeigte sich schon rund um das Färöer-Match vor zwei Wochen, als ein Abgang des Schweizers noch wahrscheinlich schien. Schon damals meinten etwa Christian Fuchs und Martin Harnik, ein Abschied Kollers wäre "fatal", man müsse in diesem Fall wieder bei Null beginnen.

Dieses Szenario bleibt dem ÖFB nun erspart, weil sich Koller gegen einen wohl besser dotierten Vertrag bei der Nummer sieben der Weltrangliste und für die Nummer 53 im FIFA-Ranking entschied. Beim Amtsantritt des ehemaligen Schweizer Teamspielers im November 2011 war Österreich noch um 18 Ränge schlechter klassiert.

Engagiert: Oft 50-Stunden-Wochen im ÖFB-Büro, danach noch Beobachtungstouren

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger legte sich der Schweizer schnell auf einen Stamm fest, Änderungen im Teamkader gab es zumeist nur wegen Verletzungen und Sperren. Dies brachte den Vorteil, dass die Spieler genau über Kollers Vorstellungen bescheid wussten, allerdings auch den Nachteil einer mangelnden "Durchlüftung" durch frische Kräfte.

Diesen Umstand führte Koller selbst als möglichen Grund für das Verpassen des WM-Play-offs an - ebenso wie die Tatsache, zu wenig Zeit zum Arbeiten mit der Mannschaft zu haben.

Dennoch spulte Koller sehr oft 50-Stunden-Wochen im ÖFB-Büro ab. Danach ging es am Wochenende auf Beobachtungstour in österreichische und vor allem deutsche Stadien. Auch durch dieses Arbeitsethos wurde Koller für den Schweizer Verband oder den 1. FC Nürnberg interessant und schaffte, was nur sehr wenigen vor ihm gelang - seinen Marktwert während der Zeit als österreichischer Teamchef zu steigern.

Vertragsverlängerung nach langem Hin und Her: Freude über Fortsetzung des Koller-Wegs oder wäre doch ein neuer Teamchef besser gewesen?
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Lesen Sie weiter: Die Stimmen und Reaktionen zur Vertragsverlängerung von Teamchef Marcel Koller



Stimmen und Reaktionen zur Vertragsverlängerung von Teamchef Marcel Koller:

Andreas Ivanschitz (Teamspieler aus Baumgarten, auf Twitter): "Gute Nachricht vom ÖFB: Teamchef Marcel Koller bleibt uns erhalten und wir wollen uns gemeinsam für die Euro 2016 qualifizieren!"

Marc Janko (Teamspieler auf Twitter): "Good news from ÖFB...HAPPY!"

Sebastian Prödl (Teamspieler): "Nicht nur ich und die Spieler, ganz Österreich hat Grund zur Freude. Das ist eine wichtige und gute Entscheidung für unseren Fußball. Ich bin positiv überrascht. Er hätte Teamchef in der Heimat werden können und hat sich für Österreich entschieden, dass muss man ihm hoch anrechnen."

György Garics (Teamspieler): "Ich bin sehr erfreut über die Verlängerung und ich denke, ich kann im Namen des ganzen Teams sprechen. Jetzt heißt es, die Arbeit fortzusetzen und die Früchte in zwei Jahren zu ernten."

Robert Almer (Teamspieler): "Ich freue mich sehr, dass er verlängert hat. Er hätte Teamchef in seiner Heimat werden können - da kann man es gar nicht hoch genug einschätzen, dass er sich für Österreich entschieden hat. Jeder Spieler hat immer gehofft, dass er bei uns bleibt und wir den Weg miteinander weitergehen."

Aleksandar Dragovic (Teamspieler): "Ich freue mich riesig, dass Koller verlängert hat. Jetzt können wir vollenden, was wir aufgebaut haben. Der ÖFB hat sehr gute Arbeit geleistet. Ich hoffe auch, dass wir Spieler einen Beitrag dazu geleistet haben, dass er geblieben ist."

Herbert Prohaska (Ex-Teamchef): "Es ist gut, dass er bleibt. Das haben eigentlich alle wollen. Das Geplänkel zuletzt war aber ein bisschen unnötig, auch wenn es heutzutage dazugehört. Alle haben einen Manager und die haben die Aufgabe einen besseren Vertrag herauszuholen. Es wäre nicht einfach gewesen, jetzt wieder einen neuen Teamchef aus dem Hut zu zaubern. Ich hätte eher damit gerechnet, da ihn auch die Schweiz wollte, dass er dorthin geht. Das hätte man auch akzeptieren müssen."

Josef Hickersberger (Ex-Teamchef): "Für mich persönlich war es schon überraschend. Ich glaube, der österreichische Fußball kann sehr froh und glücklich sein, dass sich Marcel Koller für eine Fortsetzung seiner Arbeit entschieden hat. Und das, obwohl er das Angebot gehabt hat, Teamchef in seiner Heimat zu werden. Das zeigt, dass die Zusammenarbeit mit dem ÖFB genauso wie die Qualität der Mannschaft gut ist und die Zukunftsaussichten für die nächste EM sehr hoch sind. Die Mannschaft kann jetzt kontinuierlich weiterarbeiten, das kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Die WM-Qualifikation ist zwar nicht nach Wunsch verlaufen, die Mannschaft hat aber Fortschritte gemacht und in der ersten Hälfte auswärts gegen Schweden gezeigt, dass sie das Potenzial hat, an einer EM oder WM teilzunehmen."

Peter Stadelmann (Delegierter des Schweizer Nationalteams auf der SFV-Website): "Für den SFV heißt das nun, dass wir .... die Suche nach einem Nachfolger fortsetzen und mit weiteren geeigneten Kandidaten Gespräche führen werden. Wir lassen uns Zeit, denn der Faktor Zeit drängte nur im Fall von Marcel Koller. Diese Option haben wir in der gebotenen Eile geprüft. Nun haben wir Klarheit."