Erstellt am 09. Oktober 2012, 14:12

Koller vertraut weiter auf Almer. In die Tormann-Hierarchie der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft ist am Dienstag Bewegung gekommen.

Zum einen wurde Austria-Schlussmann Heinz Lindner wegen Adduktorenproblemen aus dem Teamcamp in Bad Tatzmannsdorf entlassen und durch Rapid-Keeper Lukas Königshofer ersetzt, zum anderen ist Ried-Torhüter Thomas Gebauer nun im Besitz der österreichischen Staatsbürgerschaft und damit für die ÖFB-Auswahl spielberechtigt. Nationaltrainer Marcel Koller ficht dies aber nicht an - der Schweizer setzt auch in den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Kasachstan auf Robert Almer als Nummer eins.

Die mangelnden Einsätze des Steirers bei Fortuna Düsseldorf nimmt Koller in Kauf. "Es ist der Optimalfall, wenn jeder Spielpraxis hat. Aber wir sind in Österreich noch nicht so weit, dass wir sagen können, jeder Teamspieler muss bei seinem Verein Stammspieler sein", erklärte der 51-Jährige.

Schon bei seinem Teamchef-Debüt im November 2011 gegen die Ukraine schenkte Koller dem 28-Jährigen das Vertrauen, obwohl der Goalie damals ebenfalls wenig Spielpraxis vorzuweisen hatte. Auch gegen Finnland, die Türkei und zuletzt gegen Deutschland stand Almer als Düsseldorfer Ersatzkeeper im ÖFB-Tor und erfüllte seine Aufgaben stets zur Zufriedenheit des Teamchefs. "Vielleicht spürt er in der Nationalmannschaft das Vertrauen und kann dadurch seine Leistung abrufen", vermutete Koller.

Am Reservistendasein Almers in Düsseldorf wird sich wohl so schnell nichts ändern, schließlich gilt der ihm vorgezogene Fabian Giefer als neuer Star unter den deutschen Torhütern. In den ersten sieben Runden musste der 22-Jährige nur dreimal hinter sich greifen - lediglich Bayern-Schlussmann Manuel Neuer wurde bisher seltener bezwungen. "Mit Giefer hat Almer einen starken Konkurrenten. Es wird sich wahrscheinlich noch ein bisschen hinziehen, bis er zu Spielen kommt. Allerdings können immer wieder Verletzungen oder Sperren passieren", meinte Koller.

Mit Gebauer verfügt der Nationaltrainer nun über eine zusätzliche Option, die er aber wohl nicht so schnell ziehen wird. "Wir wechseln in der Nationalmannschaft die Spieler nicht so schnell, sondern schenken ihnen Vertrauen", sagte Koller. Deswegen müsse sich Lindner auch keine allzu großen Sorgen machen, nach seinem jetzigen Ausfall künftig nicht mehr einberufen zu werden. "Das heißt nicht, dass Lindner beim nächsten Mal nicht dabei ist."

Dennoch ist eine Einberufung Gebauers nicht ausgeschlossen, zumal Christian Gratzei zuletzt bei Sturm Graz nur auf der Bank saß. "Jeder, der über einen längeren Zeitraum gute Leistungen bringt, ist ein Kandidat für die Nationalmannschaft", sagte Koller, als er auf den gebürtigen Deutschen angesprochen wurde.

Früher als der Rieder Goalie dürfte David Alaba zum ÖFB-Team stoßen. Koller wird den Bayern-Legionär voraussichtlich nach der Rückkehr am Samstag aus Kasachstan nachnominieren, auch wenn der 20-Jährige nach überstandenem Ermüdungsbruch noch kein Bewerbsspiel in den Beinen hat. "Die Überlegung ist, ihn dazuzunehmen und dann im Training zu schauen, wie weit er ist." Alaba absolviert am Donnerstag noch ein Testmatch mit den Bayern, nach dieser Partie und einem Telefonat zwischen Koller und dem Münchner Coach Jupp Heynckes fällt die endgültige Entscheidung.

Mehr als die körperliche Verfassung von Alaba liegt dem ÖFB-Teamchef derzeit der Auftritt seiner Mannschaft am Freitag in Astana am Herzen. In punkto Aufstellung ließ sich Koller nicht in die Karten blicken, verriet aber immerhin, dass Zlatko Junuzovic nicht wie bei Werder Bremen im zentralen defensiven Mittelfeld zum Einsatz kommen wird. "Wir sehen ihn bei uns eher im vorderen Bereich", meinte Koller.

Vor dem Auswärtsspiel gegen die Kasachen warnte der Teamchef noch einmal eindringlich vor einer Geringschätzung des Gegners. "Das Wichtigste wird die Einstellung sein. Wenn wir das Gefühl haben, wir fahren nach Kasachstan und können dort locker unser Spiel durchziehen, wird es eine böse Überraschung geben." Dieses Mantra bekommen die ÖFB-Kicker in Bad Tatzmannsdorf regelmäßig vom Betreuerstab zu hören. "Wir wissen, dass die Mannschaft nicht nachlässig sein darf und vermitteln das den Spielern", betonte Koller.