Erstellt am 27. März 2013, 08:31

„Lockerheit und Spaß muss man mitbringen“. Surfsport | Der Golser Windsurfer Chris Pressler spricht im Interview über die Gefahr, total zu verspannen, über seine Projekte und Pläne, über Ted Ligety und Ex-Segelprofi Andi Geritzer.

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BVZ: Sie sind im Slalom österreichweit Spitze, wurden im letzten Jahr 36. im Weltcup – mit einem 21. Platz als beste Platzierung. Wie viel wert sind diese Ergebnisse in der Außenwirkung?
Chris Pressler: Für Außenstehende und Nicht-Windsurfer gar nichts, für Leute aus der Windsurf-Szene sind diese Ergebnisse viel wert. Das ist nicht mehr die breite Masse. Darum sagen auch viele Kollegen: „Super, dass du 36. bist, weil du ja nicht nur das machst.“

Sondern?
Pressler: Ich bin einerseits Herausgeber des Surf-Online-Magazins „continentseven.com“ und andererseits gemeinsam mit meiner Partnerin – sie ist Fotografin – an diversen Projekten und Reisen beteiligt. Jetzt fahren wir etwa in den Norden Sardiniens, um dort ein Portrait über Freeriden zu gestalten.

Was ist der besondere Reiz an all den Projekten?
Pressler: Ich komme hier zu meinen Ursprüngen zurück. Weitschichtig ist das alles mit dem Abenteuerfaktor verwandt – jetzt plane ich etwa ein Projekt „Windsurfen ums Nordkap“.
Klingt spannend. Haben Sie schon davor etwas Ähnliches in diese extreme Richtung getan?
Pressler: Wir haben schon versucht, von Alaska nach Russland zu surfen.

Haben Sie es geschafft?
Pressler: Nein. Wir sind damals bei der Hälfte gescheitert, das war 1996. Der Output war aufgrund der Filme trotzdem super.

Konzentrieren Sie sich hier bewusst auf kalte Regionen?
Pressler: Nein. In Marokko hatten wir ein Projekt, das war „Riding Marokko“ – mit einem Mountainbike und einem Anhänger, auf dem ein Snowboard und ein Windsurfbrett montiert waren. So sind wir durchs Land gefahren. Das war geil.

Es geht also nicht ausschließlich nur um den Weltcup?
Pressler: Für mich wäre es die größte Bestrafung, wenn ich das ganze Jahr über nur mit meinen Profikollegen trainieren müsste.

Warum?
Pressler: Ich bin auch gerne mit Freunden am See draußen. Die können sich dann mit mir messen, das ist mein Training. Da bin ich auch einmal langsamer als ein Amateur, der gerade das perfekte Material hat. Aber dafür ist das mein Spaß am Surfen.

Welchen Stellenwert muss man dem Spaßfaktor geben?
Pressler: Wer mich inspiriert, ist Ted Ligety. Den habe ich zufällig auf der ISPO (Anm.: größte Messe für Wintersport) in München unmittelbar vor der Ski-WM getroffen und wir sind ins Gespräch gekommen. Ich habe ihn gefragt: „Was machst du da? Bist du wahnsinnig? Was ist mit Schladming?“ Er hat nur gesagt: „Ja ja, cooles Warm-up in München.“ Diese Lockerheit und den Spaß muss man auch bei uns mitbringen und darf nicht total verspannen. Der finanzielle Output ist ohnehin nur für zwei oder drei Fahrer gut.

Speziell für den 43-jährigen Altstar Björn Dunkerbeck?
Pressler: Der braucht sich durch seine Erfolge und die ständige TV-Präsenz keine Sorgen mehr machen.

Was gibt es im Weltcup zu gewinnen?
Pressler: Wenn man Erster wird, bis zu 6.500 Euro.

Sie wurden voriges Jahr 21. Wie viel haben Sie dafür kassiert?
Pressler: Das waren 600 oder 700 Euro. Ich bin trotzdem derzeit superglücklich mit allem, was ich habe.

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Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer aktuellen Entwicklung?
Pressler: Ich versuche sehr stark, die materielle und die mentale Komponente auszuloten. Seit zwei Jahren arbeite ich mit einem Programm und sehr viel mit Spannungs-, Atmungs- und Konzentrationsübungen. Sehr viel hat mir die Zeit mit Björn Dunkerbeck gebracht, für den ich rund drei Jahre den Caddie bei den Regatten gemacht habe.

Ist so etwas nicht ungewöhnlich?
Pressler: Nein. Wenn ich schon draußen war, habe ich ihm am zweiten Set assistiert, falls sich der Wind plötzlich verändert oder ein Materialgebrechen passiert. Bis zwei Minuten vor dem Start kann man umstecken, das hat ihm sehr viel Unterstützung gebracht – teilweise Siege, wie einmal in Sylt. Dort ist der Wind plötzlich abgefallen.

Sie haben das mentale Training erwähnt. Ist das notwendig, weil Sie mit 39 Jahren mit anderen Komponenten etwaige Nachteile ausgleichen müssen, oder ist es eine mittlerweile unumgängliche und notwendige Methode?
Pressler: Man sollte das eigentlich schon von Kindheit an machen. Für mich gilt: Ich will mich steigern, habe aber nicht ständig Zeit und die finanziellen Möglichkeiten, dauernd irgendwohin zu reisen. Deswegen versuche ich andere Methoden zu finden, um fit zu bleiben.

Was meinen Sie konkret?
Pressler: Beispiel Start: Das Intervall von zwei Minuten, vier Minuten, zehn Sekunden – das kann man in einer Rückenlage im Bett, wo ich es mit einer Startuhr herunterzähle, sogar besser lernen als an einem windverblasenen Strand. Windsurfen kann ich natürlich nur am Wasser üben.

Wie wichtig ist aber auch das, was abseits des Wassertrainings gemacht werden muss?
Pressler: Ich habe ihn noch nicht oft getroffen, aber jedes Mal, wenn ich Andreas Geritzer sehe, sagt er: „Gleichgewichtstraining, mentales Training, und Rückentraining, und Stabilisieren“. Alles hat etwas gebracht. Wenn ich viel Geld hätte, würde ich ihn mir als Trainer engagieren – das ist einmal klar.

Sie haben mit Ihren Projekten und Reisen schon viel erlebt. Was haben Sie noch nicht getan?
Pressler: Lange habe ich keinen Zimt gegessen (schmunzelt), aber das mache ich mittlerweile – soll für den Magen gut sein.

Und was lehnen Sie ab?
Pressler: Wovor ich ein bissl Angst habe, sind ganz enge Höhlen oder enge Gänge. Das lasse ich aus. Wenn es in Bussen eng wird, habe ich leichte Panik. Das, was Felix Baumgartner gemacht hat, geht auch gar nicht. Ballon fahren schon, aber runterspringen? Nein.

Interview: Bernhard Fenz


Lesen Sie auf Seite 3 Wissenswertes über Christoph Pressler


Wahl-Burgenländer: Chris Presslers Weg führte von Salzburg über Wien ins Burgenland.

• Christoph Pressler (39) stammt aus Salzburg (Tamsweg). Sein Weg führte über Wien ins Burgenland. Seit mehreren Jahren ist er Golser.

• Ursprünglich war Pressler als Freerider aktiv, seit 2005 ist er das im Slalom. Der Wahl-Burgenländer bestreitet dabei die PWA-Tour (Professional Windsurfers Association), also den Weltcup. Dabei haben die 64 Surfer einen Kurs zu bewältigen und treten pro Runde in acht Läufen gegeneinander an. Die besten Vier steigen in die nächste Runde auf, bis es um das Finale (Plätze 1 bis 8) und das Looses Finale (Plätze 9 bis 16) geht.

• Das Gesamt-Preisgeld auf der PWA Worldtour beträgt bei den Männern pro Disziplin bis zu 40.000 Euro. Preisgeld gibt es bis zum 16. oder 24. Rang.

• Chris Pressler hat über 40 Weltcup-Starts und zwei Teilnahmen an IFCA-Weltmeisterschaften (2008 Südafrika – dort unter die besten Acht gesurft – und 2011 in Texel/Holland) zu Buche stehen.

• Bisher beste Ergebnisse:
Südkora: Platz 17/2007
Reggio di Kalabria: Platz 21/2012
Südkorea: Platz 27/2012
Costa Brava: Platz 30/2011
Costa Brava: Platz 22/2009
Südkorea: Platz 19/2009

• Weiters:
Kroatischer Meister 2012
Boracay Champion 2008
Supercup Sieger Sibenik 2009
Platz 2 auf der Asian Tour 2008