Erstellt am 30. Dezember 2014, 13:45

von APA/Red

Kumpanen Kraft und Hayböck obenauf. Vor der Vierschanzen-Tournee hatten Stefan Kraft und Michael Hayböck als Geheimfavoriten gegolten.

 In Oberstdorf segelten die beiden Zimmerkollegen aber gerade zur rechten Zeit zu einem unerwarteten Doppelerfolg und damit in die Rolle der Gejagten. Das kongeniale Duo steht für eine neue, junge Garde im ÖSV-Team, aus dem sich Thomas Morgenstern durch Rücktritt und Wolfgang Loitzl durch zu schlechte Leistungen verabschiedet haben. Kraft (21) und Hayböck (23) waren schon in der Vorsaison einige Male ins Rampenlicht gesprungen, in diesem Winter schlossen sie mit mehreren Podestplätzen aber endgültig zur Weltspitze auf.

Mittlerweile hat sich aus der Zweckgemeinschaft auf Reisen eine echte Freundschaft entwickelt. "Es ist einfach nett, mit einem Gleichaltrigen. Wir verstehen uns blendend. Es passt einfach alles, das macht vieles einfacher und unkomplizierter", meinte der Salzburger Kraft über das gute Verhältnis zu Hayböck.

Dass sie in Oberstdorf nun erstmals gemeinsam zuoberst am Siegespodest stehen durfte, sei bisher nur ein Wunschtraum gewesen. "Wir haben schon einmal im Schmäh angedeutet, dass wir uns immer abgetauscht haben und haben gesagt, dass wir irgendwann gemeinsam oben stehen müssen. Dass es jetzt funktioniert hat, ist ein Traum", erläuterte der lediglich 1,70 m große Kraft.

Der wie Hayböck sehr absprungstarke Pongauer hofft natürlich auf eine Fortsetzung. "Wir werden es auch in Garmisch probieren, da muss aber einfach alles zusammenpassen", so Kraft, der in dieser Saison einen einzelnen Sprung schon öfters perfekt erwischt hatte. Konstanz war bisher keineswegs das Problem von Hayböck, vier dritte Plätze und jetzt sein erster zweiter zeugen davon.

"Momentan schaut es tatsächlich genauso wie letztes Jahr aus"

Als Lohn für sein bestes Ergebnis durfte Hayböck erstmals das Weltcupführungstrikot überstreifen. An jenes der Tournee, das sein Kumpel trägt, denke er derzeit aber noch nicht. "Es sind zwei von acht Sprüngen gemacht. Vor allem bei Bewerben mit schwierigen Bedingungen kann sich alles schnell durchmischen. Es heißt einfach konzentriert weiterarbeiten", betonte der 23-Jährige.

Der Konkurrenz, die hinter ihm der Slowene Peter Prevc, Olympiasieger Kamil Stoch (POL) und Teamkollege Andreas Kofler anführen, versprach er: "Locker lassen werde ich auf keinen Fall." Von der Doppelführung ausgerechnet mit seinem Freund erhofft sich Hayböck Vorteile. "Wir werden uns sicher gegenseitig mitziehen. Ich glaube schon, dass wir uns dadurch einen Vorteil holen können, uns gegenseitig motivieren und unterstützen können und den anderen das Leben möglichst schwer machen."

Ihnen am nächsten gekommen ist in Oberstdorf der 22-jährige Prevc, der mit je zwei Medaillen bei der WM 2013 und Olympia 2014 weiß, wie man bei Großereignissen zuschlägt. Dritter war Prevc in Oberstdorf auch im Vorjahr gewesen, im Schlussklassement reichte es für den Slowenen aber nur zum undankbaren vierten Platz. "Momentan schaut es tatsächlich genauso wie letztes Jahr aus. Aber ich bin nicht derjenige, der Vorhersagen macht, es stehen noch drei harte Wettkämpfe auf dem Programm. Mein Job ist einfach, so gut als möglich zu springen", sagte Prevc.

Während sich die weiteren Mitfavoriten Anders Fannemel (NOR/6.) und Roman Koudelka (CZE/7.) noch einigermaßen gut aus der Affäre zogen, ist die Tournee für die deutschen Co-Gastgeber schon gelaufen. Bester DSV-Mann ist Severin Freund als 13., sein österreichischer Trainer Werner Schuster sprach von einem unerklärlich "katastrophalen Wettkampf" seiner Truppe.

ÖSV-Cheftrainer Kuttin hingegen darf nach seinem perfekten Tournee-Einstand rundum zufrieden sein. "Den Aufwind nehmen wir mit und freuen uns auf die nächsten Bewerbe. Wir wollen das Team noch weiter nach vorne bringen, das ist das Ziel", meinte Kuttin.

Skisprungstar Gregor Schlierenzauer ist als chancenloser 17. in der zweiten Tournee-Station angekommen. Der Weltcup-Rekordsieger ist mit mehr als 40 Punkten Rückstand schon frühzeitig aus dem Tournee-Rennen ausgeschieden. Dem erfolgsverwöhnten Tiroler blieb in Oberstdorf wie schon des öfteren in dieser Saison nur die Rolle des Gratulanten.

Für Stefan Kraft und Michael Hayböck hatte der ehemalige Seriensieger viel Lob für den famosen Auftakt-Doppelsieg übrig. "Natürlich freut man sich, man trainiert ja auch zusammen, das taugt mir extrem, dass auch die Jungen extrem Gas geben. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie einmal ganz oben stehen", meinte Schlierenzauer (24) über die nur wenige Jahre jüngeren Teamkollegen.

Sein eigener, verhängnisvoller Finalsprung in Oberstdorf, der ihn vom sechsten Platz weit zurückwarf, sei ihm gar nicht so schlecht vorgekommen. "Aber es funktioniert noch nicht alles so auf der breiten Basis", bekannte der schon den ganzen Winter mit Problemen kämpfende Tournee-Gewinner von 2011/12 und 2012/13.

Im Vorjahr hatte er seine Siegambitionen nach Garmisch endgültig abschrieben müssen, diesmal kam er schon geschlagen dort an. "Die Tournee ist glaube ich Geschichte, so viel kann ich schon rechnen."

Die Traditionsserie sei für ihn jetzt nur noch ein "super Wettkampftraining auf hohem Niveau", so Schlierenzauer. Er habe vor allem Innsbruck und Bischofshofen ins Auge gefasst. "Ich freue mich vor allem auf die Heimspiele."