Erstellt am 19. Mai 2016, 05:44

von Bernhard Fenz

Ligareform: „Das Finanzielle ist die große Hürde“. Wer zahlt die zweithöchste Spielklasse? Das sei laut BFV-Boss Gerhard Milletich ein wichtiger offener Punkt.

Ostliga-Aufstiegskandidaten: Parndorfs Obmann Gerhard Milletich (r.) und Ritzing-Chef Harald Reiszner könnten mit ihren Klubs vielleicht schon bald der neuen zweithöchsten Liga angehören. Fotos: Fenz  |  NOEN, Fenz/Collage Rameder
Die Fußball-Bundesliga und der Österreichische Fußballbund (ÖFB) sind im Begriff, noch bis Juli ein seit Jahren heißes Thema unter Dach und Fach zu bringen: Die Neustrukturierung der beiden höchsten Profiligen des Landes, die bislang unter der Hoheit der Bundesliga standen. Das könnte sich, so zumindest die Pläne der Beteiligten, nun ändern – wird rasch entschieden, vielleicht sogar schon ab der Saison 2017/2018.

Frage in Millionenhöhe noch zu klären

Als favorisierte Variante gilt dabei: Die Tipico Bundesliga soll in Zukunft von zehn auf 12 Vereine vergrößert werden – mit einem Grunddurchgang und einem Meister- sowie einem Abstiegs-Play-off.

Darunter wird eine 16 Klubs starke Halbprofiliga als zweite Leistungsstufe präferiert. Die würde aber nicht mehr zwingend unter Bundesliga-Flagge spielen, sondern könnte unter ÖFB-Patronanz stehen.

Also stellt sich die Frage der Zuständigkeiten: Administration, Lizenzierungsverfahren, Finanzierung – die künftige Liga soll schließlich bestens gerüstet und gesichert sein. Burgenlands Verbands-Präsident Gerhard Milletich ist Mitglied im ÖFB-Präsidiums – und sagt: „Das ist sicher die große Hürde, wenn es um die Frage geht, wer wie viel zahlen soll.“

Und es ist eine Frage in Millionenhöhe, die es noch zu klären gilt. „Bundesliga und ÖFB sind sich einig, dass eine Reform der Ligen nötig ist. Es sind auch alle Beteiligten der gleichen Meinung, dass der Weg einer Durchlässigkeit aufrechterhalten werden muss. Jetzt geht es eben darum, wie viel Geld für die Durchführung, die Vereine und die Administration aufgestellt werden kann – und vor allem, von wem,“ so Milletich. Hier gelte es, zwischen Bundesliga und ÖFB eine entsprechende Lösung zu finden.

Positive Reaktionen aus der Regionalliga

Eine Zwölferliga ganz oben würde den SV Mattersburg betreffen. Präsident Martin Pucher, der als Ex-Bundesliga-Boss bereits jahrelang intensivst mit der Materie zu tun hatte und stets Verfechter der Zehnerliga war, wollte sich zu der möglichen Reform-Thematik vorerst nicht äußern.

Für die Erweiterung der zweiten Spielklasse von zehn auf 16 Vereine (dann wäre von unten rauf der Direktaufstieg aus den drei Regionalligen wieder möglich) können sich Burgenlands beste Ostliga-Klubs jedenfalls erwärmen.

Beim SC/ESV Parndorf kommt wieder BFV-Boss Gerhard Milletich (diesmal als Klubobmann) ins Spiel, der eine 16er-Liga auch für seinen Verein als „interessant“ empfindet. Noch offensiver spricht Harald Reiszner, Klubchef des aktuellen Dritten SC Ritzing, über das neue Format: „Eine Reform der Ligen war mehr als nötig. Ich halte die angedachte Variante für höchst reizvoll. Seitens des SC Ritzing wäre ein Aufstieg in so eine Liga anzustreben – noch dazu, wenn in einer 16er-Liga einige Mannschaften aus Ostösterreich spielen.“

Dass der ÖFB und nicht die Bundesliga die Patronanz über das neue Format übernehmen soll, sieht Reiszner (der mit Ostliga-Meister Ritzing 2015 keine Lizenz erhalten hatte) übrigens mit einem lachenden Auge: „Sagen wir einmal so: In der Bundesliga haben wir nicht sehr viele Freunde.“

Eine Frage stellt sich der Obmann der Mittelburgenländer aber: „Wenn oben auf zwölf Klubs aufgestockt wird und unten 16 Plätze offen sind, wird es interessant, wer in diese Liga gehen kann. Die Anzahl aus der Mitte und aus dem Westen dürfte, was man hört, eher dünn sein. Sollten das dann also einige Ostligisten sein, umso besser.“
 

Geplante Ligareform

  • Seitens der Fußball-Bundesliga und seitens des ÖFB ist ein Prozess im Gang, der sich mit einer Reform der beiden höchsten Leistungsstufen befasst.

  • Favorisiert wird eine Umstrukturierung der Tipico Bundesliga von zehn auf zwölf Vereine (Grunddurchgang, im Anschluss Meister- und Abstiegs-Play-off).

  • Darunter könnte die Sky Go Erste Liga von 10 auf 16 Klubs aufgestockt und dann als Halbprofiliga geführt werden.

  • Abgesegnet werden muss die Reform freilich erst. Morgen, Donnerstag, wird im Vorfeld des ÖFB-Samsung-Cup-Finales in Klagenfurt eine Klubkonferenz abgehalten. So oder so muss eine Zweidrittel-Mehrheit im Rahmen einer außerordentlichen Bundesliga-Hauptversammlung am 31. Mai her. Seitens des ÖFB müsste das ÖFB-Präsidium zustimmen.

  • Gelingt das alles, könnte ein neues Ligaformat bereits mit der Saison 2017/2018 in Kraft treten.