Erstellt am 28. März 2012, 15:04

Leitgeb hat in seiner Präsidentschafts-Ära viel vor. Seit Sonntag ist er der neue Präsident des Österreichischen Tennisverbands. Ronnie Leitgeb möchte in seiner neuen Funktion im ÖTV einiges bewegen.

Bettina Steigenberger (l.) und Ronnie Leitgeb  |  NOEN
Am Mittwoch hat der 52-jährige Niederösterreicher in Wien bei einer erstmals überhaupt live übertragenen Tennis-Pressekonferenz sein Konzept und seine Ziele vorgestellt. Im Zentrum stehen ein geschlossener Kreislauf zwischen hochqualifizierter Trainerausbildung und dem Spitzensport.
 
"Wir möchten, dass alle Trainer in Zukunft einem Lizenzierungsverfahren unterliegen, das heißt eine verpflichtende Fort- und Weiterbildung haben", erklärte Leitgeb im Novomatic-Forum am Wiener Naschmarkt. Als Präsident wird Leitgeb in den kommenden drei Jahren dem Spitzensport sowie der Ausbildung vorstehen. "Hauptaufgabe des ÖTV ist es, die stärkstmögliche Nationalmannschaft bei den Damen und bei den Herren zu stellen. Unter dieser Aufgabe muss es einen geschlossenen Kreislauf der Ausbildung geben, sprich, wir müssen wissen, wie wird in drei bis fünf Jahren diese Nationalmannschaft ausschauen."
 
Darum wird Leitgeb das bereits schon einmal in seiner Zeit als Davis-Cup-Kapitän begonnene Projekt des Junior-Davis-Cup- und -Fed-Cup-Teams wieder aktivieren. Er werde oft von Eltern gefragt, wie der Weg ihres talentierten Kindes ausschauen könnte. "Es ist die Aufgabe des ÖTV, diesen Weg genau darzustellen. Welche Entwicklungsschritte hat das Kind zu durchlaufen, um am Ende in der Nationalmannschaft zu enden? Um das tun zu können, brauchen wir qualifizierte Trainer von der Spitze bis an die Basis", erläutert Leitgeb.
 
Darum will er ab schon ab diesem Herbst für alle Tennis-Coaches eine Lizenzierung der geprüften Trainer einführen, um auch eine immerwährende Fortbildung der Coaches zu garantieren. "Ich bin selbst Pilot und muss alle sechs Monate meinen Checkflug machen. In Österreich gibt es Tennislehrer, die haben vor 30 Jahren die Prüfung gemacht und seither nicht irgendeinen Checkflug - da liegt die Problematik", glaubt der gebürtige Mödlinger. Derzeit gäbe es nicht einmal eine Datenbank der Trainer.
 
In einem modernen System müsse vom Sportdirektor und vom Präsidium die Vorgabe kommen, was muss ein Jugendlicher mit zehn, zwölf Jahren können. Leitgeb bedient sich des Beispiels Frankreich. "Egal, ob ich nach Nizza, Lyon oder Marseille gehe, die zehn-, zwölfjährigen Kinder haben alle in etwa denselben technischen Stand. Das ist die Basis, das Handwerkszeug, um vielleicht später ins Spitzentennis zu kommen."
 
Auf dem Weg zur Modernisierung und Umstrukturierung des Verbandes soll auch Thomas Muster als Berater seine Erfahrung beisteuern. "Es gibt einen österreichischen Weg, wenn man so will einen Thomas-Muster-Weg: Ich habe mich mit Thomas sehr intensiv darüber unterhalten - er wird mir als Berater zur Seite stehen. Er hat gezeigt, dass man auch im kleinen Österreich zu einer Nummer 1 in einer Weltsportart werden kann. Ich hoffe, dass er die kritische Stimme ist, wenn er Fehler im System entdeckt."
 
Dies gelte aber auch für alle anderen erfahrenen Ex-Spitzenspieler oder auch Leute wie Günter Bresnik: "Es wird nur noch ein Lager geben im Tennis und das eine Lager heißt Tennis-Lager Österreich!" Von Animositäten früherer Tage will Leitgeb nichts mehr hören, sondern alle an einen Tisch bringen.
 
In Sachen Nachwuchs will Leitgeb aber auch eine gut strukturierte Turnierlandschaft in Österreich für die Unter-10, Unter-12 und Unter-14-Jährigen schaffen, damit man Reisekosten und Zeit sparen, dafür aber Trainingstage gewinnen kann.
 
Leitgeb bekennt sich klar zum Leistungszentrum Südstadt, das allerdings auch einige Modernisierungen durchlaufen soll. Dazu - und auch zur fehlenden Davis-Cup-Heimstätte - möchte der Neo-Präsident auch mit dem Bund intensive Gespräche führen. "Wir haben einen Investitionsrückstau seit 15 Jahren im österreichischen Tennisverband. Natürlich ist es eine ungünstige Zeit, aber beim Tennisverband hat man die vergangenen 15 Jahre massiv gespart." Während in Kärnten ein 17.000 Zuschauer fassendes Fußball-Stadion leer steht, verfügt das Tennis über keine 3.000-Zuseher-Anlage für Heim-Davis-Cups, erklärt er.
 
Auch in der Kommunikation nach innen und außen, sowohl via modernisierter Website, als auch via moderne Medien wie Facebook und Twitter will sich der ÖTV künftig besser verkaufen und auch neue Werbemöglichkeiten lukrieren. Die bereits existierende Gesamtrangliste für Meisterschaftsspieler (ITN) soll auf alle Hobbyspieler ausgeweitet werden, jeder Tennisspieler soll sich im gleichen nationalen Ranking wie ein Jürgen Melzer finden.
 
Apropos Melzer oder auch Tamira Paszek, deren beider Manager Ronnie Leitgeb ist. Der Niederösterreicher sieht darin keinen Interessenskonflikt: "Es gibt eine einzige Schnitt-Stelle zwischen Jürgen, Tamira und dem österreichischen Tennisverband und das ist die Einberufung in die Nationalmannschaft. Da gibt es Verträge, die für alle Spieler gleich sind, die werde ich auch nicht antasten. Es wird so bleiben, wie es in der Vergangenheit war."
 
Neben dem Auswärts-Davis-Cup am Oster-Wochenende im Weltgruppen-Viertelfinale in Spanien stehen freilich auch die Olympischen Spiele in Wimbledon im sportlichen Bereich heuer ganz oben auf der Wunschliste. "Ich kann keine Medaillen fordern wie der österreichische Skiverband, aber wir haben immerhin doch einige Spieler, die wir in London dabeihaben werden. Realistisch wäre eine Olympiamedaille großartig und wir sind ja nicht so eine große Sommersportnation. Ich glaube, so eine Olympiamedaille im Tennis im traditionsreichen Wimbledon, da würden wir uns alle drüber freuen."