Erstellt am 28. März 2012, 00:00

Kurioser Besitzerwechsel. STADION RITZING / Der Ritzingerin Helga Wessely gehört nach der Zwangsversteigerung die Liegenschaft unter der Tribüne.

VON BERNHARD FENZ

UND KIM ROZNYAK

So attraktiv kann eine Fläche sein, auf der ein Betonklotz steht: 2342 m? groß ist die Liegenschaft unter der Nordtribüne des Ritzinger Stadions, die seit Freitag im Zuge einer Zwangsversteigerung eine neue Besitzerin hat: Helga Wessely. Preis: 8683 Euro.

Geht es nach der Ritzingerin, so geschah alles eher zufällig: „Ich bin zur Versteigerung des Grundstücks gegangen und wollte mir das nur mal ansehen. Dort bot ein Weppersdorfer mit und deswegen habe ich auch mitgeboten.“

Dem vom Gericht angeordneten Termin zugrunde liegt ein mittlerweile über Jahre andauernder Rechtsstreit zwischen dem SC Ritzing und dem ehemaligen Trainer Norbert Barisits (die BVZ berichtete). Letzterer ließ Gehälter eines von 2006 bis 2009 mündlich abgeschlossenen Vertrags mit Ritzing einklagen und erhielt nach zweimaliger Berufung vom Höchstgericht Recht. Laut Rudolf Novotny von der Vereinigung der Fußballer (VdF – sie vertritt Barisits) sind 46.000 Euro plus Zinsen zu bezahlen. Weil Ritzing-Boss Harald Reißner das nicht tun will (er pocht darauf, dass Barisits nicht vom SC Ritzing, sondern vom Insolvenzverfahren des SC Eisenstadt, wo Barisits danach tätig war, Geld bekommen sollte), erfolgte nun die Exekution im Sinne der Zwangsversteigerung.

Reißner: „Das sind  persönliche Animositäten“

Hier kam Helga Wessely ins Spiel. Reißners Mutmaßung: „Das sind persönliche Animositäten gegen mich – und weil sie dem SC Ritzing schaden möchte.“ Finanziell fließen nun jährlich 300 Euro Bauzins vom Gebäudeeigentümer (die Harte Sport GmbH) nicht mehr an den Sportverein, sondern an Wessely. Ansonst wäre laut Harald Reißner mit der Liegenschaft nicht viel anzufangen, wie er ausführt: „49 Jahre lang passiert gar nichts. Danach müsste Frau Wessely, wenn sie die Tribüne wegreißen lassen würde, dafür sorgen, dass die Kinder der Volksschule und die Gemeindebediensteten auf diesem Areal eine Dusch- und Umkleidemöglichkeit vorfinden – das ist laut den alten Pachtverträgen so geregelt und wird von uns auch so gehandhabt.“ Und: „Die ersten drei Stufen der Tribüne und die rückwärtige Mauer müssten bleiben – die befinden sich nicht auf besagtem Grund.“

Ob und wann Barisits („Ich glaube nicht, je den ganzen Betrag zu erhalten“) den Rest der offenen Summe einfordern lässt, ließ der Ritzing-Boss offen: „Der SC Ritzing verfügt über keine Vermögenswerte mehr. Ich rechne aber nicht damit, dass das jetzt aus ist.“

„49 Jahre lang gilt das Nutzungsrecht der Tribünenanlage – so lange gibt es auch kein Zugangsrecht auf die Liegenschaft. Nach Ablauf dieser Zeit ist Frau Wessely 106 Jahre alt, ich bin 99. Kein vernünftiger Mensch versteht diese Aktion.“                                            

Harald Reißner,

Obmann des SC Ritzing

„In Wahrheit ist das eine Privatfehde gegen den SC Ritzing und eine Aktion, die dem Sport schadet.“                      Derselbe

„Vorläufig kann ich mit dem Grundstück nichts machen. Aber ich bekomme jährlich einen Bauzins vom Baurechtsnehmer ausbezahlt.“

Helga Wessely,

neue Besitzerin der Liegenschaft

STIMMEN UND SPRÜCHE