Erstellt am 05. März 2013, 09:27

Kompromiss nimmt konkrete Formen an. Brennpunkt Erste Liga | Der Vorschlag für die künftigen Auf- und Abstiegsbestimmungen steht – was noch fehlt, ist die Zustimmung.

SV Mattersburg vs. KSV Superfund Kapfenberg, 12.03.2011  |  NOEN, Franz Baldauf
Von Bernhard Fenz

Wie von der BVZ in der vorigen Ausgabe prognostiziert, hat sich die mit der Erstellung eines abgeänderten Ligaformats in der Ersten Liga betraute Arbeitsgruppe (der Vertreter des ÖFB und der Bundesliga angehören) auf einen Kompromiss bei den Auf- und Abstiegsbestimmungen geeinigt.

Ab 2014/2015 soll es zwei (statt bisher einem) Fixabsteiger aus der Ersten Liga geben, dafür würde der ÖFB vom beschlossenen Direktaufstieg aus allen drei Regionalligen absehen und sich mit zwei Aufsteigern zufrieden geben – einer direkt (und jährlich pro Liga wechselnd) sowie der Zweite im Zuge eines Relegations-Duells der anderen Meister. Den Amateurmannschaften der Bundesligisten wird dafür der Aufstieg in die Erste Liga verwehrt bleiben, im Gegenzug soll die Zahl auf maximal drei Teams pro Regionalliga reduziert werden. Für jeden Bundesliga-Amateur soll es eine jährliche finanzielle Entschädigung des Trägervereins von 30.000 Euro an die Liga geben.

Nun geht der Vorschlag für die Zustimmung zurück zum Ursprung. Erst wenn das ÖFB-Präsidium einerseits und die Bundesliga-Vereine andererseits „Ja“ sagen, kann das ausgearbeitete Szenario in die Tat umgesetzt werden.

Zweidrittel-Mehrheit der Bundesliga nötig

Bei der Bundesliga werden nun die höchste (50 Stimmen) und die zweithöchste Spielklasse (30 Stimmen) tagen. Zeichnet sich eine entsprechende Mehrheit ab, ist die Sache gelaufen und der endgültige Beschluss (dieser müsste dann im Zuge der Hauptversammlung mit einer Zweidrittel-Mehrheit gefasst werden) nur noch ein Formalakt. BFV-Präsident Gerhard Milletich – er gehört auch als Vertreter der Region Ost der Arbeitsgruppe an – ist zuversichtlich, dass es im Frühjahr zu einer Absegnung kommt: „Es sieht danach aus, als ob die jetzt gewählte Vorgangsweise auch bestätigt wird. Beide Seiten sind einander entgegengekommen.“
Mit dem SV Mattersburg hat das Burgenland derzeit einen Bundesliga-Vertreter. Dort sieht man die aktuelle Lösung noch nicht in Stein gemeißelt, wie SVM-Boss Martin klarstellte. Speziell die Beschränkung der Amateurvereine ist ein Reizthema: „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Für die Amateure ist die 3. Liga eine ideale sportliche Plattform.“

Auch bei den Auf- und Abstiegsbestimmungen stellte der ehemalige Bundesliga-Präsident (von Dezember 2005 bis Dezember 2009) fest: „Wir waren schon einmal weiter. Vor einigen Jahren war das im Zuge der Ligaformats-Diskussionen bereits Thema.“
So sei laut Pucher die Reduktion von drei auf zwei Regionalligen der potenzielle Aufstiegs-Schlüssel gewesen. „Das Problem ist klar: Wir haben neun Bundesländer, die kann man schwer durch zwei teilen. Da der Westen aber weniger Vereine stellt, wäre eine Aufteilung von fünf Bundesländern für den Westen und vier Bundesländer für den Osten vorstellbar gewesen.“

Die beiden Ersten hätten sich nach diesem Vorschlag dann einen „Amateur-Meister“ ausgespielt, der direkt aufsteigt. Der Verlierer hätte noch eine weitere Chance in einem Relegationsspiel gegen den Vorletzten der Ersten Liga gehabt. So hätte es auch weiter nur einen Fixabsteiger gegeben. Fakt ist aber, dass der ÖFB drei Regionalligen behalten will, diese Variante hat(te) also keine Chance.


Ligaformat im Detail: 30.000 Euro für jeden Amateur
Der ÖFB präsentierte jenen Vorschlag, der den 20 Bundesliga-Klubs sowie dem ÖFB-Präsidium unterbreitet wird. Diese müssen dem einvernehmlichen Vorschlag der Arbeitsgruppe zustimmen.

•  Tipp3 Bundesliga und Erste Liga bleiben weiter bei 10 Vereinen.
• Aus der Ersten Liga steigen ab 2014/15 die beiden Letzten ab.
• Es bleiben drei Regionalligen (16 Klubs), aus deren Meistern zwei Aufsteiger ermittelt werden. Neben der sportlichen Qualifikation ist es zwingend nötig, dass bereits mögliche Aufsteiger die Lizenz erhalten. Der exakte Modus wird bis Ende März ausgearbeitet.
Anmerkung: Zu favorisieren ist aktuell die Variante eines jährlich wechselnden Direktaufsteiger-Rads und eines Relegation-Duells der beiden anderen Regionalliga-Meister.
• Für Amateurteams wird in den Regionalligen ein eigenes Maßnahmenpaket erarbeitet, der Aufstieg in die Erste Liga bleibt auf Wunsch der Bundesliga ausgeschlossen.
Anmerkung: Die Arbeitsgruppe für das Ligaformat hat sich bis auf weiteres darauf verständigt, dass jeder Bundesligist für seinen in einer Regionalliga tätigen Amateurklub 30.000 Euro zur Verfügung stellen muss. Diese „Entschädigung“ wird dann auf die Regionalligisten aufgeteilt. Im Osten wären das bei vier Amateurmannschaften 120.000 Euro für die restlichen zwölf Klubs.
• Pro Regionalliga sind maximal drei Bundesliga-Amateurteams spielberechtigt. In der Ostliga müsste ein Amateur-Team spätestens 2014/ 2015 zwangsabsteigen.
Anmerkung: Laut Vorschlag würde es dann die schlechtestplatzierte Amateurmannschaft treffen.